Auerbach
„Leser helfen“ im Vogtland: Weihnachten mit der Krebserkrankung – „Ich habe so gefeiert, als sei es das letzte Mal“

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Chemotherapie statt Weihnachtsmarkt: Sandra Wende aus Ellefeld verbrachte viel Zeit im Krankenhaus. Wie feiert man da Weihnachten? Heute schöpft sie wieder Hoffnung. Welche Rolle ihre Familie dabei spielt.

Ellefeld.

Weihnachten – ein Fest der Ruhe und Besinnlichkeit im Kreise der Familie. Das ist es auch bei Sandra Wende mit ihrem Mann André und den beiden Töchtern Selina (8) und Yasmin (4). Und doch ist das Weihnachtsfest für die Ellefelder Familie nicht mehr so wie früher.

Da ist Sandra Wende gerne auf die Weihnachtsmärkte in der Region gegangen, erzählt sie. Heute ist das nicht mehr so einfach möglich. Vor dreieinhalb Jahren wurde bei der 41-Jährigen ein bösartiger Tumor im Bereich des Beckenknochens festgestellt. Dutzende Krankenhausaufenthalte folgten. Chemotherapien, Operationen und immer die Ungewissheit, was danach ist. „Ich hatte vor jeder Operation Angst“, sagt die Mutter von zwei Kindern. „Mein Halt war meine Familie.“

Weihnachten 2021: „Ich habe damals so gefeiert, als sei es das letzte Mal“

Die Vorweihnachtszeit 2021 musste die gelernte Schneiderin aufgrund der Chemotherapie im Klinikum in Leipzig verbringen. Dort hat sie begonnen, Weihnachtssterne zu klöppeln. Die Idee kam ihr, als sie die selbstgeschnitzte Krippe eines anderen Patienten sah und dachte: „Da fehlt noch was.“ Seither fertigt Sandra Wende jedes Jahr die kleinen Weihnachtssterne – auch für die Weihnachtsfeiern ihrer Töchter. „Plätzchen backen, wie andere Eltern, kann ich leider nicht mehr“, sagt sie. Die Sterne sind ihre Art, einen Beitrag zu leisten.

Als die Ellefelderin die Adventszeit 2021 im Krankenhaus in Leipzig verbringen musste, hat sie mit dem Klöppeln kleiner Sterne begonnen. Die Krippe stammt ebenfalls von einem Patienten der Klinik.
Als die Ellefelderin die Adventszeit 2021 im Krankenhaus in Leipzig verbringen musste, hat sie mit dem Klöppeln kleiner Sterne begonnen. Die Krippe stammt ebenfalls von einem Patienten der Klinik. Bild: Sandra Wende/Privat

Nach der Chemo verbrachte die 41-Jährige die Weihnachtsfeiertage 2021 schließlich zu Hause in Ellefeld. Wenige Wochen später sollte der Tumor operativ entfernt werden. „Ich habe Weihnachten damals so gefeiert, als sei es das letzte Mal.“ Mit ihren kleinen Töchtern habe sie ein letztes Mal getanzt, „weil ich wusste, das geht nach der OP nicht mehr“. Weihnachten vor zwei Jahren musste die Familie im Krankenhaus feiern. „Man hat versucht, das Zimmer so schön wie möglich zu dekorieren“, erinnert sie sich.

Leben im Rollstuhl: Wenn der Weihnachtsmarktbesuch zur Hürde wird

Einen Weihnachtsmarkt hat Sandra Wende schon lange nicht mehr besuchen können. Zu groß wäre die Anstrengung für sie und ihren Mann, der sie im Rollstuhl per Treppensteiger durch das Treppenhaus, ins Auto und später wieder zurück in die Wohnung im Obergeschoss bringen müsste. „Er muss immer 100 Prozent geben.“ Erschwerend käme hinzu, dass längst nicht alle öffentlichen Plätze barrierefrei sind. „Ich muss dann irgendwo warten.“ Drängen sich viele Menschen durch den Budenzauber, könne die 41-Jährige im Rollstuhl sitzend ohnehin nicht viel sehen, sagt sie ernüchtert. Den Weihnachtsmarktbesuch habe sie aufgegeben.

Nun freuen sich Sandra und André Wende über die bevorstehenden Weihnachtsfeiertage. „Die Zeit von Weihnachten bis Silvester widmen wir der ganzen Familie“, erzählt sie. Auf einen echten Weihnachtsbaum verzichten die vier, stattdessen gibt einen kleinen künstlichen Baum im Wohnzimmer, geschmückt mit den geklöppelten Sternen. Nicht weit davon steht ein Schwibbogen, den ihr Vater einst gebaut hat. „Das ist ein Erbstück“, verrät sie.

Badumbau als Hoffnungsträger für leichteren Alltag

Hinter Sandra Wende und ihrer Familie liegt ein weiteres turbulentes Jahr. Im Februar wurden Metastasen des Knochenkrebses in ihrer Lunge gefunden und operativ entfernt. Aktuell gilt sie wieder als krebsfrei. Vor wenigen Wochen starb ihre Mutter nach langer Krankheit in einem Pflegeheim. Für das neue Jahr wünschen sich Sandra und André Wende, dass alles wieder etwas ruhiger und alles leichter wird, sagen sie. Hoffnungen setzt die 41-Jährige auch auf den Umbau des Bades. „Wenn das klappt, wird das eine große Sache und würde mir viel im Alltag erleichtern“, freut sich die Ellefelderin. Aufgrund ihrer Mobilitätseinschränkung ist der Raum für sie viel zu klein. Mit dem Rollstuhl kommt sie nicht einmal durch die Badezimmertür. Bei der Körperpflege ist sie deshalb immer auf die Hilfe ihres Mannes angewiesen. Damit für die 41-Jährige wieder ein Stück Normalität und Selbstständigkeit zurückkehren kann, ist ein Umbau des Bades unumgänglich. Mit ihren Spenden können die Leserinnen und Leser der „Freien Presse“ dabei helfen, dass der Alltag von Sandra Wende leichter wird. (florw)

Hier können Sie für Sandra Wende spenden:www.freiepresse.de/wende-helfen

Der Weg zum Bad ist eng. Mit dem Rollstuhl gibt es kein Durchkommen. Ein Umbau ist unumgänglich.
Der Weg zum Bad ist eng. Mit dem Rollstuhl gibt es kein Durchkommen. Ein Umbau ist unumgänglich. Bild: David Rötzschke
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