AOK: Schlechtes Unternehmensklima macht krank

Laut einer Befragung der AOK ist Beschäftigten die Loyalität des Arbeitgebers sehr wichtig. Sie erleben es aber oft anders.

Berlin. Miese Stimmung im Betrieb birgt ein deutliches Gesundheitsrisiko für Mitarbeiter. Beschäftigte, die sich deshalb in ihrem Unternehmen nicht wohlfühlen, sind deutlich unzufriedener und leiden öfter unter körperlichen oder psychischen Beschwerden als Mitarbeiter, die von einem guten Firmenklima berichten. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen bundesweiten Befragung unter rund 2000 Beschäftigten, die das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) gestern in Berlin vorgestellt hat.

Als wichtig für eine gute Unternehmenskultur sehen die Befragten demzufolge etwa die Unterstützung durch ihren Chef und guten Führungsstil an. 55 Prozent gaben an, dass der Arbeitgeber hinter ihnen stehe. Nur die Hälfte der Befragten sagte, sie würden für gute Arbeit gelobt. Dass Mitarbeiter Einfluss nehmen können auf wichtige Entscheidungen, berichten nur zwei von fünf Befragten. Jeder Vierte indes, der die Unternehmenskultur in seiner Firma schlecht bewertete, sei auch mit der eigenen Gesundheit unzufrieden, geht aus der Auswertung hervor. Bei denjenigen, die die Stimmung auf Arbeit als gut einschätzen, sei es nur jeder Zehnte.

Der stellvertretende WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder sieht in den Antworten einen "klaren Zusammenhang zwischen der Art, wie Beschäftigte ihre Arbeit erledigen, und ihrer Gesundheit". Erfasst wurde die Firmenkultur mit Fragen nach Führungsstil, Mitarbeiterorientierung, gerechter Bezahlung oder Wettbewerbs- und Kundenorientierung.

Zwei Drittel derjenigen, die unzufrieden mit der eigenen Unternehmenskultur sind, klagen häufig über körperliche und psychische Beschwerden. Bei denen, die mit der Firmenkultur zufrieden sind, sind es 32 bzw. 36 Prozent. Wer mit seiner Gesundheit berufsbedingt unzufrieden ist, klagt am häufigsten über Rücken-, Gelenk- und Kopfschmerzen sowie Erschöpfung, Lustlosigkeit und Reizbarkeit. Von denjenigen, die sich in ihrer Firma nicht wohlfühlen, hat etwa jeder Dritte 2015 mehr als zwei Wochen im Betrieb gefehlt. Bei den Zufriedenen waren es 17 Prozent.

Für den Bielefelder Gesundheitswissenschaftler Bernhard Badura hängen Gesundheit und Leistungsfähigkeit maßgeblich davon ab, ob es im Betrieb eine Angst- und Misstrauenskultur gibt, oder ob kooperative Führungsstile vorherrschen, sagte er bei der Präsentation der Befragungsergebnisse, bei der auch der AOK-Fehlzeitenreport vorgestellt wurde. Dieser zeigt einen leichten Anstieg des Krankenstands der knapp zwölf Millionen AOK-Versicherten im Jahr 2015: Er beträgt bundesweit 5,3 Prozent; das entspricht exakt dem sächsischen Durchschnitt. Jeder Beschäftigte fehlte im Schnitt 19,5 Tage mit Attest im Betrieb. Grund war vor allem eine starke Zunahme von Atemwegserkrankungen. Auch die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen haben weiter zugenommen.

Weitere Informationen zur Befragung und zum Fehlzeitenreport sind im Internet abrufbar unter »  www.wido.de/fzreport.

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