Schlaue Köpfe: Südwestsachsen holen Fördermillionen für Zukunftsprojekte

Chemnitz/Berlin.

Die Bundesregierung fördert 20 regionale Bündnisse in Ostdeutschland, die mit innovativen Ideen den Strukturwandel vorantreiben. Unter den von einer Jury ausgewählten Projekten sind solche aus Südwestsachsen allein sechsmal vertreten. Jedes Projekt wird mit bis zu 15 Millionen Euro über fünf Jahre gefördert. Nach zwei Jahren entscheidet eine Zwischenprüfung über die weitere Förderung.

Insgesamt stehen 200 Millionen Euro zur Verfügung, teilte das Bundesministerium für Bildung und Forschung am Mittwoch in Berlin mit. Die Umsetzung der Projekte beginnt am 1. April.

Gefördert wird die Entwicklung der Region Mittweida zur Schaufensterregion für Blockchain-Anwendungen - einer digitalen Technologie, die die sichere und eindeutige Authetifizierung und Zuordnung von Informationen in verteilten Rechnernetzen ermöglicht. 2017 war an der Mittweidaer Hochschule ein "Blockchain Competence Center" gegründet worden. Die Blockchain-Technologie wird längst nicht mehr nur bei Kryptowährungen wie Bitcoin eingesetzt, für die sie ursprünglich entwickelt worden war. Sie gilt als wichtiger Baustein einer digitalisierten "Industrie 4.0".

Die TU Bergakademie Freiberg koordiniert in montanwissenschaftlicher Tradition ein Projekt zur Nachhaltigkeit der Rohstoffgewinnung, um durch Digitalisierung und Automatisierung die Sanierung von Bergbaualtlasten zu verbessern. "rECOmine" will innovative und tradierte Ansätze verbinden.

Das Bündnis "SmartERZ" widmet sich neuen Werkstoffen, sogenannten Smart Composites, um am Wachstumsmarkt der faserverstärkten Kunststoffe und Composites teilzuhaben. Federführend hierfür ist die Wirtschaftsförderung Erzgebirge in Annaberg-Buchholz.

Ebenfalls in der erzgebirgischen Bergstadt soll ein "Smart Rail Connectivity Campus" entstehen. In dieser Forschungseinrichtung sollen künftige Bahntechnologien entwickelt und erprobt werden.

Zwei weitere Forschrittsprojekte betreffen das Vogtland. Das Institut für Musikinstrumentenbau in Klingenthal hat Partner um sich geschart, um den traditionellen Musikinstrumentenbau der Region in die Zukunft zu führen. Es geht bei "iMATECH" um Digitalisierung, Bildung, Lifestyle und neue Materialien, um die Fachkräfte-, Technologie- und Materialbasis für das Traditionsgewerbe zu sichern.

Ein weiteres Bündnis möchte über die Restaurierung der im Vogtland reichlich vorhandenen Baudenkmäler die Innovationskraft lokaler Handwerksbetriebe fördern und die Identifikation der Vogtländer mit ihrer Heimat stärken. Die Koordination dieses sächsisch-thüringischen Projektes hat der Verein zur Förderung von Innovationen durch Forschung, Entwicklung und Technologietransfer (Innovent) in Jena inne.

Die Träger der 20 prämierten Projekte hatten sich im vorigen Jahr im Programm "WIR! - Wandel durch Innovation in der Region" um die Förderung beworben. In einem zweistufigen Verfahren wurden 32 Finalisten ermittelt, die sich kürzlich einer Fachjury in Berlin stellten. Die Entscheidung für die Projekte sei einvernehmlich gefallen, sagte Juryleiterin Jeanne Rubner, Redaktionsleiterin beim Bayerischen Rundfunk. Jurymitglieder waren unter anderem die Wirtschaftswissenschaftler Joachim Ragnitz und Ricarda Bouncken sowie der Zukunftsforscher Klaus Burmeister.

Die Bewerbern kamen aus allen fünf ostdeutschen Flächenländern. Aus ganz Sachsen haben sich acht Initiativen durchgesetzt.

Das Förderprogramm "WIR!" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zielt vor allem auf Regionen, die noch nicht zu den sichtbaren Innovationszentren gehören. In den regionalen Bündnissen sind Unternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und zivilgesellschaftliche Organisationen vereint. Eine zweite Förderrunde ist noch für 2019 geplant. Sie wird sich an strukturschwache Regionen dann auch in Westdeutschland richten.

Weitere Informationen zu den ausgewählten 20 WIR!-Initiativen und zum Förderprogramm: http://www.unternehmen-region.de/WIR

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