Start der Ermittlungen zu Großbrand bei GTO verzögert sich

Kontaminiertes Löschwasser und Chemikaliengemisch aufgefangen - Anzahl der verletzten Feuerwehrleute auf 32 gestiegen

Reichenbach.

Zum Großbrand vom 26. Juni in der Galvanotechnischen Oberflächen GmbH (GTO) im Industriegebiet an der A 72 bei Reichenbach im Vogtland konnten die polizeilichen Ermittlungen vor Ort noch nicht beginnen. Das hat Geschäftsführerin Katrin Möckel am Montag  bei einem Pressegespräch im Reichenbacher Ratssaal erklärt. Dort informierte sie zusammen mit den Bürgermeistern von Reichenbach, Heinsdorfergrund und Lengenfeld sowie Vertretern von Feuerwehr und Landratsamt zum aktuellen Stand.

In der beim Brand komplett zerstörten Halle 1, in der zwei Galvanikanlagen arbeiteten, befinden sich nach ihren Worten noch immer Restchemikalien. Eine Brandsanierungsfirma soll diese jetzt bergen und der Entsorgung zuführen, damit Ende der Woche die Ermittlungsarbeiten beginnen können. Möckel erklärte, alles zu tun, damit die Brandursache schnell gefunden werden könne. An Spekulationen über die Brandursache werde sie sich aber nicht beteiligen, sagte sie.


Ohne auf den konkreten Fall einzugehen, verwies Tobias Pohl, Umweltamtsleiter des Vogtlandkreises, auf eine Statistik der Versicherer: Demnach gebe es pro Jahr in Deutschland 50 bis 70 Galvano-Brände, darunter zehn bis 20 in der Größe wie bei GTO. In zwei Dritteln der Fälle sei Überhitzung, zum Beispiel durch einen nicht funktionierenden Trafo, die Brandursache.

Halle 1 habe, anders als die später gebaute Halle 2, nicht über eine automatische Brandmeldeanlage verfügt, erklärte Katrin Möckel. Mitarbeiter hätten selbst die Feuerwehr alarmiert. Froh sei sie, dass alle Mitarbeiter rechtzeitig in Sicherheit gebracht wurden. Sie hoffe, dass auch die Einsatzkräfte keine bleibenden Schäden zurückbehalten.

Die Anzahl der verletzten Feuerwehrleute stieg nach zunächst 28 bis Montag auf 32 an. Sie mussten wegen thermischer Überbelastung, Atemwegsreizung durch toxische Gase und auch Rauchgasvergiftungen medizinisch versorgt werden. Bei sechs waren erst später unter anderem Atembeschwerden und Schmerzen im Brustbereich aufgetreten. Einige von ihnen mussten daraufhin in Kliniken stationär behandelt werden oder werden wegen Atemwegsreizungen eingeschränkter Lungenfunktion durch einen Lungenspezialisten medizinisch betreut.

Dank der Pläne, die es für jedes Objekt im Industriegebiet gibt, habe die Feuerwehr gewusst, wo sich die Löschwasserentnahmestelle befindet und welche gefährlichen Stoffe es in der Firma gibt, erklärte Einsatzleiter Falk Reinhold, Gemeindewehrleiter von Heinsdorfergrund. Allerdings sei unbekannt gewesen, in welchen Mengen. Katrin Möckel sprach von Salzsäure, Salpetersäure, Natronlauge und verschiedenen technischen Stoffen. Das Gesamtvolumen der Chemikalien habe 300 Kubikmeter betragen.

Das kontaminierte Löschwasser und das Chemikaliengemisch wurde in zwei Regenüberlaufbecken unterhalb der Firma aufgefangen, deren Abfluss der Zweckverband Wasser Abwasser Vogtland sofort nach Brandausbruch verschlossen hatte. "Sie sind 2016 gebaut worden. Zum Glück. Sonst wäre das Ganze in den Seitenarm des Schmalzbaches und in den Raumbach gelangt", erklärte Tobias Keller, Geschäftsführer des Planungszweckverbandes PIA. Chemikalien, die in das Schmutzwassersystem gelangten, sind über die Kanalisation bis zum Radweg an der Ortsgrenze zwischen Heinsdorfergrund und Reichenbach geflossen. Das Schmutzwasser wurde bis zur Kläranlage Netzschkau durchgeleitet. Im Bereich der Schmutzwasserleitung unterhalb des Gewerbegebietes am Alten Stadtweg trat an zwei Schächten Schaum aus. Am 1. Juli wurde vorsorglich der Oberboden im Bereich der beiden Schächte abgetragen und entsorgt. Vier Brunnen in diesem Bereich sollten aktuell nicht genutzt werden. Seit 2. Juli läuft die Spülung und Reinigung des Kanalsystems.

Da laut Tobias Pohl noch immer die Ergebnisse der Analyse von Boden- und Pflanzenproben ausstehen, gelten die am 27. Juni erlassenen Handlungsempfehlungen für Schönbrunn, Waldkirchen Unterdorf und Lengenfeld Nordwest zum Umgang mit Gartenfrüchten, zu Futterpflanzen, Tierfütterung, Weidehaltung von Tieren, Imkerei, aber auch zum Umgang mit Sandkästen, weiter.

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...