Startschuss für Nachbarschaftshilfe

In Auerbach, Reichenbach und Plauen gibt es erste Bemühungen zum Aufbau eines Netzes von Helfern. Facebook spielt dabei eine zentrale Rolle.

Reichenbach/Auerb/Plauen.

Auf Facebook gibt es seit Sonntagabend eine Gruppe "#CoronaCare Reichenbach/Vogtland, Mylau und Netzschkau hilft sich". Am Montag, 17 Uhr hatte sie bereits 285 Mitglieder. Gründerin ist Fotografin Katrin Fetzer, die am Markt in Mylau ihr Atelier betreibt.

Was sie antrieb, schildert sie so: "Da meine Mutter in München wohnt, bin ich darauf angewiesen, dass Freunde sich in dieser schweren Zeit um sie kümmern. Auch ich möchte Hilfe anbieten, wenn sie jemand für seine Lieben hier in Reichenbach oder im ganzen Vogtland braucht. Meine Kinder können mittun. Wir können einkaufen gehen und uns um wichtige Dinge kümmern." Die Anregung nach einem Post auf Facebook, eine eigene Hilfe-Gruppe zu gründen, nahm sie daher gerne auf. Weil es keine klare Anweisung von oben gebe und Pflegedienste schon voll beansprucht seien, sei eigenes bürgerschaftliches Engagement enorm richtig. "Wir müssen an einem Strang ziehen. Lasst uns gegenseitig helfen und uns Mut machen. Was die Italiener können, das bekommen wir auch hin", sagt Fetzer. Die große Resonanz freut sie. Sie habe sie aber auch erwartet. "Ich glaube an das Gute im Menschen", erklärt sie. Insofern sei das Corona-Virus auch eine Chance. Die Chance, wieder ins Maß, ins Gleichgewicht zukommen und für andere Menschen da zu sein.

Bereits am Freitag gründete sich bei Facebook eine Nachbarschaftshilfe für Auerbach. Der Aufruf zur Mithilfe wird von allen Fraktionsvorsitzenden des Auerbacher Stadtrats unterstützt. "Wir möchten ein Zeichen setzen, dass Auerbach in diesen Zeiten solidarisch zusammensteht, und unkompliziert helfen," sagt Stadtrat Tilman Matheja (AfD), Initiator der Nachbarschaftshilfe. Die Seite "Auerbach hilft" hat bereits über 100 Mitglieder.

Nur nachgewiesen Kranke würden gemäß Infektionsschutzgesetz von der Kommune versorgt werden, daher müssten die Bürger einander unter die Arme greifen und die Stadtverwaltung entlasten, sagt Matheja. Die Helfer wollten ein Netzwerk schaffen, um Einkäufe und Besorgungen für Hilfsbedürftige zu erledigen. Auch eine kurzfristige Kinderbetreuung in Notfällen werde geplant. In den kommenden Tagen will die Gruppe Flugblätter und Plakate drucken und verteilen. Außerdem wird unter www.auerbach-hilft.de eine Website bis Donnerstag freigeschaltet.

Die Auerbacher Stadtverwaltung hat zudem eine Notfallnummer für Personen eingerichtet, die in häusliche Quarantäne kommen und keine Angehörigen haben. Sie können sich unter 03744 825 222 melden. Auch die Rathäuser in Treuen, Rodewisch und Ellefeld bieten Hilfe an.

In Plauen gibt es ebenfalls inzwischen eine digitale Plattform für Nachbarschaftshilfe. Konkret handelt es sich um die Facebook-Gruppe "Coronavirus - Plauen hilft - Wir geben gegenseitige Hilfe und Unterstützung". Ins Leben gerufen hat sie Lars Buchmann, vielen bekannt als Initiator der Facebook-Gruppe "Wir sind Plauener" und Stadtführer. In der neuen Gruppe bieten Vogtländer Hilfe beim Einkaufen, beim Gassigehen und der Kinderbetreuung an. Zudem werden Informationen rund um das Thema Corona ausgetauscht. (mit nd)

Alle Vogtländer, die eine größere Hilfsaktion planen, können sich in der Redaktion Plauen melden unter 03741 408 15141.


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