Glauchau
„Leser helfen“: Glauchauer Fußballer sorgen für emotionale Momente

Mitglieder der ersten Männermannschaft des VfB Empor Glauchau haben mit einer „Gänsehaut“-Aktion Spendengeld gesammelt. Was die Männer angetrieben hat, und wie es für Tonis Familie weiter geht.

Glauchau.

Spannung hat am Küchentisch der Glauchauerin Nancy Czok geherrscht. Denn alle waren gespannt, wie viel Geld sich in der Spendenbox wohl befinden würde. Die verschlossene Blechdose hatten Fußballer vom VfB Empor Glauchau mitgebracht. Während der Kapitän der ersten Männermannschaft, Tony Thiam, versuchte, mit einem Dosenöffner die Spendenbox zu öffnen, sahen ihn Co-Trainer Jonas Mack, Abwehrspieler Marcin Sieber und Nancy Czok, Mutter des mehrfachbehinderten Toni, dabei zu.

Was der erste Blick verraten hat

Nach einigen Drehungen konnte die Dose schließlich geöffnet werden, und ein erster Blick auf den Inhalt verriet: Das ist eine ganze Menge Geld, die da zusammengekommen ist. Nach dem Zählen steht fest, dass die Vereinsmitglieder und Sponsoren des VfB Empor Glauchau während ihres Neujahrsempfangs 870 Euro für die Familie von Toni gespendet haben.

Initiatoren sind selbst Familienväter

„Das ist eine Aktion der ersten Männermannschaft gewesen“, sagt Jonas Mack, der die gesamte Organisation in den Händen hatte. „Wir sind selbst Familienväter und nehmen großen Anteil an dem Schicksal der Familie“, fügt er hinzu. Und so kamen die Fußballer – Chef-Trainer Nico Quade war auch dabei – auf die Idee, eine Spendenbox während des Neujahrsemfang des Vereins aufzustellen und über die Familie Czok, die sich im Rahmen der „Freie-Presse“-Spendenaktion „Leser helfen“ ein neues Spezialfahrzeug für ihren Tony wünscht, zu informieren.

Man hätte eine Stecknadel fallen hören

„Dabei war es im Raum so leise, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören“, sagt Jonas Mack, der mit seinen Freunden bis zur Übergabe der Spendenbox selbst nicht wusste, wie viel Geld in zwei Stunden zusammenkam. Und der Verein selbst beschreibt es auf seiner Facebook-Seite: „Spätestens in diesem Augenblick wurde allen bewusst, welchen großen sozialen Stellenwert der VfB Empor Glauchau in unserer Stadt einnimmt – ein echter Gänsehautmoment.“

Fahrzeug kann bestellt werden

„Da kann man einfach nur Danke sagen“, sagt Nancy Czok. Dank der Spendenaktion „Leser helfen“ kann die Familie nun ein Spezialfahrzeug für Toni bestellen. Das jetzige Auto der Familie Czok ist in die Jahre gekommen und zu klein. Ein speziell umgebauter Transporter soll nun Abhilfe schaffen.

Nur mit viel Aufwand kann Toni in das alte Familienauto gesetzt werden.
Nur mit viel Aufwand kann Toni in das alte Familienauto gesetzt werden. Bild: Andreas Kretschel

Toni könnte in seinem neuen Rollstuhl sitzend transportiert werden. Das aufwendige Umsetzen in den Autositz fiele weg. Es wäre Platz für weitere Hilfsmittel und Gepäck, das Toni für seinen Alltag benötigt. Außerdem könnte eine Person neben ihm sitzen.

Lange Zeit ohne Sauerstoff

Toni ist von Geburt an mehrfach behindert. „Er kann weder selbstständig essen, sprechen, sitzen oder laufen“, sagt Mutter Nancy Czok. Motorisch sei der Junge sehr eingeschränkt und werde über eine Magensonde ernährt. Da er auch unter einer Schluckstörung leidet, muss er regelmäßig abgesaugt werden. Im Alter von zwei Jahren kam eine schwer einstellbare Epilepsie hinzu. Im November 2017 wurde er leblos geboren, die Ärzte konnten aber nach sofortiger Reanimation und Beatmung sein Leben retten. Doch die Zeit ohne Sauerstoff hinterließ Spuren: Hirnschädigung und Schluckstörung.

Soziale Kontakte wichtig

Bei aller Einschränkung, „soziale Kontakte und Integration sind uns sehr wichtig“, sagt Nancy Czok, deshalb hat Toni in Begleitung einer Intensivpflegekraft den Kindergarten besucht. Mittlerweile lernt er auf dem Terra Novum Campus in Chemnitz, einer Schule mit Förderschwerpunkt für körperlich-motorische Entwicklung. Toni wird früh abgeholt und nachmittags wieder nach Hause gebracht. Mit dem Auto der Familie geht es regelmäßig zur Physio-Therapie oder auch einfach mal ins Grüne. Dann sind Vater Peter Münch und Schwester Celina dabei.

Stefanie Löbig (links) hilft Nancy Czok und ihrem Sohn Toni zu Hause.
Stefanie Löbig (links) hilft Nancy Czok und ihrem Sohn Toni zu Hause. Bild: Andreas Kretschel

Aber Tonis Vater arbeitet im Schichtdienst, sodass Mutter Nancy auf Hilfe angewiesen ist, wenn ihr Mann nicht da ist. Zur Unterstützung kommt dann Stefanie Löbig, examinierte Altenpflegerin, zwei bis dreimal pro Woche und geht Nancy Czok zur Hand. (sto)

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