Künftige Studenten büffeln Deutsch in Glauchau

Junge Leute aus dem Ausland bereiten sich in Glauchau auf ein Studium in Deutschland vor. An einige Dinge mussten sie sich in der Fremde gewöhnen.

Die Eingewöhnung in Glauchau war für die vier weit gereisten jungen Männer nicht immer einfach. Benham Solmaz, Tahir Mammadli, Jiancheng Bi und Nanchun Jiang bereiten sich seit einigen Monaten am Studienkolleg in Glauchau auf ein Studium an einer deutschen Hochschule vor. Die Ankunft in der Großen Kreisstadt war für Solmaz erst einmal holprig. "Ich stand zwei Stunden am Bahnhof, weil kein Bus fuhr und ich kein Taxi telefonisch erreichen konnte", sagt der 21-Jährige, der aus Istanbul stammt. Zu schaffen mache ihm auch das wechselhafte Wetter. Die beiden Chinesen Nanchun Jiang und Jiancheng Bi, die vor sechs Monaten nach Glauchau gezogen sind, haben sich noch nicht an das deutsche Essen gewöhnen können. "Meine chinesischen Mitschüler und ich fahren bis nach Chemnitz oder Leipzig, um in einem chinesischen Restaurant essen zu gehen oder in einem chinesischen Supermarkt einkaufen zu können", sagt der 23-jährige Jiang. Für Mammadli aus Aserbaidschan war der sächsische Dialekt am Anfang eine Herausforderung. "Beispielsweise sagen die Leute anstatt zwei 'zwee'. Da fällt es manchmal schwer, einem Gespräch zu folgen", so der 20-Jährige, der im Vorfeld schon ein Sprach-Zertifikat an einem Goethe-Institut erworben hatte. Zudem mussten sich die Männer daran gewöhnen, dass die Läden sonntags und an Feiertagen zu haben. In China haben beispielsweise die Supermärkte 24 Stunden geöffnet. Jedoch schätze Jiang die Ruhe in Glauchau und den Gründelteich.

In ihrer Freizeit spielen die Männer gern Basketball, Fußball, gehen schwimmen oder unterstützen den Hausmeister des Wohnheimes. Ansonsten pauken sie wie alle anderen für die anstehenden Prüfungen. Die müssen sie bestehen, um eine Studienzulassung zu erhalten. Tatkräftige Unterstützung erhalten sie von den 15 Dozenten des Kollegs unter anderem von Alice Hanáková. Die gebürtige Tschechin, die viele Jahren an deutschen Universitäten lehrte, unterrichtet seit drei Jahren an der Bildungseinrichtung "Deutsch als Fremdsprache".


Die Gründe, warum sie hier studieren wollen, sind unterschiedlich. Aufgrund der politischen Lage in der Türkei habe sich Solmaz entschlossen, der seit 2014 in der Bundesrepublik lebt und in der Türkei einen deutschen Kindergarten besuchte, in Aachen Maschinenbau zu studieren. Mammadli kann sich vorstellen, ein Informatik-Studium aufzunehmen. "Hier sind die Universitäten einfach besser als in Aserbaidschan." Jiang und Bi interessieren sich für die Automobilbranche. "Mich faszinieren deutsche Autos wie Porsche und BMW. Ich könnte mir vorstellen später für den BMW- Konzern zu arbeiten", sagt der 21-Jährige Bi, der aus der ostchinesischen Provinz Shandong stammt. Beide wollen in Chemnitz Maschinenbau studieren. Die vier jungen Männer, die in Wohnheimen wohnen, bekommen während ihrer Zeit in Glauchau finanzielle Unterstützung von ihren Familien. "Anders könnte ich mir den Kurs gar nicht leisten. Mit meinem Visum kann ich nur eine begrenzte Anzahl an Tagen im Jahr arbeiten", so Mammadli.

Auf die Frage, was Reisende in ihren Heimatländern nicht verpassen dürfen, fallen die Antworten unterschiedlich aus. Laut Bi solle man in Shandong unbedingt frisch gefangene Meerestiere aus dem Gelben Meer essen. In Aserbaidschan müsse man unbedingt Baklava probieren - ein in Zuckersirup eingelegtes Gebäck. Solmaz empfiehlt eine Bootstour auf den Bosperus.

Das staatlich anerkannte Studienkolleg in Glauchau wurde laut der Geschäftsführerin Dana Jähnert 1991 gegründet. Es bietet Vorbereitungskurse von sechs Monaten bis zwei Jahren für deutsche Hochschulen an. Die Bildungseinrichtung arbeitet mit nationalen und internationalen Institutionen zusammen. Vorrangig kommen die 200 bis 300 Schüler aus China. Derzeit lernen auch junge Leute aus Ecuador, Brasilien, Indien und Mozambique an der Einrichtung.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...