Handwerksmeister Jens Bochnig in seiner Lehrwerkstatt.
Handwerksmeister Jens Bochnig in seiner Lehrwerkstatt. Bild: Kempner
Wirtschaft regional
Als "Sachsens Unternehmer des Jahres" nominiert: Der Handwerksmeister mit der starken Lehrlingsausbildung

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Jens Bochnig, Chef von Heizung- und Sanitärbau in Leipzig, führt einen klassischen mittelständischen Handwerksbetrieb. Für sein Team setzt er vor allem auch auf soziale Faktoren - mit Erfolg. Ein Kandidat für Sachsens Unternehmerpreis.

Leipzig.

Fachkräftemangel? Nachwuchsprobleme? Jens Bochnig lächelt entspannt. Die im Handwerk kursierenden Krisenszenarien können ihn nicht aus der Ruhe bringen. Der Chef der Leipziger Firma Heizung-Sanitärbau weiß, dass es bei ihm anders ist. Und natürlich kann er es auch belegen. Zu seinen 100 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen kommen noch 33 Auszubildende hinzu. "Wir sind stark in der Lehrlingsausbildung und für uns ist das auch ein Schlüssel zum Erfolg", sagt Bochnig. Und neuerdings, so der sportlich wirkende 56-jährige Chef, setze seine Firma auch auf Studenten. Zwei Absolventen der Studienakademie Riesa vom Studiengang Energie- und Gebäudetechnik holen sich gerade in der Handwerksfirma ihren praktischen Feinschliff.

An Bewerbern und Bewerberinnen für die Berufsausbildung zum Anlagenmechaniker herrscht kein Mangel. "Wir werben auf Jobmessen, in Sportvereinen, Schulen und haben auch einen guten Leumund", sagt der Chef, der auf eine eigene Lehrwerkstatt in der topmodernen, 2021 eingeweihten neuen Firmenzentrale in Leipzig-Wiederitzsch verweisen kann. Rund vier Millionen Euro wurden in die Zentrale ohne Fördermittel investiert. 25 bis 30Bewerbungen landen jährlich auf Bochnigs Tisch, 15 werden zum Praktikum eingeladen, acht Lehrlinge schaffen es in die Ausbildung. Und die halten dann ihrer Firma die Treue. "Wir haben eine Übernahmequote von 100 Prozent", sagt der Chef stolz.

Sehr zufrieden kann Bochnig auch mit der wirtschaftlichen Entwicklung seiner Firma sein. Der gelernte Rohrleitungsbauer war noch im August 1989 aus der DDR über Ungarn nach Bamberg in Bayern geflohen, kehrte aber 1991 zurück in seine Heimatstadt. Er machte den Meisterbrief und leitete bis 1996 in Leipzig die Sanitärfirma Köberlein, bevor er sich 1996 als Geschäftsführer und Gesellschafter selbstständig machte. 2005 schließlich wurde die Heizung-Sanitärbau Leipzig GmbH gegründet. Die Umsätze des nordsächsischen Branchenprimus steigen seitdem: in den letzten Jahren von 17 Millionen (2018) auf 20 Millionen (2021), und 2022 sollen es laut Bochnig 25 Millionen Euro werden. Gewinn sei natürlich auch dabei, sagt er. Die genaue Höhe ist aber ein Betriebsgeheimnis.

Die 70 Monteure mit Bochnigs Firmenlogo auf der Arbeitskleidung sind vor allem auf Großbaustellen in Leipzig und Berlin im Einsatz. So haben sie mit den Hotels "H2", "Hyperion" und "Holiday Inn Express" drei Herbergen am Hauptbahnhof mit ausgebaut, genauso wie das Top-Hotel "Steigenberger" in der City. Zudem stand in Leipzig-Lindenau das Wohnquartier im Brunnenviertel mit unter ihrer Regie, und bei den Pepita-Höfen in Berlin-Spandau waren sie an einem Wohn-Großprojekt beteiligt, das wegen seiner Funktionalität und sozialen Durchmischung als Modellstadt gilt.

Die finanzielle Stabilität wird Bochnigs Firma auch offiziell bestätigt. Zum dritten Mal in Folge vergab Creditreform Leipzig das Zertifikat "CrefoZert", eine Bescheinigung für ausgezeichnete Bonität und starke Finanzkraft. "Nur rund zwei Prozent aller deutschen Unternehmen können diese Zertifizierung aufgrund der strengen Vergabekriterien erlangen", sagte Simone Polenz aus der Leipziger Creditreform-Niederlassung. "Das familiär geführte Unternehmen verfügt über eine hohe fachliche Kompetenz und ist in der Region ein Vorreiter für modernes Arbeiten im Handwerk."

Das moderne Arbeiten in der Leipziger Handwerksfirma ist für den Chef ein Muss. Die Work-Life-Balance seines Teams versteht er eher als Anregung statt als lästige Pflicht. Bochnig achtet auf die 38-Stunden-Woche ("Freitag ist 14 Uhr Schluss"), zahlt Weihnachtsgeld, Prämien und Tickets für den Nahverkehr. Und wer Kassenzusatzleistungen wie Brillen oder Zahnersatz braucht - auch kein Problem, die Firma übernimmt. "Wir wollen ein gutes soziales Umfeld schaffen, weil Erfolg nur über die Mitarbeiter geht", sagt er. Quasi als Highlight hat er über die Fairbund-Gruppe auch Kita-Plätze für sein Team im Angebot, das bieten in Leipzig sonst eher nur die großen Player wie Porsche, BMW und Siemens.

Weil es für Bochnig so gut läuft, möchte der passionierte Bergsteiger und Jogger, der im Herbst den Mallorca-Marathon unter vier Stunden lief, auch viel zurückgeben. "Meinen Kindern geht es gut, ich will, dass es auch anderen Kindern gut geht", sagt der achtfache Vater. Deshalb unterstützt der Gohliser mit seiner Firma den Fußball-Nachwuchs der SG Olympia Leipzig genauso wie die Elternhilfe für krebskranke Kinder und das Ronald-McDonald-Haus für schwerkranke Kinder am Uniklinikum.

Und 2023? Wie hart wird ihn die drohende Krise am Bau treffen? Jens Bochnig lächelt wieder entspannt. Man habe die Coronakrise ohne Kurzarbeit überstanden und überstehe auch die Rohstoffkrise, sagt er. "Unsere Auftragsbücher sind voll, unser Umsatz wird weiter steigen."lvz

Der Wirtschaftspreis "Sachsens Unternehmer des Jahres" und der Gründerpreis "Sachsen gründet - Start-up 2023" sind eine Initiative der "Sächsischen Zeitung", der "Freien Presse", der "Leipziger Volkszeitung" und dem MDR sowie von Volkswagen Sachsen, der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Schneider + Partner, der LBBW und der Gesundheitskasse AOK Plus.

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