Fans kalifornischer Rockmusik treffen sich in Schneidenbach

Musiker und Publikum feierten trotz Einschränkungen in Coronazeiten amerikanisches Westküsten-Flair. Noch etwas war anders.

Schneidenbach.

Ein Musikfestival, bei dem die ältesten Besucher mit Gehstock über das Gelände spazieren und Stühle begehrter sind als ein Platz in der Wiese: Bei dem Sommer-Special "Playing in the Band" am Wochenende an der Herberge in Schneidenbach war so etwas zu erleben. Die Freunde der Musik der kalifornischen Rockband Grateful Dead sind längst in die Jahre gekommen. Das Grau im Haar überwiegt, wenn man sich nicht für eine künstliche Farbe entschieden hat. Dafür strahlen die bunten T-Shirts umso mehr.

Einige Fans erweisen ihren Idolen Ehre mit Bandshirts, die von Konzerten der von 1965 bis 1995 aktiven Musiker stammen. Der Altersdurchschnitt der Gäste dürfte bei etwa 59 plus liegen. Ihre Jugendträume haben viele noch nicht abgelegt, wie man an Jesuslatschen aller Variationen oder dem zu Pferdeschwänzen gebundenen Haar erkennen kann. Einer der ältesten ist Arne aus Hamburg, gut befreundet mit dem Ehepaar Beate und Gerd Baumann aus Buchwald, die sich mit weiteren Helfern die Organisation des alle zwei Jahre stattfindenden Festivals auf die Fahne geschrieben haben.

Arne feierte am Freitagabend in Schneidenbach seinen 70. Geburtstag mit vielen Bekannten und Freunden aus der Szene und mit Musikern, die er sich gewünscht hat: Strange Country. Die waren 2016 schon einmal da und hatten extra für den Hamburger und ihren ersten Auftritt am Wochenende ein Bob-Dylan-Programm mitgebracht. Für ihren zweiten Auftritt am Samstag versprachen sie all die Songs, die 2016 gut ankamen und noch ein paar neue Titel dazu. Die Mischung aus Covermusik und eigenen Titeln traf den Nerv der Zuhörer.

Neben den Bands Strange Country und Grooevergnügen aus Deutschland traten Diff aus Dänemark und Soul Serenade aus Rumänien auf. Die dänische Grateful- Dead-Tribute-Band Diff hatte schon 2014 in Schneidenbach an die Rockidole erinnert. Dass die Rumänen wirklich dabei sind, glaubten die Veranstalter erst, als am Freitag das Flugzeug mit ihnen an Bord gelandet war und die Musiker in Schneidenbach eintrafen. Die Rumänen, die die Veranstalter durch ihre Sängerin begeisterten, feierten wie Groovergnügen aus Oberbayern ihre Festivalpremiere.

In den Umbaupausen und vor den Auftritten lief Musik des Summer Specials 2018, die Chef-Techniker Thomas "Fips" Bartlog mit seiner Crew mitgeschnitten hatte. Nach der Bearbeitung im Tonstudio entstand eine Zusammenstellung von MP3-Dateien, die zum Selbstkostenpreis erworben werden konnte.

Zu Beginn des Festivals hatte Gerd Baumann die Besucher auf die veränderten Regeln infolge von Corona und auf das daraus resultierende Hygienekonzept hingewiesen. "Statt einem halben Jahr Vorbereitungszeit hatten wir diesmal nur vier Wochen", beschrieb Beate Baumann die Zitterpartie, die bis zuletzt anhielt. Dass es eine entspannte Zeit für alle Beteiligten wurde, ist den Erfahrungen der Veranstalter, dem Verhalten der Gäste, den Auftritten der Musiker und dem alles umschließenden Rahmen durch das Herbergsehepaar Bögel zu danken. Letztere atmen nach der monatelangen Durststrecke nun gerade wieder auf.

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