Liveticker zum Nachlesen: #wirsindmehr - das Konzert in Chemnitz

Prominente deutsche Bands haben am Montag in Chemnitz ein Zeichen gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Gewalt gesetzt.

23.40 Uhr: Die Stadt zieht Bilanz. 65.000 Besucher, 79 Personen, die medizinisch versorgt werden mussten. Elf kamen ins Krankenhaus, unter anderem wegen Kreislaufproblemen. Damit verabschieden wir uns und wünschen allen eine gute Nacht!

23.30 Uhr: Die Zahl der Besucher an der Gedenkstätte für Daniel H. sinkt laut Polizei. Sie zieht ihre Kräfte langsam ab, zeigt aber auch in der kommenden Nacht Präsenz. Aktuell gibt es kein Eskalationspotenzial, so die Polizei.

Christoph Ulrich

Ulrichs Bilanz:Der „Freie Presse“-Wirtschaftsnewsletter von Chef­korrespondent Christoph Ulrich

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22.48 Uhr: Die Polizei reagiert auf Hinweise auf ein Bild des Sängers von Feine Sahne Fischfilet, der vor dem Marx-Monument den Hitlergruß gezeigt haben soll. Erste Ermittlungen ergeben laut Polizei "Das Foto ist ein Fake!" Tatsächlich hat sich die Band vor dem "Nischel" fotografieren lassen. Doch das von der Band auf Twitter verbreitete Bild zeigt, dass der Sänger den Zeigefinger nach oben streckt, nicht die Hand.

22.08 Uhr: 2. Durchsage der Polizei, 2. Platzverweis. Einige Personen verlassen das Areal, die meisten bleiben. Es geht um vielleicht noch 50 bis 60 Leute.

22.06 Uhr: Lautsprecherdurchsage der Polizei. Sie ruft die Menschen an der Gedenkstätte auf auseinanderzugehen, sich mindestens 100 Meter zu entfernen. Andernfalls werde der Platzverweis von der Polizei durchgesetzt, heißt es.

22.03 Uhr: Immer wieder Sprechchöre wie "Ob Ost, ob West, nieder mit der Nazipest", "Nie wieder Deutschland". Die Polizei hält sich zurück, obwohl das nun schon eine Spontandemo ist. Und die hat die Stadt eigentlich für den heutigen Tag alle verboten.

22.02 Uhr: Inzwischen sind mehrere Hundert Menschen am Gedenkort, die Polizei hat ihre Einsatzkräfte verstärkt. Weiterhin laute Sprechchöre.

21.48 Uhr: 65.000 Besucher bei #wirsindmehr - diese Zahl nennen nun Stadt Chemnitz und Polizei in einer Mitteilung.

21.38 Uhr: Am Gedenkort sind weiterhin mindestens 100 Leute versammelt. Sprechchöre sind zu hören, unter anderem "Nie wieder Deutschland", "Nazis raus", "Wir sind mehr". Es kommt zu verbalen Auseinanderseitzungen. Mindestens 15 Polizeiautos stehen auf der Brückenstraße

21.34 Uhr: Der Bahnhof wird von der Polizei abgesperrt, weil er überfüllt ist. Mehrere Hundert Leute kommen nicht rein. Sie müssen warten, bis die ersten Züge abgefahren sind.

21.32 Uhr: Über drei Videowände neben der Bühne erfahren Besucher, wie sie zurückkommen. Alles wirkt gut organisiert.

21.08 Uhr: "Kommt gut nach Hause", sagt die Moderatorin. "Geht gemeinsam und passt aufeinander auf. Und wenn wir uns das nächste Mal sehen, sind wir mehr." Tausende machen sich auf den Heimweg.

21.07 Uhr: Das Konzert ist vorbei. "Wir sind mehr!"-Rufe.

21.05 Uhr: "You‘ll never walk alone" - Gänsehaut!!

21 Uhr: Nun der Höhepunkt der Abends: Die Hosen spielen den Ärzte-Klassiker "Schrei nach Liebe", unterstützt von Rod Rodrigo Gonzales von den Ärzten!!! Die Menge geht ab. Campino ruft: "Alle Transparente hoch - wir sind 70.000 Leute!"

20.57 Uhr: Campino hält keine großen Reden, spricht nur von einem großen Abend - wenn hoffentlich alles friedlich bleibt. Aber die Texte der Band sagen ja schon alles, was zu sagen ist: "Willkommen in Deutschland".

20.53 Uhr: Jetzt klatschen Zehntausende zu "Es kommt die Zeit, in der das Wünschen wieder hilft". So was hat Chemnitz noch nicht erlebt.

20.51 Uhr: Die Stadt hat eine neue Schätzung zur Resonanz: "Aktuelle geschätzte Besucherzahl: 65.000!!!", heißt es auf Twitter.

20.49 Uhr: Nun der Klassiker "Sascha ... ein aufrechter Deutscher"von 1993 - Riesenapplaus!

20.48 Uhr: Bei Rewe am Wall stehen die Leute vor der Tür noch immer Schlange

20.41 Uhr: Bei den Hosen folgen die Zeilen "Ich will dich, ich will dich, aber nicht bevor ich weiß: Gibt es irgendwelche Nazis in deinem Bekanntenkreis?" Auf dem obersten Balkon des Hochhauses an der Brückenstraße wird ein Bengalo gezündet.

20.35 Uhr: Die Polizei berichtet von einem Vorfall am Trauerort für Daniel H. Dort hätten sich mehrere Personen vermummt. Als den Platzverweisen nicht Folge geleistet wurde, habe man diese durchgesetzt, wie eine Sprecherin erklärt. Die Polizei hat die Gedenkstätte abgeriegelt. Wenige Meter von der Stelle entfernt hat jemand ein Schild aufgestellt mit "Refugees welcome". Auch dort stehen Kerzen und ein Kreuz. Im Einsatz sind aktuell mehrere Hundertschaften Polizei aus sechs Bundesländern und von der Bundespolizei.

20.30 Uhr: Stimmungsbild: Die Atmosphäre ist insgesamt friedlich und gelöst. Am "Nischel" tranzen 200 bis 300 Leute zu Technomusik. Im Stadthallenpark sind Imbisswagen, zwischen denen Menschen unterwegs sind. Einige Menschen haben Plakate dabei und halten sie auch in der Dunkelheit hoch. Beobacher gewinnen den Eindruck, dass sich Chemnitz den verlorenen Teil des Stadtfestes zurückholt. Es ist Feierlaune!!

20.26 Uhr: "Ein fliegender Stein als Kampfsignal" - das ist "Liebeslied". Ein Klassiker von 1987.

20.17 Uhr: Und jetzt noch die Hosen. Es ist dunkel geworden, aber alles weiter friedlich und entspannt vor der Bühne.

 

20.11 Uhr: So viel ist sicher: Die Züge nach Leipzig werden heute Abend noch etwas voller. Nicht nur das Konzert ist ein Grund. Das Fahrzeug, das 20.31 am Hauptbahnhof Chemnitz abfahren sollte, hat einen Defekt und fährt nicht. Alternativ sollen Fahrgäste Verbindungen über Dresden oder Zwickau nutzen, rät die Polizei.

20.07 Uhr: Am Karl-Marx-Monument feiern etwa 3000 Leute bei entspannter Stimmung und Elektromusik. Am Trauerort sind inzwischen etwa 200 Personen versammelt. Die Polizei fordert alle jene, die nicht trauern auf, etwa 30 Meter hinter die Absperrung zu treten. Die Durchsage war inzwischen dreimal zu hören. Wer die Anweisung nicht befolgt, wird mit Platzverweis belegt, erklärt die Polizei. Es betrifft augenscheinlich vor allem Personen aus dem linksorientierten Spektrum, die Plakate bei sich tragen.

Der Stadthallenpark wird immer voller. Die Besucher sitzen auf Treppen und Mauern. Viele der Gäste sagen, dass es ihnen am Konzertort zu voll und zu eng wird.

19.55 Uhr: Die sächsische Polizei gibt via Twitter bekannt, dass am Abend in Dresden bei einer Pegidademonstration ein Tatverdächtiger vorläufig festgenommen worden ist, der am Samstag in Chemnitz einen Journalisten angegriffen hat.

19.50 Uhr: Marteria & Casper starten mit "Champion Sound".

19.40 Uhr: Kraftklub-Sänger Felix Brummer wiederholt, was er in der Pressekonferenz am Nachmittag sagte: "Wir wissen, dass wir mit einem Konzert nicht die Welt retten. Aber wir wohnen auch noch in Chemnitz, wenn die Kameras wieder weg sind. Manchmal ist es wichtig, dass man sich nicht allein fühlt."

19.17 Uhr: Jetzt kommen Kraftklub - und inzwischen  stehen Menschen auch dicht an dicht auf dem Oberdeck des Parkhauses am Johannisplatz. Kraftklub-Intro: "Ich komm aus Karl-Marx-Stadt, bin ein Verlierer, Baby ..." Tausende singen mit.

18.59 Uhr: K.I.Z. spielen den Titel "Boom Boom boom". Dort heißt es: "Meine Vorfahren haben Wildschweine gejagt Jetzt leb' ich mit Barbaren, die tun was die Bildzeitung ihn' sagt Ihr Partypatrioten. Seid nur weniger konsequent als diese Hakenkreuz-Idioten. Die geh'n halt noch selber ein paar Ausländer töten Anstatt jemand' zu bezahl'n, um sie vom Schlauchboot zu treten".

18.54 Uhr: Die Stadt Chemnitz informiert zur Rückreise mit dem Zug vom Konzert: Am besten "ab 20:54 Uhr und 21:31 Uhr in Richtung Zwickau fahren. Von Zwickau geht es dann mit dem Anschlusszug weiter in Richtung Leipzig. Bei diesen Zügen sollten ausreichend Kapazitäten zur Verfügung stehen", heißt es.

18.48 Uhr: Der Veranstalter spricht von 50.000 Konzertbesuchern und bezieht sich dabei auf Angaben der Polizei. Fest steht schon jetzt, dass es an den kommenden drei Montagen wieder Konzerte geben soll. In welcher Größenordnung und an welchem Ort sowie welche Künstler auftreten, stehe noch nicht fest. Derweil werden die Schlangen an den Geschäften, die Essen und Trinken verkaufen, immer länger.

18.44 Uhr: Am Freitag wird es wieder ein Gratis-Konzert in Chemnitz geben. 19 Uhr laden die Theater Chemnitz zum Konzert «Gemeinsam stärker - Kultur für Offenheit und Vielfalt» ein. Unter der Leitung von Generalmusikdirektor führen unter anderem Solisten und Chöre der Oper Chemnitz, die Robert-Schumann-Philharmonie, die Singakademie Chemnitz und der Universitätschor der TU Chemnitz die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven auf. Das teilten die Theater am Montag mit.

18.40 Uhr: Das Mobilfunknetz rund um #wirsindmehr ist zum Teil überlastet, berichtet die Polizei.

18.35 Uhr: Die Berliner Rapper K.I.Z. sind dran - erster Titel: "Urlaub fürs Gehirn"

18.29 Uhr: Vor der Bühne hat sich inzwischen auch die Bahnhofstraße und der Stefan-Heym-Platz komplett gefüllt. Im Hochhaus an der Kreuzung zur Augustusburger Straße drängeln sich auf jedem der 14 Balkons übereinander die Zuschauer. Daneben das riesige Transparent "Die Würde des Menschen ist antastbar. - Artikel 1 Grundgesetz, Stand 27.08.2018"

18.20 Uhr: Etwa 30 Polizisten sind inzwischen am Tatort, der einem Blumenmeer gleicht, eingetroffen. Sie stellen sich gezielt zwischen die Lager, mussten aber bislang nicht eingreifen. Die Personen, die sich zum Gedenken versammelt haben, gehören augenscheinlich dem linken und dem rechten Spektrum an. Sie diskutieren miteinander.

18.00 Uhr: Feine Sahne Fischfilet starten mit "Zurück in unserer Stadt" vom aktuellen Album.

17.59 Uhr: Am Tatort der Messerstecherei an der Brückenstraße stehen Personen, augenscheinlich dem rechten Spektrum zugehörend, einer zweiten Gruppe gegenüber, die unter anderem Plakate bei sich hat, auf denen "Kein Bock auf Nazis" zu lesen ist. Die Lage ist ruhig, die Polizei schickt Verstärkung.

17.41 Uhr: Auf den Einfallstraßen sind immer noch zahlreiche Gruppen junger Leute unterwegs Richtung Stadtzentrum. Einige haben Plakate und Luftballons dabei. Es sind bereits Tausende auf dem Konzertgelände. Teenager stehen neben Senioren, Rammstein-T-Shirt-Träger neben Jungs und Mädels mit Afro. Glücklich, wer irgendwo noch einen Döner oder belegtes Brötchen ergattert hat. Absolut friedliche, entspannte, gelöste Atmosphäre. Sprüche auf Plakaten: Nazis nerven mehr als Wespen; Rassismus hat viele Gesichter, aber alle sind hässlich.

17.31 Uhr: Trettmann: "Ich seh Menschen bis zum Horizont." Die erhofften über 20.000 dürften da sein.

17.30 Uhr: Noch immer strömen Hunderte junge Leute in Richtung Konzertort, vorbei am Tatort, wo etwa 50 Menschen dem getöteten 35-Jährigen gedenken.

17.27 Uhr: Der Chemnitzer Hiphop-Sänger Trettmann steht auf der Bühne, erinnert an seine Jugend im Heckertgebiet: "Liebe ist immer stärker als Hass!" Das Konzert startet Trettmann mit "Grauer Beton".

17.20 Uhr: Viele Plakate sind zu sehen. Eine Auswahl der Slogans: "Hass ist krass - Liebe ist krasser" "Nazis sind Scheiße" "Lieber Gutmensch als Arschloch" "Katzen würden Glatzen kratzen" "A bissl mehr Liebe bidde" "Menschenrechte statt rechte Menschen".

17.13 Uhr: Immer noch strömen die Massen zum Parkplatz an derJohanniskirche. Der Platz ist jetzt voll, hunderte Menschen stehen auf der Straße.

17.10 Uhr: Rola Saleh aus Chemnitz von Jugendliche ohne Grenzen spricht auf der Bühne: "Ich wünsche, dass jeden Tag Solidarität ist so wie heute - nicht nur in Chemnitz, sondern bundesweit."

17.05 Uhr: Schweigeminute für das Opfer des tödlichen Angriffs vom 26. August, Daniel H.

17.00 Uhr: Die Polizei Sachsen schreibt auf Twitter: "Nach Rücksprache mit der Versammlungsbehörde der Stadt Chemnitz werden heute aufgrund der konkreten Situation in der Stadt alle möglichen Spontanversammlungen untersagt!"

16.44 Uhr: Elli (20) aus Berlin mit Warnweste und Wir-sind-mehr-Logo ist mit zwei Begleitern unterwegs und sammelt Spenden für die Familie des Opfers und für Anti-Extremismus-Projekte in Sachsen. In den Spendentopf wandern Münzen und Scheine. Ihre Motivation: "Mit so einem großen Konzert kann man viel bewegen."

16.29 Uhr: Die Stadt informiert Anreisende auf Twitter: "Der Parkplatz an der Technischen Universität Chemnitz (Thüringer Weg 11) ist voll belegt. Bitte nutzt die Parkplätze an der Messe, am Neefepark und am Eissportzentrum."

16.22 Uhr: Die Imbissstände haben Hochkonjunktur. Eine halbe Stunde vor Konzertbeginn bildet sich bei den Döner-Verkäufern an der Ecke Brückenstraße/Straße der Nationen eine lange Warteschlange. Aber nicht nur dort. Am Hauptbahnhof kommen Hunderte Konzertbesucher an. Am Busbahnhof reist eine Schülergruppe aus Baden-Württemberg mit dem Bus an. Die 17-Jährigen sind froh, dass in ihrem Bundesland noch Ferien sind.

16.21 Uhr: Vor der Stadthalle wird Gratis-Eis verteilt.

15.55 Uhr Monchi: Wir haben hier ein geschichtsträchtiges Ereignis hingezimmert. Die Pressekonferenz ist zu Ende.

15.52 Uhr: Felix Brummer: Ich finde befremdlich, dass man als linksextrem bezeichnet wird, wenn man sich gegen Faschismus engagiert. (Brummer zu den Vorwürfen gegen Feine Sahne Fischfilet oder auch Kraftklub)

15.50 Uhr: Campino: Wir wollen hier nicht mit dem Zeigefinger auf andere Bands zeigen, die sich vielleicht nicht engagieren. Dafür habe ich Verständnis. Für solche Sachen wird man auch enorm angefeindet. Man muss nur mal auf die Facebookseiten der beteiligten Künstler sehen, da sind üble Shitstorms im Gang. Wenn das ein Künstler nicht will, ist das auch völlig in Ordnung.

 

15.46 Uhr: Felix Brummer: Das Problem wird leider morgen nicht weg sein. Was wir dagegen tun können, ist, Leute zu mobilisieren, das ist unsere Art von Engagement. Trettmann: Wir werden uns als Künstler auch nach diesem Konzert engagieren - in welcher Form, das können wir jetzt noch nicht sagen. Saleh: Die Projekte gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit hier dürfen nicht jedes Jahr von neuem um ihre Zuschüsse bangen müssen. Monchi: So ein Konzert kann auch jungen Leuten eine wichtige Botschaft vermitteln. Ein Konzert ist nicht alles, aber vielleicht ein Anfang. Marteria: was hier und heute passiert, ist auch Stück Musikgeschichte. Das soll bleiben. Und auch immer präsent sein, wenn man in ein paar Jahren an die Ereignisse von Chemnitz zurückdenkt

15.38 Uhr: Campino: Wir haben uns wahnsinnig gefreut, dass wir dabei sein dürfen. Alles was Anstand hat, egal welcher politischer Couleur, muss sich gegen diesen rassistischen Mob wehren. Wir wollen eine Riesenzahl Menschen haben, die heute kommen. Und es muss gewaltfrei bleiben. Wir wollen niemandem die Chance geben, uns als Linksradikale zu bezeichnen. Es ist in der Kürze der Zeit ein Riesending, was die Jungs von Kraftklub auf die Beine gestellt haben.Vielen Dank, dass wir hier sein dürfen.

 

15.35 Uhr: Monchi von Feine Sahne Fischfilet: Das hätte in vielen Bundesländern passieren können, diese Ausschreitungen, der rassistische Mob. Es ist wichtig, die Leute hervorzuholen, die sich in solchen Situationen noch gerade machen. Es ist immer Scheiße, wenn ein Mensch stirbt, und noch schlimmer, wenn jemand getötet wird. Aber diese Art von Trauer, die hier gezeigt wird, ist ein Witz. Dieser rassistische Mob hat sich über die Tat gefreut, das ist mein Gefühl. Chemnitz ist, glaube ich, nur eine Zwischenstufe. Im nächsten Jahr ist Landtagswahl, da werden sich einige Leute noch umgucken.

15.31 Uhr: Trettmann sagt: Das Problem des Rechtsradikalismus belastet mich schon seit meiner Jugend. Marteria: Mir geht's um die Leute in Chemnitz und Sachsen, die Menschen nicht nach beurteilen, woher sie kommen. Ich habe Lichtenhagen miterlebt, ich saß mit meiner Mutter und meiner Schwester heulend im Wohnzimmer. In Rostock hat sich inzwischen viel verändert. Es ist eine bunte Stadt. Die Chemnitzer sollen sagen können, dass sie aus Chemnitz sind, ohne dass gleich der Satz kommt, ah, ein Nazi. Mit den Chemnitzern solidarisieren wir uns.

15.28 Uhr: Felix Brummer von Kraftklub: Wir werden immer noch in Chemnitz sein, wenn hier keine Kameras mehr sind. Wir geben uns nicht der Illusion hin, dass man ein Konzert macht, und damit alle Probleme gelöst sind. Aber es ist wichtig, dass man sich nicht allein fühlt. Wir haben Dienstagabend Freundinnen und Freunde angerufen, ob sie dabei sind, innerhalb von zwölf Stunden haben alle zugesagt, die jetzt dabei sind.

15.25 Uhr: Saleh: Was in den letzten Tagen hier in Chemnitz ablief, ist nicht die Mehrheit.

15.18 Uhr: Die Stadt füllt sich zunehmend. Hunderte Jugendliche sitzen auf dem Wall und machen noch Picknick, bevor es zum Konzert geht. Der Wochenmarkt ist vorzeitig beendet, er wird jetzt abgebaut. Die Innenstadt-Geschäfte haben noch geöffnet. Vor den Eingängen der großen Einkaufszentren stehen zusätzliche Sicherheitsleute.

15.17 Uhr: Christopher Möller, Geschäftsführer von Landstreicher Booking: Auf dem Festivalplatz werden insgesamt 50 Spendensammler unterwegs sein. Einen Großteil der Kosten für das Festival übernehmen die Künstler selbst. Mein Telefon hat alle zwei Minuten geklingelt, Unterstützung kam aus ganz Deutschland, sehr viel auch direkt aus Chemnitz.

15.16 Uhr: Uhle: Für die Kosten des Konzertes kommen eine Menge Unterstützer auf, wir nehmen keine Steuergelder in Anspruch.

15.15 Uhr: Sören Uhle vom Veranstalter CWE: Wir erwarten mehr als 20.000 Besucher. Wir gehen von einem friedlichen Verlauf des Konzertes aus.

15.12 Uhr: Rund 200 Journalisten jetzt bei der Pressekonferenz. Jetz geht es los.

14.38 Uhr: Mehr als 150 Journalisten warten auf den Beginn der Pressekonferenz.

14.21 Uhr: Die CVAG stellt sich aufs Konzert ein und informiert über Anzeigetafeln zu Fahrplanabweichungen und Shuttle-Dienste zu #wirsindmehr.

14.15 Uhr: Riesenandrang bei der Pressekonferenz. Am Nachmittag wollen Musiker Beweggründe für ihre Beteiligung am Konzert in Chemnitz darlegen.

13.57 Uhr: Vor dem Open-Air-Konzert gegen Rechts in Chemnitz haben CDU-Politiker die Unterstützung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) für die Veranstaltung kritisiert. "Ich halte das für sehr kritisch", sagte Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer der "Welt" (Montag). Wie zuvor ihr Parteikollege Philipp Amthor monierte sie, dass Steinmeier die Ankündigung der Veranstaltung am vergangenen Freitag auf seinem Facebook-Account geteilt hatte.

12.58 Uhr: Am Gedenkort an der Brückenstraße, wo am 26. August ein 35-Jähriger mit Messerstichen tödlich verletzt worden ist, werden übergroße Pflanzkübel aufgestellt. Weitere Gitter sperren die Fläche ebenfalls ab.

12.37 Uhr: Die Stadt Chemnitz hat eine Demonstration des ausländer- und islamfeindlichen Bündnisses Thügida als Gegenveranstaltung zum Open-Air-Konzert "#wirsindmehr" untersagt. Wie die Stadtverwaltung am Montag mitteilte, wurde die Kundgebung nicht genehmigt. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass die Veranstaltungsfläche bereits belegt sei. Thügida (Thüringen gegen die Islamisierung des Abendlandes) wollte sich unmittelbar neben dem Konzertgelände unter dem Motto "Gegen antideutsche Kommerzhetze" versammeln. Auch eine Kundgebung der rechtspopulistischen Bewegung Pro Chemnitz wurde nicht genehmigt. Wie zuletzt am vergangenen Montag sowie am vorigen Samstag wollte sie erneut vor dem Karl-Marx-Monument demonstrieren.

11.53 Uhr: Unterdessen haben die beiden Tatverdächtigen der Gewalttat von Chemnitz Angaben zu den Vorwürfen gemacht. "Sie haben sich eingelassen", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Ingrid Burghart, heute. Zu Einzelheiten machte sie keine Angaben. Es gibt nach Burgharts Worten noch keine Erkenntnisse zum Anlass des Streits, der den Messerstichen vorangegangen ist. "Nach gegenwärtigem Ermittlungsstand kann man lediglich ausschließen, dass eine Belästigung oder ausländerfeindliche Motive Auslöser der Tat waren", sagte die Oberstaatsanwältin.

11.24 Uhr: Das hier ist übrigens der Zeitplan für das Konzert:
17 Uhr Begrüßung und Schweigeminute,
17.20 bis 17.45 Uhr Trettmann,
17.55 bis 18.25 Uhr, Feine Sahne Fischfilet,
18.35 bis 19.05, K.I.Z,
19.15 bis 19.45, Kraftklub,
19.55 bis 20.25, Nura, Marteria und Casper,
20.40 bis 21.15 Uhr, Die Toten Hosen.

10.56 Uhr: Im Internet können Menschen mit einer sogenannten Fensterdemo gegen Fremdenhass und für Toleranz protestieren. Dabei werden Plakate und Schriftzüge aus den Fenstern gehängt und Bilder davon unter dem Hashtag #wirsindmehr in den sozialen Medien verbreitet. «Wir zeigen unseren Nachbarn, Passanten, Kunden, dass wir die Mehrheit sind, die für Vielfalt, Toleranz, Offenheit, Gleichberechtigung, Demokratie, Frieden und Liebe steht», sagte Mitinitiator Bastian Buch am Montag. Die «Fensterdemo» soll von diesem Montag an für sieben Tage andauern. Auslöser der Aktion sind Aufmärsche rechter Gruppierungen in Chemnitz nach der tödlichen Messerattacke auf einen Deutschen vor mehr als einer Woche.

10.45 Uhr: In unmittelbarer Nähe des Konzertgeländes will Thügida ab 16 Uhr an der Augustusburger Straße gegen das Konzert unter dem Motto "Gegen Antideutsche Kommerzhetze in Chemnitz" demonstrieren.

10.40 Uhr: Auf dem  Gelände gehen heute Spendendosen herum. Die Spendensammler sind laut Veranstalter an ihrem Ausweis zu erkennen. Die Hälfte des Geldes soll der Familie des am 26. August getöteten Daniel H. zukommen. Die andere Hälfte erhalten antifaschistische, antirassistische und zivilgesellschaftliche Initiativen in Sachsen.

10.30 Uhr: Das Konzert wird live auf Youtube übertragen. 3sat sendet mit einer Extra-Ausgabe der "Kulturzeit" ab 19.20 Uhr live aus Chemnitz. Zudem senden etliche Radiosender vom Geschehen in Chemnitz: MDR Sputnik, Deutschlandfunk Nova, NJoy, You FM, Fritz, UnserDing, DasDing, Bremen Next, 1Live und Puls.

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