Forscher aus London hebt exotische Instrumentenschätze

Vor mehr als 100 Jahren haben Vogtländer gezielt Lauten und Geigen aus Ostasien gesammelt. Das ist auch ein Teil der Markneukirchner Geschichte.

Markneukirchen.

Unter den Kostbarkeiten im Paulusschlössl, dem Domizil des Markneukirchner Musikinstrumenten-Museums, befindet sich ein Bestand, der das Herz von Musikethnologe Rolf Killius vor Freude hüpfen lässt. Was sich im oberen Vogtland an Instrumenten aus Ostasien erhalten hat, fasziniert den von Dubai bis Delhi weit gereisten Experten immer wieder. "Es ist eine Riesensammlung, sie scheint gezielt gesammelt und ist regional vollständig. Sie ist vielleicht eine der ältesten und interessantesten in ganz Europa. Es sind sicher Teile dabei, die zu den weltweit ältesten erhaltenen Instrumenten dieser Art gehören", schätzt der Forscher ein.

Nachdem viele Jahrzehnte kaum jemand Notiz von den Importen des 19. Jahrhunderts vor allem aus China, aber auch Vietnam, Korea, Japan oder der Mongolei nahm, hebt Killius seit einiger Zeit diesen exotischen Musik-Schatz. Ziel ist ein Katalog, die klare Identifikation der Instrumente, das Aufdecken von falschen Zuschreibungen - aber auch eine Präsentation. Vielleicht klappt es bereits 2021 mit einer Sonderschau zu den ostasiatischen Instrumenten in Markneukirchen, hofft Killius. Gespielt werden können die filigranen Instrumente nicht mehr. Killius hat die Idee, dass das Spiel etwa auf der Erhu, der zweisaitigen chinesischen Röhrenspießlaute, auf einem Monitor gezeigt wird. Da ließe sich zugleich auch einbinden, was dem Musikethnologen besonders wichtig ist. Es geht ihm um die kulturellen Hintergründe, zu welchen Zeiten welche Instrumente wo gespielt wurden. Vieles hat sich verloren, die Kenntnisse und auch die Instrumente selbst. Später kamen sowjetische Einflüsse, westliche Klangideale setzten sich auch in Ostasien fest. Ein Grund für den Wert der Markneukirchner Spezialsammlung.

Diese ist alles andere als Zufall, sagt Stefan Hindtsche, Direktor des Musikinstrumenten-Museums. Sein Haus will zeigen, was die verschiedenen Erhu oder auch die Huur, die mongolische Pferdekopfgeige, mit Markneukirchen zu tun haben. Instrumentenbauer der Stadt haben gezielt solche Instrumente auch als Inspiration und Anschauungselement für Instrumentenbauer gesehen und sie als einer Art "Experiment" vereinzelt auch in Geschäftskatalogen aus der Musikstadt im ausgehenden 19. Jahrhundert angeboten. Was ins Museum kam, war zudem sicher, sagt Killius. Was im Museumskatalog von 1908 aufgeführt war, ist heute nach mehreren Umzügen bis zum letzten 1942 ins Paulusschlüssel "zu 99 Prozent" noch da. "Die Instrumente sind relativ gut aufbewahrt worden", lobt der Wissenschaftler. Die wenig zentrale Lage der Stadt half auch über die Zeit: Im Leipziger Grassimuseum, zum Vergleich, wurden 1943 bei Luftangriffen gut 30.000 Objekte des Museums für Völkerkunde vernichtet. Die Markneukirchner Sammlung ist räumlich eingegrenzt: Instrumente stammen vor allem aus zwei Orten in China, so aus Chaozhou in der Provinz Guangdong.

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