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Die schützenden Hände über V-Mann Piato

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Die heißeste Spur zum Terrortrio war 1998 der Hinweis auf seine Serie bewaffneter Raubüberfälle. Doch bei Fahndern kam dieser Tipp nie an, um die Quelle zu schützen, den V-Mann Piato. Sachsens Geheimdienstchef führte einst diesen V-Mann.

Dresden.

Bei seiner Vernehmung durchs Bundeskriminalamt gab sich Carsten Szczepanski, wie er früher einmal hieß, ahnungslos. Inwiefern er einst Informationen darüber gehabt habe, dass fürs abgetauchte Trio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe Schusswaffen besorgt werden sollten? Das wollten Ermittler im Juni vorigen Jahres im Zuge der Terrorermittlungen zum Nationalsozialistischen Untergrund von jenem Mann wissen, der fürs Brandenburger Landesamt für Verfassungsschutz über Jahre V-Mann Piato gewesen war. Nach seinem Auffliegen durfte der einst selbst wegen Mordversuchs an einem Ausländer Verurteilte im Zeugenschutzprogramm untertauchen.

Gar nichts habe er darüber gewusst, behauptete Szczepanski laut dem "Freie Presse" vorliegenden Vernehmungsprotokoll. Viel mehr holten die fragenden Beamten nicht heraus, wenngleich sie Misstrauen äußerten, was diese Aussage betraf. Rund 14 Jahre früher, nur Monate, nachdem das Terror-Trio in den Untergrund gegangen war, als es begann, mit Überfällen seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, hatte Piato nämlich alles anders geschildert: Der Chemnitzer Rechtsextremist Jan W. habe den Auftrag, die Drei mit Waffen zu versorgen, Geld dafür habe Sachsens Blood-&-Honour-Sektion gestellt. "Nach Entgegennahme der Waffen" vor beabsichtigter Flucht nach Südafrika plane das Trio "einen weiteren Überfall". So hielt der im Zuge der jetzigen Ermittlungen in Thüringen erstellte sogenannte Schäfer-Report Piatos Tipp fest, der am 14. September 1998 beim Brandenburger Verfassungsschutz einging. Ein verlässlicher Hinweis, wie die Einordnung der Quelle in Kategorie "B 2" für "Wahrheitsgehalt relativ hoch" nahelegte.

Die Information schien den von Brandenburger Kollegen informierten Verfassungsschützern in Sachsen und Thüringen dann auch "hoch brisant". So sehr, dass sich Geheimdienstler aller drei Bundesländer zu einer Krisensitzung trafen. Auch das hält jener Thüringer Report fest, der nachträglich Pannen der erfolglosen Fahndung ergründen sollte. Inzwischen gilt Piatos Tipp als die heißeste Spur zum Trio, die es überhaupt gab.

Allerdings kam diese Spur bei der fahndenden Polizei nie an. Piatos Verbindungsleute beim Brandenburger Verfassungsschutz pochten zum Schutz ihrer Quelle auf Verschleierung der Herkunft der Informationen. Zwar stimmten sie einem informellen Tipp ans Landeskriminalamt (LKA) Thüringen zu. Als dessen Präsident aber einen schriftlichen Beleg forderte, um überhaupt einen Gerichtsbeschluss für weitere Zugriffsmaßnahmen erwirken zu können, lehnten die Brandenburger Verfassungsschützer das ab, wie der Schäfer-Report dokumentiert.

Einer der damals ganz nah dran war, ist Gordian Meyer-Plath. Der 44-jährige Brandenburger Geheimdienstmann sprang jüngst für den wegen anderer Pannen zurückgetretenen sächsischen Verfassungsschutzchef Reinhard Boos ein und leitet vorübergehend Sachsens Geheimdienst. Im für die rechtsextreme Szene zuständigen Referat habe es damals drei V-Mann-Führer gegeben. "Ich war einer von ihnen", räumt Meyer-Plath auf Anfrage ein. Konkret erinnern, wer zu besagtem Zeitpunkt für Piato zuständig war, könne er sich ohne vorheriges Aktenstudium aber nicht mehr, behauptet er. Rein zeitlich deckt sich seine Zuständigkeit indes mit den Vorfällen: "Ich war von 1996 bis Herbst 1998 zuständig", sagt Meyer-Plath. Der Komplex werde im NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages noch erörtert. Entsprechende Unterlagen hätten die parlamentarischen Aufklärer schon angefordert. Eine Vorladung, im Ausschuss als Zeuge auszusagen, habe er aber bisher nicht, sagt Meyer-Plath.

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