Rochlitz
„Leser helfen“: Duftreise lässt sehbehinderte Frauen lachen und Gemeinschaft fühlen

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Ein Workshop mit ätherischen Ölen dient den Gästen der Aura-Pension zum Austausch und dem persönlichen Wohlbefinden. Sie bauen auf die Angebote der Villa – auch auf den Busservice.

Rochsburg.

Zitronengras riecht fruchtig. Strohblume erinnert an Nudelsuppe, Wintergrün an Einreibungen. Schließlich Zimtöl: Das duftet doch anders als Weihnachtsplätzchen. Zahlreiche Düfte machen an diesem Donnerstagvormittag die Runde in der Aura-Pension „Villa Rochsburg“. Neun Frauen sitzen an einem langen Tisch. Sie nutzen gerade eines der vielen Angebote des Hauses.

Auf dem Programm steht eine Exkursion in die Welt der Düfte. „Reiseleiterin“ ist Carmen Petrus. Die Lunzenauerin ist in vielen Bereichen aktiv, unter anderem als Wanderleiterin und Gästeführerin. Heute stellt sie ätherische Öle vor und gibt Wissen weiter – zum Beispiel über die Zeit des Barock, als Waschen verpönt und duftende Taschentücher gegen den Gestank angesagt waren. Schnell sind eineinhalb Stunden vorbei und schnell tritt in den Hintergrund, dass die meisten Teilnehmerinnen mit einer Einschränkung leben müssen. Sie sind sehbehindert oder vollblind.

Die Aura-Pension in Rochsburg ist Weiterbildungs- und Begegnungsstätte für Menschen mit Seheinschränkung. Hier können sie an beruflichen Fortbildungen teilnehmen, Kurse zur Bewältigung des Alltags wahrnehmen, ebenso Freizeit- und Urlaubsangebote. Elf Zimmer stehen für Übernachtungsgäste bereit. Träger der Einrichtung ist der Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen.

Lebensgeschichten – so unterschiedlich wie der Lieblingsduft

Die Aura-Pension „Villa Rochsburg“ – vorn einer der zwei Busse, die von der Einrichtung genutzt werden.
Die Aura-Pension „Villa Rochsburg“ – vorn einer der zwei Busse, die von der Einrichtung genutzt werden. Bild: Mario Hösel

Jetzt nimmt Carmen Petrus Nardenöl zur Hand. „Die Düfte – das löst was in uns aus“, sagt sie. Bei Nardenöl denke sie an eine alte Bibliothek. Das Fläschchen macht die Runde. „Ja, das löst was in uns aus“, sagt eine Teilnehmerin. Lachend beschreibt sie allerdings ihre Abneigung. Die Stimmung ist locker, die anderen Frauen lachen mit. „Jeder hat eben ein Öl, das er nicht riechen mag“, so Carmen Petrus.

So verschieden die Vorlieben, so unterschiedlich die Geschichten der Teilnehmerinnen. Brigitte Gassner aus Leipzig etwa, hat immer ihren sehbehinderten Mann nach Rochsburg begleitet. Er kann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kommen, aber sie mag trotzdem. Andere erzählen, dass sie Glasaugen nutzen, oder schon in der Kindheit ihr Augenlicht verloren haben.

Sie sieht nur noch Kontraste und knallige Farben

Nur noch Kontraste und knallige Farben kann Elke Richter aus Limbach-Oberfrohna wahrnehmen. Die 59-Jährige ist mit ihrer Tochter Ines Richter (38) gekommen, die sehen kann, und Blindenführhund Kalle, einem schwarzen Labradoodle, gekommen. Elke Richter leitet die Regionalgruppe Limbach-Oberfrohna des Blinden- und Sehbehindertenverbands Sachsen. Berufstätig ist die gelernte Programmiererin nicht mehr, erzählt sie. Ihren Haushalt macht sie allein. „Ich nutze die Angebote der Villa seit der Wiedereröffnung“, sagt sie. 2001 war das Haus saniert worden. Auch selbst ist sie aktiv, hat in der aktuellen Woche andere im Basteln von Adventsdeko angeleitet.

„Ich schätze hier die Gesellschaft, dass man mit jemandem zusammen ist“, sagt Elke Richter. Auch die übrigen Frauen begründen, warum sie sich hier wohlfühlen: „Man kommt mit Gleichgesinnten zusammen.“ „Das Personal betreut uns super.“ „Unsere Wünsche werden erfüllt.“ Die Vorfreude auf die Treffen und die Angebote sei stets groß.

Kursteilnehmerinnen: „Ohne die Busse geht es nicht.“

Noch auf einen anderen Service bauen die Frauen, die aus Grimma, Reichenbach im Vogtland, Chemnitz, Scharfenstein kommen: die Hausbusse. Damit können Gäste von daheim oder Bahnhöfen abgeholt werden und es lassen sich Ausflüge unternehmen. Aber: Beide Neunsitzer haben schon fast 200.000 Kilometer hinter sich, Reparaturen häufen sich. Der Kauf eines neuen Busses ist vom Haus aber nicht allein zu stemmen. Spenden aus der Aktion „Leser helfen“ wären eine große Hilfe. „Ohne die Busse geht es nicht“, betont eine Teilnehmerin.

Aus dem Kurs nehmen die Frauen ein Gute-Laune-Spray mit: destilliertes Wasser mit dem jeweiligen Lieblingsduft, etwa Magnolie und Ylang Ylang, und selbstgeformte Haarseife. In den nächsten Tagen warten weitere Aktivitäten auf sie. Unter anderem soll es zum Schloss Rochlitz gehen, zu einer Musikalischen Adventsführung. Genutzt werden die Busse. (fmu)

Spenden können Sie unter: www.freiepresse.de/aura-helfen

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