"Das Boot" ist für viele ein Rettungsanker

Ein Jahr nach dem Trägerwechsel ziehen die Mitarbeiterinnen eine positive Zwischenbilanz. In der Coronakrise müssen sie neue Wege gehen.

Reichenbach.

Die Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle "Das Boot" gibt es jetzt schon seit 15 Jahren in Reichenbach. Sie ist für viele zum Rettungsanker geworden. Im Juli 2005 nahm sie unter dem Dach der Lebenshilfe ihre Arbeit in der Zenkergasse auf und zog von dort 2015 in die Dammsteinstraße um.

Die Lebenshilfe gab letztlich aber die Trägerschaft ab. "Neben der Tatsache, dass wir der Meinung sind, dass dieses ambulante Angebot stets mit einer stationären Einrichtung verbunden sein sollte, konnten wir uns mit dem Kostenträger nicht auf eine neue Leistungsvereinbarung verständigen", erklärte Torsten Stolpmann, geschäftsführender Vorstand der Lebenshilfe, dazu auf Anfrage der "Freien Presse".

Das Landratsamt fand ab 1. September 2019 mit dem DRK Reichenbach einen neuen Träger. Das Konzept blieb gleich. Katrin Meier wechselte wie etliche Klienten mit in die Albertistraße 46. Tanja Schubert kam neu hinzu. Die beiden stehen seither psychisch erkrankten Menschen sowie deren Angehörigen und Bezugspersonen als Ansprechpartner zur Verfügung.

Nach dem ersten Jahr ziehen die beiden, wie sie sagen, "definitiv eine positive Zwischenbilanz". Katrin Meier erklärt: "Der Zulauf von außen hat zugenommen. Das Netzwerk, in dem wir mit Fachärzten, Kliniken, dem sozialpsychiatrischen Dienst und anderen Beratungsstellen zusammenwirken, funktioniert besser. Und unsere Präsenz ist größer, wozu auch die Webseite des DRK beträgt. Bald sind wir auch auf Facebook zu finden."

Primäre Zielgruppe sind psychisch kranke Menschen und Menschen, die von einer psychischen Erkrankung bedroht sind, die jedoch aus verschiedensten Gründen keine medizinischen, ambulanten oder teilstationären Hilfsangebote annehmen wollen oder können. Zudem möchte die Kontaktstelle für Angehörige und andere Bezugspersonen Ansprechpartner sein, sie entlasten und unterstützen. "'Das Boot' steht für ein niedrigschwelliges Angebot. Wir sind offen für alle. Jeder darf kommen. Zur Not auch anonym", erklärt Tanja Schubert. Die Anzahl der Klienten, die spontan aus eigenem Abtrieb kommen, halte sich dabei mit den von Ärzten oder vom sozialpsychiatrischen Dienst vermittelten Klienten die Waage.

Angeboten werden Einzelberatungen. Vermittelt werden weiterführende Hilfen bei der Bewältigung persönlicher Krisen. Gruppenangebote ermöglichen den Austausch mit anderen Betroffenen und Hilfe zur Selbsthilfe. Hinzu kommen tagesstrukturierende Maßnahmen. Soziale Kontakte helfen gegen Vereinsamung und Depression.

Montag und Freitag, 9 Uhr rufen Gesprächsrunden zum Wochenbeginn und Wochenausklang. Mittwoch, 12 Uhr und Donnerstag, 10 Uhr gibt es Runden, in denen man sich austauschen kann, darunter auch zum aktuellen Weltgeschehen. Kunstzirkel und Kreativarbeit (Montag, 11 Uhr), die Selbsthilfegruppe Musik gegen Depressionen (Dienstag, 11 Uhr), ein bunter Nachmittag (Dienstag, 14 Uhr), die Sportgruppe (Mittwoch 10.30 Uhr) sowie Gedächtnistraining und Spiele-Nachmittag (Mittwoch, 14 Uhr) laden regelmäßig ein. Für die Teilnahme sei gerade in Coronazeiten aber eine Voranmeldung zwingend notwendig, ist dem aktuellen Faltblatt der Kontakt- und Beratungsstelle zu entnehmen.

Die Angebote der Kontakt- und Beratungsstelle sind für die Nutzer kostenfrei. Lediglich bei Sonderveranstaltungen wie dem für den heutigen Donnerstag geplanten Ausflug zur Schwarzen Katz' oder Bowling am 22. Oktober wird ein Unkostenbeitrag fällig.

Nach dem Lockdown wegen der Coronapandemie seien nur noch telefonische Beratungen und Einzelgespräche möglich gewesen. "Isolation und Kontaktbeschränkungen sind ganz furchtbar für unsere Zielgruppe", schildert Katrin Meier. "Das Boot" schaltete daher ein Kontakttelefon, an dem die Beraterinnen bis 19 Uhr erreichbar waren. "Für Leute mit Angst- und Panikstörung haben wir auch Hausbesuche angeboten", so Meier. "Mit knapp 50 unserer Stammklienten haben wir mindestens einmal pro Woche telefoniert und nachgefragt, wie es ihnen geht", ergänzt Tanja Schubert.

Betrug das Durchschnittsalter der Klienten 2015 noch 62 Jahre, so schätzen es die Beraterinnen heute auf Mitte 50. Gerade die Coronapandemie habe auch Jüngere in soziale Ängste und Konflikte gestürzt und im "Boot" Hilfe suchen lassen.

Kontakt Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle "Das Boot", Albertistraße 46, Reichenbach, Telefon 03765 5259971. E-Mail: pskb@drk-reichenbach.de.

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