CFC-Aufsichtsratschef Uwe Bauch: "Ich sehe Licht am Ende des Tunnels"

Uwe Bauch, Chef des Aufsichtsrates beim Chemnitzer FC, spricht über den sportlichen Absturz, den Weg in die Insolvenz und Perspektiven für die Zukunft

Chemnitz.

Uwe Bauch ist seit Januar 2017 Vorsitzender des Aufsichtsrates des Chemnitzer FC, momentan beim insolventen Drittligaabsteiger aber ohne Entscheidungsgewalt. Thomas Scholze sprach mit dem 54-Jährigen über turbulente 18 Monate und Aussichten für die nächste Saison.

Freie Presse: Seit Januar 2017 stehen Sie dem Aufsichtsrat des CFC vor. Wie fällt die Bilanz Ihrer bisherigen Amtszeit aus?

Uwe Bauch: Es war eine bewegte Zeit, die für alle Beteiligten Höhen und Tiefen hatte. Die Tiefen mündeten in der Beantragung der Insolvenz, die wir im März im Aufsichtsrat einstimmig beschlossen haben.

Und was waren die Höhen?

Dass es uns gelungen ist, die Vergangenheit nach und nach aufzuarbeiten und damit die Voraussetzung zu schaffen, den CFC für die Zukunft wieder auf solide Beine zu stellen.

Hätten Sie bzw. die Gremien des CFC den Totalabsturz mit sportlichem Abstieg und Insolvenz verhindern können?

Kaum. Das wäre nur gegangen, wenn wir die in der Vergangenheit geschlossenen Verträge hätten auflösen können und wenn das sieben Punkte umfassende Maßnahmenpaket, das wir auf der Mitgliederversammlung im Dezember vorgestellt haben, umgesetzt worden wäre. Damit wäre der wirtschaftliche Kollaps vielleicht zu vermeiden gewesen. Um diese Sanierungsvorhaben umzusetzen, hätte es aber ein gemeinsames Vorgehen aller Partner gebraucht. Das war nicht möglich, so führte der Weg in die Insolvenz.

Das Hauptproblem war die lange Laufzeit der Verträge?

Die langen Laufzeiten, schlechte Konditionen, hohe Verbindlichkeiten. Eine Rolle spielen auch die zu geringen Einnahmen aus dem Zuschauerbereich, die zu hohen Kosten für das Stadion, ein über Jahre zu teurer Kader, den sich der CFC in der Dritten Liga so nicht leisten kann.

Die Mannschaft war nicht gut genug für die Dritte Liga. Haben Sie mit Steffen Ziffert als Verantwortlichem für den sportlichen Bereich auf den falschen Mann gesetzt?

Natürlich hat er eine Mitverantwortung, das sagt er ja auch selbst. Aber seine Möglichkeiten waren sehr überschaubar. Er hatte viel weniger Geld zur Verfügung als seine Vorgänger, zum anderen musste er mit vielen noch über ein oder mehrere Jahre gültigen Spielerverträgen leben. Und im Winter konnte er dann nur noch Schönheitsoperationen in der Abwehr vornehmen.

Sie haben im Januar aber auch den Trainer getauscht. Da glaubten Sie noch an den Klassenerhalt?

Ja, das haben wir. Wir haben uns die Entscheidung, den Trainer zu wechseln, wirklich nicht leicht gemacht, lange damit gezögert. Es hat nicht funktioniert.

Knackpunkt der Saison war das Spiel in Zwickau?

Ja, so ist es. Das war diese 2:3-Niederlage mit dem bei einer 2:0-Führung verschossenen Elfmeter. Das Spiel hätte eine Wende zum Guten bringen können, war letztlich ein Baustein für den Abstieg. Das darf man aber nicht an einzelnen Spielern festmachen. Die ganze Mannschaft hat danach nicht mehr überzeugt.

Schon vor Ihrem Engagement im Aufsichtsrat hatten Sie mit Ihrer Firma Community4you die Namensrechte am neuen CFC-Stadion erworben. Bereuen Sie inzwischen, diesen Vertrag unterschrieben zu haben?

Keine Minute. Es hat unseren Bekanntheitsgrad deutschlandweit deutlich erhöht, ich werde in Meetings oder Verkaufsgesprächen oft darauf angesprochen. Und ich denke, dass es auch für die Stadt Chemnitz ein gutes Aushängeschild ist. In Zwickau und Erfurt haben die Stadien bis heute keinen Namenssponsor. Und das Geld hat natürlich dem Verein geholfen.

Im Herbst gab es den Vorwurf, Sie hätten in Zusammenhang mit diesem Vertrag eine Rate in Höhe von 125.000 Euro nicht bezahlt. Was ist dran?

Der Vorwurf ist falsch. Zu dem Zeitpunkt, als ich die Mahnung erhalten habe, hat eine Verrechnung der Kosten für die Produktion und Montage des Namensschildes am Stadion stattgefunden. Genauso war es vertraglich vereinbart. Die Mahnung ist ja dann auch als gegenstandslos zurückgenommen worden.

Hätte man das nicht vorher in einem Gespräch unter vier Augen klären können?

Das hätte man. Das Ganze war meiner Auffassung nach eine Retourkutsche für meine deutliche Kritik am damaligen Finanzvorstand Stefan Bohne und an Geschäftsführer Lars Schauer. Der Aufsichtsrat hat mehrfach vergeblich belastbare Zahlen zum Zustand des CFC eingefordert. Mit dieser Aktion wurde dann vermutlich versucht, mich zu diskreditieren. Das ist ja zunächst ein Stückweit auch gelungen. Wichtig ist, dass solche Vorgänge der Vergangenheit angehören und mit den jetzt amtierenden Gremien und der neu erarbeiteten Satzung die Grundlagen dafür vorhanden sind bzw. geschaffen werden, dass sich Derartiges nicht wiederholt.

Der CFC spielt ab Juli in der Regionalliga. Weiter in der Community4you-Arena?

Der Vertrag gilt erst einmal nicht für die 4. Liga. Gespräche zu diesem Thema wird es irgendwann geben, ich sage nicht kategorisch nein. Aber als Unternehmer habe ich nicht mehr viel von der Namenspartnerschaft - fast alle unserer Kunden sitzen im Westen, der CFC ist nur noch im Osten präsent. Vielleicht gibt es ein Unternehmen, dem diese Werbeplattform mehr bringt.

Das Sagen beim CFC hat jetzt Insolvenzverwalter Klaus Siemon. Sie sind derzeit so etwas wie ein Frühstücksdirektor?

Klaus Siemon spricht viele Dinge mit uns ab, wir sind in ständigem Kontakt. Aber ja: Die Entscheidungen trifft er, ich bin raus.

Wie viel Zeit pro Woche investieren Sie für den CFC?

Bis zum Dezember waren das etwa zwölf Stunden pro Woche, danach bis zur Anmeldung der Insolvenz ca. 30. Wir haben alle Unterlagen, alle Verträge Blatt für Blatt studiert. Und sind auf immer neue Katastrophen gestoßen. Der CFC ist von vielen Seiten ausgesaugt worden, manche Verträge waren haarsträubend.

David Bergner bleibt trotz des kläglichen Abschneidens der Mannschaft auch unter seiner Führung im Amt. Hat er diese zweite Chance verdient?

Ich bin Kaufmann, kein Fußballexperte. Ich kann nicht beurteilen, wie gut oder schlecht ein Trainer bzw. Spieler ist. Ich habe mich in diese Belange bisher nicht eingemischt, werde das auch künftig nicht tun. Dafür haben wir einen Vorstand. Thomas Sobotzik und David Bergner haben jetzt die Möglichkeit, eine neue - ihre - Mannschaft zusammenzustellen. An den Leistungen dieser Truppe werden sie sich dann messen lassen müssen. Das Grundkonzept, auf hungrige Spieler zu setzen, die im CFC-Trikot etwas bewegen und sich beweisen wollen, überzeugt mich. Die Vergangenheit hat ja deutlich gezeigt, dass besonders teure Spieler nicht immer besonders herausragende Leistungen bringen. Wäre das so, würden wir jetzt in der 2. Bundesliga spielen.

Gab es aus Ihrer Sicht, den CFC betreffend, irgendetwas Positives in den letzten 18 Monaten?

Ich habe viele interessante Menschen kennengelernt. Die Zusammenarbeit in den jetzt amtierenden Gremien ist sehr angenehm. Positiv angetan bin ich von der großen Akzeptanz der Fans, die unseren schweren Weg mitgehen und unterstützen. Und ich sehe jetzt Licht am Ende des Tunnels, was lange Zeit nicht der Fall war.

Welche Ziele werden in der kommenden Saison angepeilt?

Wir werden uns demnächst in den Gremien zusammensetzen und Ziele festlegen. Priorität hat die wirtschaftliche Konsolidierung. Mein Wunsch ist, dass der CFC sich möglichst bald wieder in Richtung Dritte Liga orientiert. Und zwar noch in meiner Amtszeit.

Die endet wann?

Ich bin für drei Jahre bis Dezember 2019 gewählt.

Dauerbrenner Florian Hansch

Das Prädikat Dauerbrenner verdienten sich dieser Saison zwei Akteure mit mehr als 3000 Einsatzminuten: Florian Hansch (3308 Minuten) und Julius Reinhardt (3005). Hansch und Reinhardt befanden sich auch gemeinsam mit Kevin Tittel am meisten im Kader (38). Von den dreien spielte aber nur Florian Hansch auch wirklich in allen 38 Partien, der damit in jedem Saisonspiel auf dem Platz stand.

Der beste Torschütze in der vergangenen Saison war Daniel Frahn. Der 30-jährige Mittelstürmer erzielte insgesamt 13 Tore. Nur einen Treffer weniger schoss Miroslav Slavov (12). Die meisten Vorlagen lieferte Florian Hansch (11).

Der höchste Saisonsieg gelang mit dem 5:0 in Erfurt, die höchste Niederlage gab es beim VfL Osnabrück (1:6). Die Heimbilanz (6 Siege/4 Remis/9 Niederlagen) liest sich zwar wenig positiv, ist aber noch deutlich besser als auswärts (2/3/14). Daraus würden sich 31 Punkte ergeben, von denen aufgrund des Insolvenzverfahrens aber noch einmal neun abgezogen wurden (gesamt 22). Auch ohne den Punktabzug wären die Chemnitzer so auf Platz 19 gelandet.

Durchschnittlich 6617 Zuschauer kamen zu den Heimspielen des Chemnitzer FC. Das ist ein Rückgang zum Vorjahr (6971) von 354 Besuchern. (luka)

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