Bündnis "Chemnitz Nazifrei" mit offenem Brief an OB

Am 3. Oktober findet für den toten Patrick Thürmer in Hohenstein-Ernstthal ein Gedenkmarsch statt. Es sollte auch eine Lesung geben. Doch die Organisatoren fanden dafür keine Räumlichkeit.

Hohenstein-Ernstthal.

Der Fall Patrick Thürmer - 20 Jahre nach dem gewaltsamen Tod des Jungen aus Oelsnitz ist er wieder gegenwärtig. Weil dem Veranstalter im Rahmen einer Gedenkveranstaltung am 3. Oktober in Hohenstein-Ernstthal offenbar keine Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt wurden, hat er sich in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Lars Kluge gewandt.

Patrick Thürmer (damals 17) war in der Nacht zum 2. Oktober 1999 von rechtsradikalen Schlägern nach einem Konzert auf dem Nachhauseweg in Oberlungwitz totgeschlagen worden. Am Donnerstag nächster Woche führt das Bündnis "Chemnitz Nazifrei" einen Gedenkmarsch durch, der vom Bahnhof bis zum Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus führen wird, an dem sich eine Gedenktafel für Patrick Thürmer befindet. Für eine Ausstellung und eine Lesung hat der Veranstalter nach eigenen Angaben "händeringend in der Stadt Hohenstein-Ernstthal eine Räumlichkeit gesucht. Dafür wurden über 15 Orte städtischer, öffentlicher und privater Träger angefragt", heißt es in dem offenen Brief an den OB. Unter teilweise fadenscheinigen Aussagen hätten aber alle abgesagt, heißt es weiter. "Aber es wurde auch ganz offen abgelehnt aufgrund der angeblichen politischen Brisanz. Sich nicht auf die eine oder andere Seite schlagen zu wollen, wie einige Vermieter behaupteten, ist für uns nur schwer zu fassen."

Die Lesung sollte mit der Autorin und Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Beratungsstellen für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, Heike Kleffner, stattfinden. Sie hat das Buch "Unter Sachsen. Zwischen Wut und Willkommen" geschrieben. Überraschenderweise hatte auch Lothar Becker, der Leiter des Jugendhauses "Off is", die Veranstaltung abgelehnt. Als Begründung führte er an, es würde sich um eine Veranstaltung der Antifa handeln. In dem Jugendhaus fand damals das Konzert statt, das Patrick Thürmer mit Freunden besucht hatte.

OB Kluge hat dem Bündnis geantwortet: "Ich finde es wichtig, dass den Opfern rechter Gewalt im Rahmen geeigneter Veranstaltungen gedacht wird." Allerdings sei das Schützenhaus als städtische Einrichtung tatsächlich schon längere Zeit ausgebucht. Inzwischen haben die Organisatoren mitgeteilt, dass die Lesung am 3. Oktober im "Weltecho" in Chemnitz stattfindet.

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5Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    3
    Blackadder
    27.09.2019

    Ach Lesemuffel, hier will niemand Menschen in Anatolien entsorgen, das will nur die AfD.

  • 0
    5
    Lesemuffel
    26.09.2019

    Mich interessiert seit einiger Zeit, wie die Organisation "Chemnitz Nazi frei" mit all den Nazis in Chemnitz umgehen wird. Werden die alle aus der Stadt ausgewiesen? Und wohin? Ausserhalb der Stadtgrenze oder noch weiter weg?

  • 6
    6
    Einspruch
    26.09.2019

    Aber Distelblüte, man darf doch auch keine Haltung zeigen, wenn Chemnitzer durch Migranten erstochen werden. Dieses Recht müssen Sie schon allen einräumen. Damit will ich den o.g. Tod nicht relativieren, aber das Recht muss schon für alle gleich sein. Sie haben doch damit keine Probleme?

  • 5
    7
    Distelblüte
    26.09.2019

    Politisch Haltung zu zeigen scheint absolut aus der Mode gekommen zu sein. Sogar wenn es darum geht, das Gedenken an einen jungen Mann zu ehren, der von Neonazis totgeschlagen wurde.

  • 4
    7
    ArndtBremen
    26.09.2019

    Bedenklich, dass die GGG solchen Vereinen Unterschlupf gewährt. Als stättischer Großvermieter sollte man sich aus solchen reaktionären Verbindungen raushalten. Der Verfassungsschutz sollte Augen und Ohren offen halten.



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