Chemnitz
Kulturhauptstadt: Das Hoffen auf Touristen

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Werden tatsächlich im kommenden Jahr so viele Gäste nach Chemnitz kommen, wie die Verwaltung erwartet? Verbände und Kulturhauptstadt-gGmbH tun einiges dafür.

Chemnitz.

Im Vorjahr, von vielen Beteiligten des Kulturhauptstadtjahres als „Tal der Tränen“ empfunden, wurde Geschäftsführer Stefan Schmidtke nicht müde zu betonen, dass bis zu den großen Tourismusmessen Anfang 2024 die Eckpunkte des Programms stehen müssen. Die gezielte Arbeit an ersten Stationen des Kunst- und Skulpturenpfades „Purple Path“ verdeutlicht, dass es immer um die Region geht, Chemnitz nicht allein betrachtet werden kann.

Eine Schwierigkeit dabei ist die Koordinierung verschiedener Akteure. In Chemnitz ist die Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft (CWE) für den Tourismus zuständig, die nach dem Weggang von Sören Uhle eine kommissarische Führung hat. Zum Tourismusmusverband Chemnitz/Zwickau-Region kommt ein weiterer Verband, der für das Erzgebirge zuständig ist. Außerdem gibt es noch das übergreifende Marketing des Landes Sachsen. Nicht immer lassen sich Reibungen ganz vermeiden.

Präsenz zeigen

„Seit November treffen wir uns fast wöchentlich mit den Verbänden“, sagt Frizzi Seltmann, in der Kulturhauptstadt-gGmbH für diesen Bereich verantwortlich. Hauptsächlich geht es darum, Material zuzuarbeiten, welches die regionalen Organisationen für die Vermarktung nutzen können. „Wie wir auch selbst aktiv werden, ist im Moment noch im Gespräch.“ Dabei ist eine Arbeitsteilung vorgesehen, um die Ressourcen zu schonen.

Im digitalen Zeitalter ist das Internet ein herausragendes Instrument, Ziele und Programmpunkte der Kulturhauptstadt ohne räumliche Begrenzung bekannt zu machen. Das passiert mit den Auftritten der Verbände, spezielle Unterseiten mit dem Fokus auf diese Themen sind in Vorbereitung.

Doch Internetseiten können nicht die direkte Präsenz ersetzen. „Wir sind in der Welt unterwegs“, sagt Mareike Holfeld, Pressesprecherin der gGmbH. Werbekampagnen in überregionalen Medien sind in Vorbereitung. Doch Mitarbeiter der Gesellschaft reisen tatsächlich auch in europäische Metropolen, Partnerstädte sowie frühere und aktuelle Kulturhauptstädte. Der durch den Verein „Begehungen“ zustande gekommene Raum bei der Biennale Venedig wird ebenfalls für das Marketing genutzt.

Bei der Buchmesse Leipzig präsentierte sich die Kulturhauptstadt mit einem digitalen Würfel.
Bei der Buchmesse Leipzig präsentierte sich die Kulturhauptstadt mit einem digitalen Würfel. Bild: Jens Kassner

Messen und Events

Marika Fischer, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Chemnitz/Zwickau-Region, verweist auf die regelmäßig stattfindenden Messen als wichtigsten Marktplatz. Dazu gehören die Tourismus- und Caravan-Messe in Stuttgart und die RDA Köln, ausgerichtet auf Busreise-Unternehmen. „Da Reiseveranstalter einen Vorlauf von einem Jahr haben, sind die Veranstaltungen in diesem Jahr besonders wichtig“, sagt Fischer.

Bei der Internationalen Tourismus-Börse Berlin (ITB) war nicht nur der Verband anwesend. Die Kulturhauptstadt-gGmbH hat einen Stand gemeinsam mit Nova Gorica betrieben, der slowenischen Kleinstadt, die 2025 ebenfalls den Titel trägt.

Auch die Buchmesse Leipzig im März wurde genutzt, auf sich aufmerksam zu machen. In Halle 4 stand ein Würfel, der Informationen in digitaler Form anbot. Ob die Präsentation ohne Ansprechpartner tatsächlich in diesem Umfeld funktioniert, wird unterschiedlich bewertet. Der regionale Verband war mit einem Stand vertreten.

Vom 21. bis 23. April ist Chemnitz Gastgeber des „Germany Travel Mart“. Das ist keine Verbrauchermesse, sondern das größte Treffen der Branche in Deutschland. Rund 500 Gäste aus 35 Ländern werden erwartet.

Bei der ITB Berlin hatten Chemnitz und das slowenische Nova Gorica, die beiden Kulturhauptstädte 2025, einen gemeinsamen Auftritt.
Bei der ITB Berlin hatten Chemnitz und das slowenische Nova Gorica, die beiden Kulturhauptstädte 2025, einen gemeinsamen Auftritt. Bild: Leon Haubner

Blick in die Zukunft

Auch wenn zunächst 2025 im Mittelpunkt der Aktivitäten steht, ist jetzt schon die Zeit danach von Interesse. Es sollen nicht Ende November des kommenden Jahres die Lichter ausgehen. Als Beispiel wird immer wieder Leeuwarden genannt. Die niederländische Kommune war mit weiteren Kleinstädten 2018 Europäische Kulturhauptstadt. Auch wenn die Besucherzahlen jenes Jahres nicht wieder erreicht werden, ist die touristische Resonanz auf Dauer angestiegen.

Damit das auch für Chemnitz, Zwickau und das Erzgebirge gelingt, wird an Konzepten für Ganzjahrestourismus gearbeitet. Neben der Popularisierung von Sehenswürdigkeiten wie den vielen Schlössern und dem Montanerbe sind Angebote zum Mitmachen von Sport bis Kochen ein Schwerpunkt. Der 2023 erstmals veranstaltete „Maker Advent“ ist ein Baustein dafür. (kas)

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