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Wetter-Experten warnen: Am Wochenende drohen Überschwemmungen in Sachsen

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In Sachsen drohen am Wochenende Niederschläge von bis zu 150 Litern pro Quadratmeter. Flüsse und Bäche könnten über die Ufer treten, es könnte zu Rutschungen und Schlammlawinen kommen. Das ist die Lage.

Chemnitz.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat für Sachsen für das kommende Wochenende eine amtliche Vorabwarnung herausgegeben. Diese betrifft weite Teile Sachsens – in einem Zeitraum von Freitagmittag bis Sonntagnachmittag. Auch die Landestalsperrenverwaltung (LVV) hält es für möglich, dass einige Bäche und Flüsse über die Ufer treten werden. Diese LTV-Warnung wurde schon am Mittwoch auch über die Warnapp Nina ausgespielt. Sachsens Umwelt- und Klimaschutzminister Wolfram Günther (Grüne) appellierte am Donnerstag an die Bürger: „Nehmen Sie die Meldungen des Deutschen Wetterdienstes und die aktuellen Hochwasserwarnungen des Landeshochwasserzentrums ernst.“ Die aktuellen Pegelstände sind abrufbar unter www.freiepresse.de/Hochwasser.

Erste Unwetter schon an diesem Donnerstag

Nach den aktuellen Wettervorhersagen muss in Sachsen schon an diesem Donnerstagnachmittag und -abend örtlich mit Gewittern gerechnet werden, teils auch mit Starkregen mit bis zu 35 Litern Niederschlag je Quadratmeter in kurzer Zeit. Zudem sind Sturmböen und Hagel zu erwarten. Ab der Nacht zum Samstag könnten dann binnen 36 Stunden in der Fläche teilweise 100 bis 150 Liter, in der Spitze sogar bis zu 200 Liter Regen niedergehen. Ein Wettermodell rechnet sogar mit bis zu 230 Liter. „Der Schwerpunkt liegt im Südosten, dort besonders in Sachsen und in Nordbayern“, sagt Wetter-Experte Dominik Jung vom Wetterdienst Q.met auf dem Portal wetter.net voraus.

Wassermassen wie bei der Ahrtalflut erwartet

„Das könnte der fatale Höhepunkt einer unwetterträchtigen Großwetterlage werden, die uns nun schon seit einigen Wochen begleitet“, erklärt Jung. Das sind Regenmengen, die im Rahmen der Ahrtalflut aufgetreten sind, allerdings dieses Mal noch deutlich flächendeckender und noch etwas intensiver. An Main, Donau und Elbe sowie an den Nebenflüssen könnte es zu einem massiven Hochwasser kommen. Aber auch die Bäche und Flüsse drumherum wären betroffen.“

Böden in Sachsen noch relativ aufnahmefähig

Die Starkregenfälle werden von einem Unwettertief ausgelöst, das östlich an den Alpen vorbei nach Deutschland zieht. Der Starkregen wird in vielen deutschen Landesteilen laut Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) auf ein Erdreich treffen, das schon sehr nass ist und nur noch wenig Niederschlag aufnehmen können wird. „In Sachsen sind die Böden aber noch relativ aufnahmefähig“, sagt UFZ-Sprecherin Susanne Hufe auf Anfrage der „Freien Presse“. Allerdings könne es dennoch auch im Freistaat durch dauerhaften Starkregen zu Überschwemmungen kommen, wenn Fließgewässer und Kanalisation die Niederschlagsmengen nicht mehr aufnehmen können. Eine Karte zur Durchfeuchtung der Böden finden Sie hier.

Behörde sieht Hochwassergefahr insbesondere im Vogtland und im Osterzgebirge

Das Landesamt für Umwelt und Geologie (LfUG) erwartet, dass sich ab Samstag vor allem in Süd- und Westsachsen sowie im Vogtland die Lage zuspitzen könnte. Mit Hochwasser müsse zunächst in den kleineren Fließgewässern der Mittelgebirge, dann aber auch in den größeren Flüssen gerechnet werden, so eine Behördensprecherin. Nach derzeitiger Einschätzung könne das insbesondere die Einzugsgebiete der Oberen Weißen Elster im Vogtland und der Mulden sowie im Osterzgebirge die Nebenflüsse der Oberen Elbe und der Mulden betreffen. Mit dem Überschreiten von Hochwassermeldegrenzen ist ab der Nacht zu Samstag zu rechnen. Wie sich die Situation am Wochenende genau entwickeln wird, könne zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht genau eingeschätzt werden, da noch nicht sicher sei, wo wann wie viel Regen falle, so die Sprecherin.

Höchste Alarmstufe könnte überschritten werden

Bei mehr als 100 Litern Niederschlag pro Quadratmeter binnen eines kurzen Zeitraums schließt das Landesamt aber nicht aus, dass die Pegelstände einiger Fluss- oder Bachläufe die höchste Alarmstufe 4 überschreiten werden. „Das Landeshochwasserzentrum Sachsen beobachtet die Lage und warnt rechtzeitig, wenn sich eine Hochwasserlage auch in den anderen Flussgebieten Sachsens entwickeln sollte“, so die Behördensprecherin. Unabhängig davon könnten aber auch die Landkreise und die kreisfreien Städte alarmieren, wenn es erforderlich sei.

16 Millionen Sandsäcke stehen für den Notfall bereit

Unterdessen bereitet sich die Landestalsperrenverwaltung auf das drohende Hochwasser vor. Ein Bereitschaftsdienst werde auf die jeweilige Hochwasserlage sofort reagieren können, so eine Sprecherin. „Wir schaffen auch noch stellenweise zusätzlichen Freiraum in Stauanlagen zur Hochwasseraufnahme.“ Die meisten Talsperren in Sachsen können derzeit noch Wasser aufnehmen. Zum Teil wird Wasser abgelassen, um mehr Platz zu schaffen. „Zusätzlich können die 25 Hochwasserrückhaltebecken des Freistaates eingestaut werden.“ Eine Karte mit den Pegelständen der Talsperren in Sachsen finden Sie hier.

Zudem hält die Landestalsperrenverwaltung in fünf Hochwasserschutzlagern Hochwasserbekämpfungsmittel vor, und zwar in Grimma-Trebsen, Chemnitz, Radeburg, Görlitz-Hagenwerder und Lohsa. „Dort lagern insgesamt rund 16 Millionen Sandsäcke und weitere Materialien“, erklärt LTV-Sprecherin Katrin Schöne auf Anfrage der „Freien Presse“. „Diese können ausschließlich durch die Landkreise und kreisfreien Städte abgefordert werden, wenn deren Eigenmittel aufgebraucht sind.“ (tka/juerg)

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