Sachsen
Dresdner Stadtteil Prohlis bekommt eine eigene Oper

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Das Plattenbau-Viertel Dresden-Prohlis war schon einmal Bühne für ein spektakuläres Konzert. Jetzt kommt eine Oper mit kosmischer Dimension dazu.

Dresden.

Das Projekt "Musaik – Grenzenlos musizieren" schreibt in Dresden weiter Musikgeschichte. Demnächst bekommt das von Plattenbauten geprägte Stadtviertel Prohlis im Südosten der Stadt sogar eine Oper - genaugenommen eine "Stadtteiloper" So ist das Stück mit dem Titel "Plattenspieler:innen" ausgewiesen. 

350 Laien, überwiegend Kinder, aber auch Erwachsene arbeiten mit Profis zusammen, um ein gemeinsam entwickeltes Musiktheaterstück auf die Bühne zu bringen. An diesem Freitag und Samstag sind vier Aufführungen geplant. 

Das Sujet hat eine kosmische Dimension. Der Halley'sche Komet verliert ein Stück von sich selbst – Halley, einen singenden Stein. Dieser Stein landet in Dresden-Prohlis und erlebt im Zeitraffer, wie aus einer urzeitlichen Siedlung eine lebendige Stadt wird. Eine Nachrichtensendung berichtet im Jahr 2061, wie Halley durch die Epochen reist und wem er dabei begegnet. 

Das musikalische Sozialprojekt 'Musaik' in Dresden bringt jetzt eine Stadtteiloper für Dresden-Prohlis heraus.
Das musikalische Sozialprojekt 'Musaik' in Dresden bringt jetzt eine Stadtteiloper für Dresden-Prohlis heraus. Bild: Sebastian Kahnert/dpa

"Die Oper verbindet Musik aus verschiedenen Jahrhunderten - von Händels 'Wassermusik' bis zu 'Also sprach Zarathustra' von Richard Strauss, Live-Animation, Schauspiel, Tanz und Chor", sagt "Musaik"-Sprecherin Heike Bronn. Dabei machen neben dem 130-köpfigen "Musaik"-Orchester auch 150 Kinder aus einer Prohliser Grundschule und einer Oberschule mit, außerdem Mitglieder der Staatskapelle Dresden sowie Ensembles der evangelischen Kirchgemeinde Prohlis und Chöre. Auch das Publikum ist angehalten, mitzuwirken.

"Musaik" kehrt mit der Oper an eigene Wurzeln zurück 

Die Oper will sich mit Fragen wie "Was ist Heimat?" oder "Wie gehen Menschen mit dem Fremden um? Was bleibt, wenn alles sich verändert?" Damit kehrt "Musaik" zugleich an die eigenen Wurzeln zurück. Das Projekt entstand 2017 nach dem Vorbild von "El Sistema" in Venezuela. Kindern aus ärmeren Familien bekommen dabei kostenlos Musikunterricht und Instrumente. Luise Börner und Deborah Oehler, zwei Musikerinnen aus Dresden, hatten "El Sistema" in ähnlicher Form in Peru erlebt.

Ausbildung in Streich- und Blasinstrumenten

Fortan unterrichteten sie Kinder und Jugendliche kostenlos in Prohlis, zunächst in einem früheren Eisladen in einem Einkaufszentrum. Viele Kinder stammen hier aus Flüchtlingsfamilien. Um möglichst viele von ihnen zu erreichen, entwickelten sie ein eigenes Unterrichtssystem. Aktuell unterrichten 15 Lehrkräfte aus fünf Nationen den Nachwuchs in Streich- und Blasinstrumenten.

Das musikalische Sozialprojekt 'Musaik' in Dresden bringt jetzt eine Stadtteiloper für Dresden-Prohlis heraus.
Das musikalische Sozialprojekt 'Musaik' in Dresden bringt jetzt eine Stadtteiloper für Dresden-Prohlis heraus. Bild: Robert Michael/dpa

"Musaik" als Instrument für den gesellschaftlichen Wandel

"'Musaik' setzt die musikalische Ausbildung im Orchester als Instrument für den gesellschaftlichen Wandel ein", betont Tim Vollmann, der das Büro des Vereins betreut. Viele der Kinder und Jugendlichen aus etwa 15 Ländern würden aus sozial und finanziell benachteiligten Milieus stammen. "Das Orchester trägt dazu bei, Vorurteile gegenüber Unbekannten und Fremden abzubauen und erzeugt ein Klima des respektvollen Miteinanders und der Achtsamkeit."

Staatskapelle Dresden unterstützt das Projekt

Schon seit längerem wird das musikalische Sozialprojekt von der Sächsischen Staatskapelle Dresden unterstützt. Die beiden "Musaik"-Gründerinnen Luise Börner und Deborah Oehler sind inzwischen mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland geehrt worden. "Musaik" ist aus Prohlis nicht mehr wegzudenken - und der Stadtteil mit etwa 17.000 Einwohnern gilt noch immer als sozialer Brennpunkt. Menschen aus vielen Nationen leben hier.

Spenden sind für das Projekt willkommen

 
Auch beim aktuellen Projekt setzt "Musaik" auf das Engagement der Bewohner. "Machen Sie die Stadtteiloper bunt!", lautet der Aufruf. Für die Aufführung werden Kostüme für etwa 100 Schulkinder, T-Shirts, Leggins und Schürzen gebraucht. Ein Kostüm ist mit 20 Euro veranschlagt. Die Kinder brauchen das Geld für Material. Mit Farbe und Pinsel wollen sie aus Bananenkisten ein Schloss bauen, aus Holz und Glitzerpapier soll ein "Zukunftsstudio" entstehen, aus Goldfolie und einer Nebelmaschine eine "Zeitreisemaschine".

Prohlis hatte sich schon einmal als Bühne für ein spektakuläres Projekt erwiesen. 2020 kletterten Musiker der Dresdner Sinfoniker auf Dächer mehrerer Hochhäuser und machten das ganze Viertel zu einem Konzerthaus unter freiem Himmel. Bei "Himmel über Prohlis" füllten vier Alphorn-Quartette und diverse Bläser-Formationen in luftiger Höhe sowie Schlagzeuger auf chinesischen Dà Gǔ-Trommeln das Wohnquartier mit Klang. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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