Klaus Hergert aus Limbach sammelt mit Hilfe der „Freie Presse“-Leser Geld für ein neues Auto. Sich vorwärts zu bewegen, ist auch im eigenen Haus eine Herausforderung. Wie ihm sein Vater einst dabei half.
Das sieht anstrengend aus. Klaus Hergert hängt in einer Art Tragegeschirr und schwebt einige Zentimeter über seinem Rollstuhl. Der Gurt hebt die Knie offenbar höher als Hergerts Gürtel. Ist das nicht furchtbar unbequem? „Nö, überhaupt nicht“, sagt der 51-jährige Mann aus Limbach. „Wenn man den ganzen Tag im Rollstuhl sitzt, ist man für jede andere Position unheimlich dankbar.“ Hergert leidet an Spinaler Muskelatrophie, einem fortschreitenden Muskelschwund. Beine und Arme kann er zwar spüren, aber nicht bewegen. Den Elektrorollstuhl bedient er mit seinen Fingerspitzen. Genauso macht er es mit seinem Deckenlift. „Ich gebe ungern die Fäden aus der Hand“, sagt er grinsend.
Ein Hansdampf in allen Gassen
Das ist nicht nur so daher gesagt. Rollstuhl hin, Rollstuhl her - Klaus Hergert ist ein Macher. Der gelernte Bürokaufmann arbeitet am Computer für eine Softwarefirma, ist ehrenamtlich im Bereich Muskelerkrankung tätig, sitzt im Limbacher Gemeinderat und ist sogar stellvertretender Bürgermeister. All das geht nicht ohne Auto. Doch der TÜV wird Im September des kommenden Jahres seinen silbernen Ford-Bus aus dem Verkehr ziehen. Der Unterboden ist völlig durchgerostet. Deswegen sammeln seine Freunde Geld für einen neuen Gebrauchten. Über das Projekt „Leser helfen“, will man ihnen sowie Klaus Hergert dabei unter die Arme greifen.
Denn obwohl sich der 51-Jährige soweit es irgend geht selbst um seine Sachen kümmert – wegen der Muskelerkrankung ist er zwangsläufig in vielen Bereichen auf Unterstützung angewiesen. Die ersten Helfer waren natürlich seine Eltern. Sie merkten schnell, dass ihr Sohn gesundheitliche Probleme hatte. „Als Baby konnte ich mich nicht drehen“, sagt Klaus Hergert. „Später konnte ich zeitweise an einer Wand entlanggehen, wenn ich mich mit den Händen abgestützt hatte. Richtig frei laufen ging aber nie.“ Mit drei bis vier Jahren war auch das Laufen an der Wand vorbei. Seither sitzt Hergert im Rollstuhl.
Die Garage wurde nie gebaut
Deshalb haben seine Eltern versucht, ihm das Leben zu erleichtern. „Mein Vater war eigentlich dabei, neben unserem Haus eine Garage zu bauen“, so der Limbacher. „Das hat er dann aber bleiben lassen. Er meinte, eine barrierefreie Wohnung für mich sei wichtiger.“ Statt einer Garage baute der Ofensetzer ein Haus für seinen Sohn. Ende der 90er- oder Anfang der 2000er-Jahre hatte Klaus Hergert die Idee mit dem Deckenlift. Bis dahin hatten ihn seine Eltern zwischen Bett, Badezimmer und Küche hin- und hergetragen. Als aus dem Kind ein Mann geworden war, wurde das ziemlich anstrengend.
„Die Leute von der Deckenliftfirma hatten sich hier umgeschaut und waren etwas ratlos, wie der Lift von der Küche in das Badezimmer fahren soll“, erinnert sich der 51-Jährige. Denn zwischen Oberkante Tür und Zimmerdecke war noch mindestens ein Meter Mauerwerk. Für den Ofensetzer Hergert Senior kein Problem. Mit einem Freund stemmte er die Wand einfach auf, damit die Schienen an der Wohnungsdecke vom Badezimmer über die Küche bis ins Schlafzimmer verlegt werden konnten. Seither genießt Klaus Hergert dieses kleine Stück Freiheit, sich selbst aus dem Bett bis ins Badezimmer bewegen zu können. „Ich hab außerdem einen transportablen Lift, wenn ich auf Reisen bin“, so der 51-Jährige.
Warum es kein Mercedes werden darf
Doch einen Lift zur Kneipe oder gar bis nach Fulda - dort war Hergert vor rund zwei Wochen bei einem Treffen der Sherlock-Holmes-Gesellschaft - gibt es nicht. Deswegen ist es für den Limbacher so wichtig, einen Ersatz für seine Rostlaube zu bekommen. Hergert sammelt in seinem Wohnzimmerschrank Modelle von Mercedes-Autos. Soll der neue Bus auch ein Benz werden? „Ein Vito wäre natürlich toll“, so Hergert. „Aber da ist der Innenraum für meine Zwecke nicht hoch genug. Es wird wohl ein ein VW, Ford oder Fiat werden müssen.“ (nie)






