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Pastor verlässt nach 28 Jahren das Erzgebirge

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Nach zehn Jahren Dienst im Ehrenfriedersdorfer Bezirk der evangelisch-methodistischen Kirche beendet Olf Tunger seine Zeit in der Region. Hier hat er viel erlebt - doch eines liegt im besonders am Herzen.

Herold.

Bei einem festlichen Gottesdienst in der evangelisch-methodistischen Kirche in Herold ist am Sonntag Pastor Olf Tunger vom Gemeindebezirk Ehrenfriedersdorf verabschiedet worden. Unter anderem Klöppelkunst, Schwibbogen, eine Orgelpfeife aus der Herolder Kirche zum Heiligen Kreuz und viele herzliche Worte erhielt Tunger als Dank für seinen fast zehnjährigen Dienst.

Ende Oktober 2011 hatte der gebürtige Dresdner diesen angetreten. Jetzt erfolgt ein Wechsel, der regulär so vorgesehen ist. "Es braucht es auch mal einen neuen Wind. Gleichzeitig hilft uns als Kirche diese Veränderung, unsere begrenzten Kräfte gezielt einzusetzen", sagte Olf Tunger. Doch dem 56-Jährigen fällt der Abschied nicht leicht: "Zehn Jahre gemeinsame Wege, viele Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind, lässt man nicht einfach so zurück. Die Arbeit, das Miteinander haben Freude gemacht. Dazu kommt, dass ich nach 28 Jahren das Erzgebirge verlassen werde."

1993 kam Olf Tunger ins Sehmatal und wurde dort 1996 ordiniert, wobei er erst nach dem Ausüben des Uhrmacherberufs später im Pastorendienst seine Berufung fand. Von 1996 bis 2011 war er Pastor in Königswalde und Mildenau. Danach brachte sich der Familienvater von vier Kindern in den Gemeinden in Herold, Ehrenfriedersdorf und Geyer ein.

Dabei gab es große Jubiläen zu feiern, etwa 2013 wurde 60 Jahre Auferstehungskirche in Geyer begangen. "Das ist insofern auch etwas Besonderes, weil die Kirche 1953 gebaut wurde - in einer Zeit, wo das eigentlich nicht möglich war", erklärt Tunger. 2014 hieß es dann 120 Jahre Gemeinde in Herold und dazu 50 Jahre Neueinweihung der Kirche. Auch der Rundfunkgottesdienst 2018 in Geyer sei außergewöhnlich gewesen. Letztes Jahr konnte der Kirchenzugang in Geyer mit Fördermitteln des Freistaates Sachsen barrierefrei umgebaut werden.

Geprägt hat Pastor Tunger, der auch von seiner Frau Marit große Unterstützung in seiner Arbeit fand, den Alltag in den Gemeinden mit den vielen kleinen und großen Herausforderungen zu leben und zu gestalten. Dazu zählten Gottesdienste, gemeinsames Bibellesen, Veranstaltungen wie die jährliche Friedenslichtaktion in den Gemeinden, die vom Erzgebirgszweigverein in Geyer bis ins Rathaus kam. So auch das verbindende Wirken in den Allianzgemeinden der Region und die Musik, die in Herold durch den gemeinsamen Posaunenchor der lutherischen und der methodistischen Gemeinde begründet ist. Pastor Tunger wirkte selbst mit der Posaune mit. In Geyer ist ein jährliches Weihnachtsgospelprojekt mit einem Projektchor entstanden.

Die letzten zehn Jahre stellten für die Christen vor Ort auch eine Zeit der strukturellen Veränderung dar. 2011 waren es noch drei Gemeinden: Herold, Geyer und Ehrenfriedersdorf. "2013 merkten wir jedoch, dass die Kräfte in Ehrenfriedersdorf zu Ende gingen. Drei Jahre später beendeten wir die Gottesdienstarbeit dort. Das war eine Trauererfahrung für alle Beteiligten", berichtet Tunger. Doch es entstand auch Neues: ein Hauskreis in Ehrenfriedersdorf. Und man habe dort eine Selbsthilfegruppe, die zum Verein "Kommt... Suchtkrankenhilfe Crottendorf" gehört. "Sie existiert bis heute, auch wenn wir uns seit Kurzem in Geyer treffen. Wichtig finde ich auch, dass es hier in der Herolder Gemeinde eine Verbindung zur sozialtherapeutischen Wohnstätte in Thum und dort zu einzelnen Menschen gibt. Am tiefgreifendsten in meiner Tätigkeit war und ist für mich, Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu begleiten", betont Tunger.

Trotz des Abschiedes gibt er den Erzgebirgern mit auf den Weg, dass sie auf ihren Glauben vertrauen können. "Und ich wünsche ihnen, dass sie ihre Gaben und Fähigkeiten als Gemeinden wahrnehmen und für andere, die diese brauchen, einsetzen." Olf Tunger und seine Frau Marit werden Ende Juli nach Zittau umziehen. "Dort war ich schon einmal vor 30 Jahren für ein halbes Jahr. Ich kenne die Gemeindegeschichte etwas. Außerdem werde ich teilweise in einer Suchtkrankeneinrichtung tätig sein", sagt er.

Eine Nachfolge steht indes für die hiesigen Gemeinden auch schon fest: Pastor Dr. Michael Wetzel aus Zwönitz wird den Dienst in den Gemeinden in Herold und Geyer, zu denen 115 Gemeindeglieder zählen, fortführen.

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