Flöha
„Frosch mit Pferdebeinen“ oder Chance für die Region? Kulturhauptstadt-Skulptur in Oederan sorgt für Diskussionen

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Die ungewöhnliche Pferdeskulptur in Gahlenz gefällt nicht jedem. Der Kurator des Purple Path ist aber überzeugt, dass die Region davon profitiert. Und er verrät, was dieses Jahr noch geplant ist.

Oederan/Gahlenz.

Der Pferdegöpel des Dorfmuseums, der die historische Dreschmaschine antreibt, ist in und um Gahlenz bekannt. Neu und unbekannt ist dagegen das Pferd, das neuerdings im Oederaner Ortsteil steht. Es ist aus Aluminium gegossen und hat mehr Beine, als allgemein üblich. Außerdem liegt es auf dem Rücken. Der Bildhauer Gregor Gaida hat ein Polygon, also ein Vieleck, als Grundlage genommen und einen Ausschnitt eines Pferdekörpers mehrfach gespiegelt. „Das Polygonale Pferd II“, ist der neueste Bestandteil des Purple Path, der die Kulturhauptstadt Chemnitz mit dem Umland verbindet. Zur Einweihung am 6. April hatte Oederans Bürgermeister Steffen Schneider den Besuchern Spaß beim Interpretieren gewünscht.

Würde ein Kunstwerk aus Holz besser passen?

Spaß hatten wohl manche Kommentatoren, die sich auf den Facebook-Seiten der „Freien Presse“ und in regionalen Facebook-Gruppen äußerten. Da hieß es zum Beispiel „Was ist das? Ein Frosch mit Pferdebeinen?“ oder „Werden ja nicht mal Knacker draus“. Andere Kommentare reichen von „hässlich“ bis „Auf sowas könnte man getrost verzichten!“

Gregor Gaida, der Künstler, sagt, er habe mit kontroversen Reaktionen gerechnet: „Das ist gut so. Ich mag keine Kunst machen, die jedem gefällt.“

Er geht auf konkrete Kritikpunkte ein. Ein Facebook-Nutzer schrieb: „Bei einem historischen Landwirtschaftsmuseum würde Holz sich harmonischer einfügen.“ Gaida: „Die Skulptur ist der Witterung ausgesetzt. Holz würde zu schnell kaputt gehen.“

Alexander Ochs ist Projektleiter und Kurator des Purple Path zur Kulturhauptstadt 2025 in Chemnitz.
Alexander Ochs ist Projektleiter und Kurator des Purple Path zur Kulturhauptstadt 2025 in Chemnitz. Bild: Mark Frost

Immer wieder wird auch kritisiert, das Kunstwerk passe nicht vor das Dorfmuseum Gahlenz. Sie stand ursprünglich in einem Skulpturen-Museum in den Niederlanden. Durch den neuen Standort würde auch eine neue Interpretation möglich, sagt Gaida - das Pferd als Nutztier.

Dass das ungewöhnliche Pferd in Gahlenz gelandet ist, daran hat Rolf Büttner, der Leiter der Volkskunstschule Oederan, wesentlichen Anteil. Er habe sich eine Skulptur gewünscht, die auch Ortsfremde darauf aufmerksam machen könne: „Der Platz vor dem Dorfmuseum ist genau richtig, denn das polygonale Pferd verweist auf die Umbrüche in der Landwirtschaft, die bis in unsere Tage reichen.“ Man hoffe auf mehr Touristen dank des Kulturhauptstadt-Marketings.

Kurator Alexander Ochs ist begeistert vom Dorfmuseum Gahlenz

Mehrere Bürger hatten auch nach der Finanzierung gefragt. Die Skulptur wurde aus Mitteln der Europäischen Kulturhauptstadt bezahlt, die wiederum von Bund und Freistaat Sachsen gefördert wird. Die Stadt Oederan, so Büttner, habe Transport und Versicherung bezahlt - ein niedriger vierstelliger Betrag.

Alexander Ochs, der Kurator des Purple Path, sagt, Debatten seien ganz normal und auch gut. Die Standortwahl passiere immer in einem demokratischen Prozess zwischen Purple Path, Gemeindevertretern und anderen Beteiligten: „Ich habe dieses wunderbare Dorfmuseum gesehen, das auch so gut geführt wird, und dann war die Idee da.“ Kritikern hält er entgegen: „Jeder ist eingeladen, den Purple Path mitzuentwickeln.“

Rolf Büttner von der Volkskunstschule Oederan hat vergangenes Jahr ein Bildhauersymposium in Börnichen organisiert. Die Skulpturen sollen an den „Drei Schwanen“ aufgestellt werden.
Rolf Büttner von der Volkskunstschule Oederan hat vergangenes Jahr ein Bildhauersymposium in Börnichen organisiert. Die Skulpturen sollen an den „Drei Schwanen“ aufgestellt werden. Bild: Knut Berger

Ochs betont, dass regionale Künstler einbezogen werden - so sollen die Skulpturen, die vergangenen Sommer im Park Börnichen entstanden sind, bei den „Drei Schwanen“ in Oederan aufgestellt werden. In Flöha, wo der Bahnhofstunnel bereits mit einem Kunstwerk der Berliner Künstlerin Tanja Rochelmeyer ausgekleidet ist, ist außerdem ein Projekt mit Textilbezug geplant: „Wir stärken auch die Infrastruktur“, sagt Ochs. Als Gesamtprojekt könne der Purple Path dauerhaft internationale Kulturtouristen anlocken.

Jugendcamps in den Sommerferien sind geplant

In Freiberg soll „ein Trash Stone“ entstehen - die Skulptur greift das Thema Müll auf, erinnert aber auch an einen silbernen Stein, passend zum Bergbau. An der Historischen Schauweberei in Braunsdorf sind mehrere Projekte mit Bezug zur Textilindustrie geplant.

Außerdem sollen Jugendliche aus der Region am Purple Path mitwirken. Dazu sind zwei Kunstcamps in den Sommerferien geplant - eins in der Historischen Schauweberei und eins in Oederan, wo auch eine Skulptur des in Gahlenz geborenen Igor Mitoraj aufgestellt wird. Weitere Informationen und Anmeldung: [email protected]. (eva)

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