Flöha
Satire zum Wochenende: Warum die Freiberger U-Bahn in New York hält, aber nicht in Augustusburg

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Hier steht, was wirklich wichtig ist. Heute: Die Verkehrswende beginnt natürlich am Nabel der Welt: In Freiberg.

Heute ist der Tag der guten Nachrichten. Das wurde vom Geheimbund der positiv Denkenden so festgelegt, und die Regierung hat dementsprechend allen Redaktionen im Land befohlen, nur noch gute Nachrichten zu verbreiten. Und was das Beste ist: Da im ersten Satz kein Datum steht, sondern nur „heute“, gilt die Nachricht eigentlich für jeden Tag. „Only good news is good news“, wie es so schön heißt.

Alle Verkehrsprobleme der Welt sind gelöst

Fangen wir also mit einer Nachricht an, die niemanden überraschen wird: Die Verkehrswende ist geschafft. Jedenfalls hier in Freiberg. Denn - für alle, die es noch nicht mitbekommen haben, obwohl es direkt vor ihrer Haustür passierte - in der Bergstadt entsteht gerade eine U-Bahn. Jedenfalls war bis Anfang der Woche noch eine entsprechende Baustelle auf dem Obermarkt zu sehen. Die hat sich dann allerdings in Luft aufgelöst, aber so etwas passiert ja in Freiberg manchmal. Ist so ähnlich wie mit den Plänen zur Umgehungsstraße oder der Willkommenskultur oder dem schönen Spätsommerwetter: einfach weg.

Trotzdem: Die Bauplanung läuft, glaubt man den Organisatoren der U-Bahn-Baustelle. Eine geheime öffentliche Bauberatung gab es schließlich auch schon, und wahrscheinlich flattern demnächst schon die ersten Klagen von Naturschutzverbänden ins Haus.

Ja, richtig gesehen: In Freiberg stand ein Container mit U-Bahn-Schild.
Ja, richtig gesehen: In Freiberg stand ein Container mit U-Bahn-Schild. Bild: Eckardt Mildner

Aber bis es so weit ist, können wir ja erst einmal darüber nachdenken, welche positiven Auswirkungen eine U-Bahn hätte. Vor allem natürlich für New York und Tokio. Endlich, endlich bekommen diese Städte eine Chance, an die pulsierende Metropole Freiberg angeschlossen zu werden. Darauf haben sie schließlich viele Jahre lang gewartet.

Wer sich jetzt fragt, was das soll, dem sei gesagt: Im Jahr 2025 ist Kulturhauptstadtjahr. Dann ist Hainichen Kulturhauptstadt Europas. Burgstädt auch. Und Oederan. Und Braunsdorf. Ach ja, nebenbei gesagt: Auch Chemnitz soll angeblich diesen Titel tragen. Die gesamte Region, industriegeschichtliches Herz und kultureller Magen Deutschlands, wird Kulturhauptstadt 2025. Und natürlich ist auch die Freiberger U-Bahn-Baustelle Teil davon.

In Freiberg kommt Bewegung in die Kulturhauptstadt 2025

Wer sich jetzt fragt, ob die U-Bahn wirklich Kunst ist oder weg kann oder vielleicht auch beides, dem sei gesagt: Es gab schon Menschen, die mit Bildern von Tomatensuppendosen weltberühmt wurden. Und es gibt Schlimmeres als Menschen mit Ideen. Nämlich: Menschen ohne Ideen, die über Menschen mit Ideen zu meckern haben.

In Freiberg kommt also im wahrsten Sinn des Wortes Bewegung in die Kulturhauptstadt. In Augustusburg diskutiert man unterdessen noch. Und zwar über ein Kunstwerk. Das nicht in Augustusburg steht. Das aus einem ovalen Stein besteht, der auf Stühlen liegt. Könnte man auch mal wieder machen. Also, auf Stühlen liegen. Wie früher in der Schule. Gleich meldeten sich bei Facebook Spaßvögel, die aus Gartenstühlen ihre eigenen Kunstwerke herstellten. Da sieht man es mal wieder: Kunst inspiriert. Selbst, wenn sie nicht da ist. Eine U-Bahn brauchen die Augustusburger übrigens nicht: Sie haben ja ihre gute alte Drahtseilbahn.

Bei Facebook lassen sich manche von Kunst-Ideen inspirieren.
Bei Facebook lassen sich manche von Kunst-Ideen inspirieren. Screenshot: Facebook

Das lässt darauf hoffen, dass es im Kulturhauptstadtjahr nicht langweilig wird. Jedenfalls nicht langweiliger als sonst auch. Besucher können dann ja an der Reichen Zeche in Freiberg in die U-Bahn steigen, nach New York fahren, dort an Bord einer Fähre nach Chemnitz gehen, in Chemnitz in die Citybahn steigen, nach Braunsdorf fahren, im Mühlgraben an der Schauweberei die schwimmende Skulptur vom Purple Path bewundern, unter Vermeidung gesperrter Waldwege zum Schloss Lichtenwalde wandern, dort nach Besichtigung aller 35.000 Kürbisse in eine Pferdekutsche nach Niederwiesa steigen, dann in die Regionalbahn nach Flöha, von dort in die Erzgebirgsbahn und dann mit der Drahtseilbahn nach Augustusburg, danach runter zur Zschopau wandern, per Stand-up-Paddel nach Wolkenstein fahren und dort an der B 101 ein Auto anhalten, das hoffentlich nach Freiberg fährt. So einfach und unbeschwert reist es sich durch die Kulturregion Chemnitz. Die internationalen Gäste werden begeistert sein. ( eva)

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