Wenn nicht gerade Fußball gespielt wird, wird Fußball geschaut - so ist das bei Familie Hommel.
Wenn nicht gerade Fußball gespielt wird, wird Fußball geschaut - so ist das bei Familie Hommel. Illustration: Maria Costantino
Familie
Die Familienkolumne: Warum ich mit meinen Kindern zu RB Leipzig gehe - trotz allem

Der Verein mit den roten Bullen ist bei „echten Fans“ nicht sehr beliebt, aber meine Kinder sind eine Ausnahme.

Vor einer Woche war ich mit meinen Kindern im Stadion bei RB Leipzig. Ich kenne die Kritik an diesem Verein: Man möchte viele Fans haben, aber wenige Mitglieder, die mitbestimmen. Bestimmen kann vor allem eine Firma, die einen klebrigen Energy Drink herstellt, der früher angeblich Flügel verlieh. Nicht sehr sympathisch, dieses Konstrukt unter dem Wappen mit den zwei roten Rindviechern.

Andererseits kann ich auch nicht behaupten, dass ich andere große Fußballclubs total sympathisch fände. Und vielleicht ist es gut, dass „der Osten“ wenigstens eine international erfolgreiche Fußballmannschaft hat. Über „den Osten“ wird ja in letzter Zeit so gesprochen, als wäre er ein homogenes Gebiet mit homogenen Menschen, als wäre es quasi egal, ob man im Erzgebirge lebt oder an der Ostsee, oder irgendwo dazwischen.

Jedenfalls: Zu RB Leipzig kann ich mit meinen Kindern gehen, ohne Angst zu haben oder mich fremdschämen zu müssen. Was ich von anderen sächsischen Mannschaften nicht behaupten kann. Ich sehe keine Horden von aggressiven Fans, die mit großem Polizeiaufgebot abgeschirmt werden müssen. Ich kann mit dem Zug zum Spiel fahren, und niemand beansprucht einen Waggon für sich, in dem er laut grölt und Alkohol trinkt. Kurz gesagt: Es ist in Leipzig möglich, einfach nur zum Fußball zu gehen und sich über Tore zu freuen.

Besonders günstig ist es dann natürlich, wenn viele Tore fallen. Weniger günstig ist es, wenn man zwei der vier Tore verpasst, weil man am Anfang der zweiten Halbzeit noch in der Schlange vom Imbiss steht und nicht glauben konnte, dass schon wieder ein Tor geschossen wird. Aber zum Glück konnte ich das Spiel auf einem Fernsehbildschirm anschauen. Allerdings mit gut fünf Sekunden Verzögerung, was das Ganze zu einem irgendwie surrealen Erlebnis machte - hinter mir der Torjubel, vor mir auf dem Bildschirm sehe ich, wie jemand einen Schluck Wasser trinkt.

Am Kiosk gab es übrigens vegane Bratwurst, vegane Currywurst und veganes Schnitzelbrötchen (Liebe Leser, bitte bleiben Sie ruhig und atmen Sie durch. Es gab auch „normale“ Bratwurst, Currywurst, Schnitzelbrötchen. Alles wird gut). Was es nicht mehr gab, als ich endlich dran war, waren Pommes. So kehrte ich halbverrichteter Dinge zum Platz zurück und stellte fest, dass ein Security-Mitarbeiter meine Kinder bewachte. Ein Stadionbesucher hatte ihn darauf aufmerksam gemacht, dass die Kinder ohne Aufsicht waren - zur Sicherheit für den Fall, dass mir was passiert wäre. Fand ich irgendwie nett.

Passiert war nichts, außer den Toren auf dem Spielfeld, und so ging der Fußballnachmittag zu Ende: 4:0 für Leipzig gegen Augsburg. Zur Heimfahrt mit der Bahn möchte ich lieber schweigen. Ich sag mal so: Wenn es eine Weltmeisterschaft des öffentlichen Nahverkehrs gäbe, dann hätte Deutschland Mühe, die Vorrunde zu überstehen. (eva)

Foto: Mark Frost
Foto: Mark Frost Bild: Mark Frost

Eva-Maria Hommel, Jahrgang 1984, ist Redakteurin bei der „Freien Presse“. Sie wollte schon immer drei Kinder, und so ist es auch gekommen. Das (Familien)Leben hält viele Überraschungen bereit - einige davon sind Thema dieser Kolumne.

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