Hatte AfD-Fraktionschef Kontakte in die Neonazi-Szene?

Stadtrat Hartmut Pfau wehrt sich gegen Vorwürfe, auf einem seiner Firmengrundstücke hätten jahrelang Treffen der rechtsextremen "Nationalen Sozialisten Chemnitz" stattgefunden. Wie glaubhaft ist sein Dementi?

Hohenstein-Ernstthal.

Hartmut Pfau ist in gewisser Weise ein Aktivist. In Hohenstein-Ernstthal hat er 2015 und 2016 die asylkritischen wie ausländerfeindlichen Kundgebungen organisiert. Seit 2019 sitzt er für die AfD im Stadtrat der Karl-May-Stadt und ist ihr Fraktionschef. Außerdem sitzt er im Kreistag.

Inzwischen besteht auch der Verdacht, dass Pfau Kontakte zur Neonazi-Szene in Chemnitz hatte. Dabei soll es sich um die rechtsextremen "Nationalen Sozialisten" gehandelt haben, die inzwischen wegen ihrer Umsturzabsichten verboten worden ist. Die Vorwürfe gegen Pfau sind öffentlich. Sie werden von einem "Informationsdienst zur AfD in Sachsen" im Internet erhoben. Bei der Plattform handelt es sich nach eigenen Angaben um ein unabhängiges, aber nicht unparteiisches Projekt, das der AfD kritisch gegenübersteht und im Netz über deren Aktivitäten in Sachsen berichtet.

Der Kommunalpolitiker indes hat inzwischen vehement bestritten, jemals Kontakte zu der rechtsextremen Gruppierung - zu der etwa 30 Mitglieder unter anderem aus Chemnitz, Lugau, Oelsnitz und Flöha gehört haben - gehabt zu haben und droht mit juristischen Schritten. Bis jetzt musste der Eintrag in dem Internetblog allerdings nicht aus dem Netz genommen werden. Wie glaubwürdig ist das Dementi von AfD-Fraktionschef Pfau?

Fakt ist: Die Mitglieder der "Nationalen Sozialisten" hatten ab 2007 in Chemnitz einen festen Treffpunkt. Das geht aus einer Verfügung des sächsischen Innenministeriums aus dem Jahre 2014 hervor, mit der die rechtsextreme Organisation schließlich verboten wurde. Die Räume befanden sich auf dem Grundstück einer Firma im Stadtteil Altchemnitz. Hier führten die militanten Neonazis offenbar ungestört Schulungen durch und hielten Vorträge. Aus der Antwort des damaligen sächsischen Innenministers Albrecht Buttolo (CDU) auf die Kleine Anfrage einer Landtagsabgeordneten ergibt sich auch eindeutig die genaue Adresse des Grundstückes, auf dem sich der Nazi-Treffpunkt befunden hat. Im Grundbuch steht der Name eines Chemnitzer Unternehmens. Chefs der Firma damals wie heute: Hartmut und Karsten Pfau. Letzterer ist der Bruder von Hartmut Pfau und sitzt ebenfalls für die AfD sowohl im Stadtrat als auch im Kreistag. 2011 hat die Neonazi-Gruppierung dann ihren Treffpunkt an dieser Stelle aufgegeben. Offenbar war sie verstärkt in das Visier des Verfassungsschutzes geraten.

Pfau bestreitet gegenüber der "Freien Presse" Kontakte zur Neonazi-Szene. Er bezeichnet die Vorwürfe als Verleumdung. Am heutigen Dienstag wird der Stadtrat abstimmen, ob das traditionsreiche Berggasthaus auf dem Pfaffenberg - noch im Besitz eines Reiseunternehmens aus Österreich - von der Stadt gekauft wird oder ob es an die Brüder Pfau geht. Denn auch die AfD-Stadträte wollen die Immobilie. In der Stadt wurden Befürchtungen laut, die Immobilie könnte für politische Zwecke benutzt werden.

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11 Kommentare
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  • 6
    6
    MarioGrimm
    24.02.2021

    So nun ging die Aufführung der Augsburger Puppenkiste live am Abend des 23.02.2021 über die Bühne ! Nur waren nicht Jim Knopf der Lokomotivführer und seine Freunde die Hauptdarsteller ,sondern der OB Kluge und die Polizisten !!! Man war zurückversetzt ins Jahr 1989 als Leute für Ihre Meinungsfreiheit auf die Straße gehen mussten ! Großes Kino Hohenstein-Ernstthal