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Vielleicht sind Ihnen am Bahnhof schon Plakate mit der Aufschrift „Endlich kostenlos Bahn fahren“ aufgefallen? Dahinter verbirgt sich keine Gratis-Aktion der DB, sondern etwas anderes.
„Die Fahrscheine, bitte“: Den Satz kennt jeder, der schon mal mit der Deutschen Bahn unterwegs war. Eine Gruppe von Klimaaktivisten will nicht mehr zahlen fürs Fahren mit der Bahn und verteilt in mehreren Städten Fake-Plakate – auch in Sachsen.
Die Plakate werben mit „Das 0-Euro-Ticket ist da!“ oder „Endlich kostenlos Bahn fahren“ und hängen in mehreren deutschen Bahnhöfen, wie die Aktivisten vom „Widerstands-Kollektiv“ mitteilen. Unter anderem in Chemnitz, Dresden und Leipzig.
Fake-Aktion des „Letzte Generation“-Nachfolgers
Für den flüchtigen Betrachter wirken sie womöglich, als ob sie die Deutsche Bahn selbst aufgehängt hat und verspricht: „Ab diesem März brauchst Du für unseren Regionalverkehr kein Ticket mehr.“ Sogar das DB-Logo ist abgebildet.
Doch ein genauerer Blick verrät: alles Fake. Eine aufgedruckte Internetadresse bringt einen nicht zur Website des Schienengiganten, sondern zu der des „Widerstands-Kollektivs“.
Der Name sagt nicht jedem etwas, aber die Vorgängerorganisation dürfte dafür umso bekannter sein: Letzte Generation. Die sogenannten „Klima-Kleber“ waren radikale Klimaaktivisten, die insbesondere mit Aktionen für Aufsehen sorgten, bei denen sie sich auf Straßen festklebten und den Autoverkehr behinderten.
Aber auch Flughäfen wurden auf diese Art blockiert oder etwa im Oktober 2022 Kartoffelbrei auf ein Monet-Gemälde in Potsdam geworfen.
Immer wieder standen die Aktivisten vor Gericht, auch das Bundeskriminalamt setzte sich mit der Organisation auseinander. Anfang 2025 teilte sich die Klima-Truppe in zwei Nachfolger auf: Die „Neue Generation“ und das „Widerstands-Kollektiv“.
Schwarzfahren statt Klima-Kleben
Letzteres wirbt nun in Bahnhöfen für sein „0-Euro-Ticket“. Wie es in einer Mitteilung der Aktivisten heißt, mache die Bahn „scheinbar einen großen Schritt in Richtung soziale und ökologische Verkehrswende“, denn schon das 2022 verfügbare 9-Euro-Ticket habe „nicht nur dazu geführt, dass auch Menschen mit wenig Geld das Recht auf Fortbewegung ermöglicht wurde, es hatte auch zu CO2-Einsparung beigetragen“.
Doch ein „0-Euro-Ticket“ gibt es nicht. Stattdessen geht es dem „Widerstands-Kollektiv“ um etwas anderes: kostenlos Bahn fahren. Oder „Freifahrten“, wie es in der Mitteilung heißt. Böse Zungen würden behaupten: Schwarzfahren. Das „0-Euro-Ticket“ bedeute „ein Ende der sozialen Ausgrenzung durch Ticketpreise“.
Denn rund ein Viertel der Ticket-Einnahmen werde für Verwaltung aufgebraucht, „außerdem müssen jährlich etwa 9000 Menschen im Gefängnis sitzen, weil sie beim Fahren ohne Ticket erwischt wurden, was der Gesellschaft hohe Kosten verursacht“.
Das „0-Euro-Ticket“ mache den Umstieg vom Auto auf die Schiene nicht nur für alle attraktiv, sondern zur logischen Konsequenz. Aktivistin Katja Schreiner wird so zitiert: „Wir werden in der nächsten Zeit das Angebot ticketfrei zu fahren, gerne wahrnehmen und mit Mitreisenden über die Vorteile des 0,- Euro Tickets sprechen.“ Schwarzfahren statt Kleben also.
Kostenloses Bahnfahren sei in den Augen der Klimaaktivisten finanzierbar, „wenn die Subventionen für Flugverkehr, Dienstwagenprivileg, Autokäufe und Pendlerpauschale umgewidmet werden“. Für die kommenden Wochen kündigten sie „vielfältige, bundesweite Aktionen“ an. (phy)





