Glauchau
„Leser helfen“: Worum es bei der Therapie für Toni aus Glauchau wirklich geht

Für den mehrfach behinderten achtjährigen Toni aus Glauchau wird ein Auto gebraucht, um ihn zum Beispiel zur Therapie zu fahren. Denn dort macht er Fortschritte.

Glauchau.

Bevor es für Toni ernst und vor allem anstrengend wird, kann er noch etwas warten. Erst muss sein Gerät, ein sogenannter Galileo, vorbereitet und in Position gebracht werden. Dabei handelt es sich um eine Art Vibrationsplatte, an der der mehrfach schwerstbehinderte Achtjährige aus Glauchau therapiert wird.

Wie in einem Sportraum

Das Zimmer in der Frühförderstelle der Diakonie, in der die Physiotherapeutin Sandra Schmidt alles vorbereitet, sieht auf den ersten Blick wie ein Sportraum in einem Kindergarten aus, mit verschiedenen Geräten und Matten. Doch die speziellen Geräte lassen erahnen, dass es hier um Therapie von Kindern mit Behinderungen geht.

Alle halten Toni fest

Toni ist so weit. Von Geburt an ist er mehrfach behindert. Er kann weder selbstständig essen, sprechen, sitzen oder laufen. Weil er auch unter einer Schluckstörung leidet, muss er regelmäßig abgesaugt werden. Im Alter von zwei Jahren kam eine schwer einstellbare Epilepsie hinzu. Therapeutin Sandra Schmidt stellt den Jungen mit den Knien auf die Vibrationsplatte. Die Arme liegen auf einer danebenstehenden Liege. An dieser Seite halten Vater Peter Münch und Mutter Nancy Czok den Jungen fest, während Sandra Schmidt das Kind am Rumpf ganz festhält und darauf achtet, dass er auf der Platte knien bleibt und vor allem den Kopf oben behält. „Komm, zeigt was du kannst“, sagt sie zu dem Jungen, als sie die Vibration eingestellt hat.

Therapie seit dem Babyalter

„Das Ganze dient der Stabilität von Knochen und Muskulatur bei dem Kind“, sagt die Physiotherapeutin, die Toni schon lange kennt. Denn seitdem er acht Wochen alt war, bekommt er einmal wöchentlich in der Diakonie-Frühförderstelle an der Wettiner Straße die Physiotherapie, zusätzlich zu den zwei bis drei Einheiten, die er in der Schule, im Terra Nova Campus in Chemnitz, absolviert. Toni hat die erste Übung auf der Vibrationsplatte beendet und erntet Lob von Sandra Schmidt.

Nächste Übung wartet schon

Doch auf den Jungen wartet schon die nächste Übung. Er muss sich auf die vibrierende Platte stellen. Der Vater hält das Kind bei den Händen, während Sandra Schmidt darauf achtet, dass die Beine des Jungen gerade bleiben. Zuvor wurden ihm die Fußprothesen, die bis zu den Schienbeinen reichen, abgenommen. „Das strengt ihn mächtig an“, sagt Mutter Nancy Czok, die aber weiß, dass die Therapie dem Jungen hilft. Verkürzungen von Muskeln, Sehnen und Bändern sollen dadurch vermieden werden.

Therapeutin Sandra Schmidt arbeitet seit mehreren Jahren mit Toni.
Therapeutin Sandra Schmidt arbeitet seit mehreren Jahren mit Toni. Bild: Markus Pfeifer

Abschließend kommen die Hände an die Reihe. Toni muss zunächst eine Hand auf die Vibrationsplatte legen, um die Muskulatur in den Armen zu stabilisieren. Dann beginnt das gleiche Spiel mit der anderen Hand und schließlich mit beiden Händen. Macht er durch die Therapie überhaupt Fortschritte? „Oh ja“, sagt die Physiotherapeutin. Als Sandra Schmidt begonnen hatte, mit Toni zu arbeiten, habe der Junge nur liegen können. Jetzt sei er schon viel weiter.

Aufwendiges Umsetzen ins Auto

Toni wohnt mit seinen Eltern und seiner 16-jährigen Schwester Carina im sechsten Stock eines Blocks im Wohngebiet Sachsenallee. Zur Therapie und auch mal ins Grüne fahren die Eltern – manchmal macht es die Mutter allein, wenn der Vater zur Schicht ist – mit ihrem Auto. Und jedes Mal muss Toni von seinem Rollstuhl in den Autositz umgesetzt werden. Das ist körperlich anstrengend, denn der Junge wächst und wird schwerer. Darüber hinaus leidet die Mutter selbst an Multipler Sklerose. Ein speziell umgebauter Transporter könnte da Abhilfe schaffen, sagen die Eltern. Toni könnte in seinem neuen Rollstuhl sitzend transportiert werden. Das aufwendige Umsetzen in das Auto fiele weg. Es wäre Platz für weitere Hilfsmittel und Gepäck, das Toni für seinen Alltag braucht.

Toni mit seinen Eltern Peter Münch und Nancy Czok sowie Schwester Carina.
Toni mit seinen Eltern Peter Münch und Nancy Czok sowie Schwester Carina. Bild: Andreas Kretschel

Seit Anfang Dezember kann für ein speziell umgebautes Fahrzeug im Zuge der Aktion „Leser helfen“ gespendet werden. Ein hoher fünfstelliger Betrag ist notwendig. (sto)

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