Tennisverein treibt's frivol

Der Reichenbacher Tennisverein VTC hatte zum Fasching eingeladen. Das Motto "Kommt mit ins Tefa-Abenteuerland - so spannend war's noch nie" versprach viel.

Reichenbach.

Etwa 1100 Gäste und mehr als 100 Akteure, einschließlich der Garde Adorf und der Schalmeienkapelle Reichenbach, haben am Samstagabend das Neuberinhaus gerockt. Nach einem kurzweiligen Programm, bei dem lokale, regionale und weltweite Themen aufs Korn genommen wurden, konnte in fünf Räumen getanzt werden.

Cheforganisator Jörg Schaller von Reichenbacher Tennisverein VTC zeigte sich gestern zufrieden. "Es waren rund 200 Leute weniger als im Vorjahr da. Das hatte jedoch den Vorteil, dass man ohne Gedrängel von einem Raum in den anderen wechseln konnte." Und dieser Ortswechsel lohnte schon wegen der unterschiedlichen Dekoration und der verschiedenen Sounds. Im Saal und im Keller spielten die Bands Mr. Feelgood und Sevenheat gut tanzbare Musik. Im Obergeschoss legten Onkel Hans und DJ Mic Dust auf, im Kassenfoyer Klees raus. Jeder konnte sich sein eigenes Abenteuerland aussuchen, mit Partydeko im Saal, dem Dschungel im Kleinen Saal, einer aufwändig gestalteten Goldmine im Tanzsaal. Das Kassenfoyer war in der Art eines Straßenstrichs und mit vielen Aktbildern dekoriert. Eine Anspielung auf die gerade erst abgesagte Aktfotoausstellung im Neuberinhaus wies Jörg Schaller jedoch zurück: "Wir wollten von Anfang an das Abenteuer Sex gestalten, mit Straßenstrich und Laterne, doch die Laterne war nicht so umsetzbar, wie wir das gedacht hatten. Da kam die Idee mit den Bildern aus einem Aktkalender auf. Und der Gleichberechtigung wegen wurden auch Männerbilder aufgehängt."

25 Sicherheitsleute waren für die Veranstaltung im Einsatz. Schaller: "Ich habe unterschiedliche Meinungen gehört. Einige fühlten sich wie im Hochsicherheitstrakt. Es war aber auch immer jemand zur Stelle, ehe eine Situation eskalierte." Besondere Vorkommnisse wie absichtlich ausgelöster Feuer-Fehlalarm oder zerstörte Einrichtungsgegenstände blieben dadurch aus. Trotzdem betrachtet das Tefa-Urgestein die Entwicklung schon aus Kostengründen mit Sorge. Solche Veränderungen haben auch zur Erhöhung des Kartenpreises beigetragen, was ursächlich für den Besucherrückgang sein könnte. Schaller erklärte: "Für so eine generationsübergreifende Veranstaltung wie den Tennisfasching ist das Neuberinhaus in Reichenbach wichtig. Auch diesmal waren Familien mit zwei Generationen hier, manche Kinder kamen extra deswegen in die alte Heimat."

Bei den Mitwirkenden ist der Generationswechsel geglückt. Es stand schon die dritte Generation auf der Bühne, wie vor allem beim begeistert aufgenommenen Männerballett oder in der Talkrunde deutlich erkennbar war. André Schäfer sang "Komm mit mir ins Abenteuerland, der Tefa kostet den Verstand" bevor der in Plohn gedrehte Auftrittsfilm mit einer rasanten Abwärtsfahrt auf der Achterbahn endete und punktgenau ein ausrangierter Wagen mit den Akteuren auf die Bühne geschoben wurde.

Dass in der Talk-Show Walter Ulbricht, eine nahe dem Neuberinhaus beheimatete Sexarbeiterin, ein Möchtegern-Tigerfänger und Karl Mays Held Old Shatterhand aufeinandertrafen, sorgte genauso für Jubel wie das Erscheinen von Jörg Schaller im Segelboot, der diesmal als Greta mit Friesennerz, bunten Kniestrümpfen, Mütze und dicken Zöpfen in die Bütt stieg.


Büttenredner Jörg Schaller: "Wehe, wenn das Nachbarskind die Mülltonne dreht!"

Zum Klima: "Greta müsste dringend nach Reichenbach kommen, denn hier hat der Klimawandel ungeahnte Maße angenommen. Okay, der australische Busch brennt, der Regenwald hält uns auf Trab, aber bei uns brennen die GTO und der Glitzner gleich mehrfach ab. Weil dadurch nicht nur die Stickoxid- und Feinstaubbelastung steigt, sondern auch die mittlere Jahrestemperatur deutlich nach oben zeigt, sagt - um das auszugleichen - die sächsische Staatsregierung ganz laut: In Reichenbach wird ein Klimazentrum gebaut."

Zur Müllentsorgung: "Die Tonnen werden nur geleert, wenn der Griff zur Straße steht. Wehe, wenn das Nachbarskind die Mülltonne dreht! Die Müllentsorgungschefs ... ach, vor drei Wochen gekündigt haben die! Kommt mit ins Abenteuerland - so spannend war's noch nie!"

Zu Anwohner-Gesundheit: "In Stuttgart und Hamburg macht man mit Straßenschließung die Umwelt wieder fit. Gleich denkt man in Reichenbach: Da machen wir mit! Es wird an die Gesundheit der Anwohner gedacht und die Friedensstraße für zwei Jahre mal zur Umweltzone gemacht."

Zu Bauprojekten: "Im Jahr 2022 soll die Post fertig sein! Nur noch zwei Jahre, dann kaufen wir dort ein! Dann gibt's Filialen der schönsten Ketten, und auch den Reichenbacher Einzelhandel wird dies dann retten. ... Ach egal, ich glaub auch daran, dass wir den Bahnhof sanieren, dass wir keine Einwohner mehr verlieren, dass das Gelände an der Göltzschtalbrücke floriert, dass sich überhaupt mal einer für Reichenbach interessiert." (pstp)

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