Chemnitzer Start-up will mit 3-D-Kamera Leben retten

Die Erfindung eines Chemnitzer Start-ups soll für schnelle Hilfe bei Unfällen im Haushalt sorgen. Das ist aber längst nicht die einzige Anwendung.

Chemnitz.

Das eigene Heim, gefühlt ein Platz der Geborgenheit, ist laut Statistik ein gefährlicher Ort. Das Robert-Koch-Institut zählt in Deutschland jährlich fast drei Millionen Unfälle in den eigenen vier Wänden, bei denen etwa 8000 Menschen sterben - im Straßenverkehr sind es nur knapp 3500. Stürze sind dabei laut Deutscher Familienversicherung die häufigste Unfall-und Todesursache. Gefährliche Stürze können die Gründer des Chemnitzer Start-ups 3dvisionlabs nicht verhindern, ihre Erfindung aber würde im Notfall für schnelle Hilfe sorgen. Das im August 2017 ins Leben gerufene Drei-Mann-Unternehmen hat eine 3-D-Kamera entwickelt, die gestürzte Personen automatisch erkennt und im Ernstfall einen Notruf absendet. "Wir möchten damit auch die Auswirkungen des demografischen Wandels abmildern", sagt Mitbegründer Michel Findeisen. Denn von den Unfällen im häuslichen Bereich sind gerade ältere Menschen häufig betroffen. Auch das Risiko von Herz - oder Schlaganfällen steige bei Senioren, erklärt der 39-Jährige. Wenn die Betroffenen in einem solchen Fall allein sind, ist das nicht selten ihr Todesurteil. Doch nicht nur in den eigenen vier Wänden soll die Kamera zum Einsatz kommen. Auch in Altenheimen könne das Warnsystem Pflegekräfte schnell alarmieren, wenn ein Patient im Zimmer oder Bad umkippt.

Kamerasysteme, die gestürzte Personen erkennen, seien bislang kostspielig, sagt Findeisen, denn bislang müssten in jedem Raum mehrere Kameras installiert sein. Hier setzt die im Technologiecentrum Chemnitz angesiedelte TU-Ausgründung an. Mit deren 3-D-Kameratechnik würde pro Raum nur noch ein einziger Sensor benötigt.

Dazu haben die ehemaligen wissenschaftlichen TU-Mitarbeiter drei Weitwinkelkameras in einem Gerät verbaute, Spezielle Software rechnet die Tiefeninformationen hinzu und mittels künstlicher Intelligenz lernt das System, die aufgenommenen Daten im Kontext zu bewerten. Dies ist wichtig, um festzustellen, ob tatsächlich ein Ernstfall vorliegt. "Die Software erkennt, ob eine Person im Bett, auf der Couch oder auf dem Küchenboden liegt", erklärt Findeisen. Droht dennoch Fehlalarm, gebe es ein Zeitfenster, um diesen manuell zu stoppen."

Überwachung müsse niemand fürchten, denn die Bilddaten werden direkt im Gerät verarbeitet. Eine Internetverbindung sei nicht nötig. "Wir grenzen uns hier klar von Alexa und Co. ab", sagt Findeisen.

Noch befindet sich die Erfindung, deren Anwendung weit über den häuslichen Bereich hinausgeht, in der Testphase. So testet ein Supermarkt, ob sich mit der Kamera Diebstähle automatisch erkennen lassen. Eine Bank setzt das System im SB-Bereich ein, um Gefahren oder Unfälle zu erkennen. Erste Ergebnisse seien dort vielversprechend, sagt Findeisen. "Die Fehlalarmquote liegt unter einem Prozent." Mit Hilfe des Technologiegründerfonds Sachsen möchte 3dvisionlabs nun in Personal investieren - für Vertrieb, Entwicklung und Expansion. Die erste kommerzielle Serienproduktion soll noch dieses Jahr in den Markt gehen. Dabei handelt es sich um ein Entwickler-Kit mit dem Interessenten auch weitere Anwendungsmöglichkeiten erschließen können. "Doch unser Fokus", so Findeisen, "liegt im Gesundheitsbereich."

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