In Sachsen entsteht eine Start-up-Szene

Im Freistaat gibt es zahlreiche Aktivitäten, die innovativen Gründern Unterstützung anbieten. Doch zu einer sachsenweiten Zusammenarbeit hat es bisher nicht gereicht. Das soll sich jetzt ändern.

Chemnitz.

Bisher haben die Gründerszenen in Chemnitz, Dresden und Leipzig wenig miteinander zu tun. Doch inzwischen setzt sich die Erkenntnis durch, dass eine engere Zusammenarbeit über ganz Sachsen die Chancen erhöht, mit internationalen Investoren ins Gespräch zu kommen. "Uns fehlen die internationalen Netzwerke", sagt Frank Theeg, Geschäftsführer des Chemnitzer Start-up-Zentrums Q-Hub.

Nach einer Informationsreise ins US-amerikanische Gründerzentrum im Silicon Valley ist Theeg überzeugt, dass im Freistaat ein Kulturwandel notwendig ist, damit die Start-up-Szene noch dynamischer wachsen kann. "Wir müssen weg von staatlich finanzierten Start-ups. Es fehlt oft der Druck, direkt auf den Markt zu gehen", meint Theeg, der selbst das Chemnitzer Unternehmen E-dox gegründet hat und sich heute auch als Investor (Business Angel) für innovative Start-ups einsetzt. Auch Titus Lindl, Chef der Unternehmensgruppe Wegvisor in Neukirchen bei Chemnitz und Akteur im Verein "Gründerzeit" findet eine gesamtsächsische Start-up-Szene wichtig. "Nur über ganz Sachsen haben wir eine Chance, auch international wahrgenommen zu werden."

Lindl sieht den Weg für eine künftige Start-up-Community bereitet. Ankerpunkte seien dabei das "Spinlab" in der Baumwollspinnerei Leipzig, der Smart-Systems-Hub in Dresden und der Q-Hub in Chemnitz. "Jeder Standort hat seine spezifischen Schwerpunkte, die sich durch eine verstärkte Kooperation gut ergänzen können", meint Lindl. Zudem sei eine enge Verknüpfung mit bestehenden Aktivitäten wie das vom Freistaat Sachsen initiierte Netzwerk "Future-Sax" geplant. "Wir brauchen einen Graswurzel-ansatz", erklärt Lindl und meint damit, dass die Gründerkultur in Sachsen auch von unten wachsen müsse: von Aktivitäten in den Schulen über die Universitäten bis zum Start-up.

Wichtig ist den Akteuren der Gründerszene aber auch die Zusammenarbeit mit etablierten Unternehmen. "Mentoren aus dem Mittelstand sind für Start-ups, die in vielen Dingen unerfahren sind, ganz wichtig", erklärt Theeg. Er habe die Erfahrung gemacht, dass die jetzt ans Ruder kommende zweite Generation der Unternehmer im Osten aufgeschlossener gegenüber Start-ups sei. Auch Gründer, die inzwischen Erfolg haben, können den Neuanfängern gute Ratschläge geben.

So soll beispielsweise das Chemnitzer Q-Hub deshalb nicht nur dafür da sein, jungen Gründern mit überschaubaren finanziellen Möglichkeiten eine gut ausgestattete Arbeitsumgebung zu ermöglichen; es soll auch ein Ort sein, an dem Start-ups und etablierte Unternehmen zusammentreffen. "Für Unternehmen bietet das Q-Hub gute Möglichkeiten, eine Projektgruppe mal außerhalb der eigenen Firma in einer kreativen Umgebung arbeiten zu lassen", erklärt Mario Geißler das Konzept des Q-Hub. Geißler ist Inhaber des Lehrstuhls "Entrepreneurship in Gründung und Nachfolge" an der TU Chemnitz. Zusammen mit Frank Theeg hatte Geißler den Q-Hub aufgebaut.

Erste Erfahrungen mit solchen Kooperationen gibt es bereits. So wurden mit dem Management des Engineering-Unternehmens IAV Workshops durchgeführt, um aktuelle Start-up-Methoden zu vermitteln. Zudem arbeitet der Q-Hub mit IAV in einigen Projekten zur Geschäftsentwicklung zusammen. Im Q-Hub sollen zudem durch regelmäßige Veranstaltungen und Workshops immer wieder etablierte Unternehmer aus der mittelständischen Industrie und junge Gründer zusammengebracht werden. "Gerade in der Zeit der Digitalisierung ist es wichtig, neue Methoden in den Mittelstand einzubringen", sagt Geißler.

Am heutigen Freitag treffen sich Akteure der Start-up-Szene und mittelständische Unternehmer mit Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD), um die Rolle einer Start-up-Szene bei der Digitalisierung der sächsischen Wirtschaft zu diskutieren. Für Dulig gehört die Gründerförderung zu den wichtigen Instrumenten einer Digitalisierungsstrategie in Sachsen. Im Herbst vergangenen Jahres hatte der Deutsche-Startup-Monitor die Förderung des Gründungsstandortes Sachsen sehr positiv bewertet. Der Freistaat landete im Ranking der Bundesländer knapp hinter Thüringen auf Platz zwei. "Wir werden nicht lockerlassen, damit die Voraussetzungen für Gründungen gut bleiben und sogar noch besser werden", sagte der Minister damals.

Titus Lindl bleibt gegenüber zu viel staatlicher Förderung von Start-ups skeptisch. "Wir wollen hin zu einer privatwirtschaftlichen Finanzierung", gibt er als Ziel aus. Nach einer jetzt im Mai anstehenden genauen Analyse des Ökosystems für Gründer in Sachsen und dem Aufbau eines landesweiten Netzwerkes soll der US-Accelerator Techstars (Accelerator - zu deutsch: Beschleuniger) von einem Engagement in Sachsen überzeugt werden. Erste Gespräche wurden in den USA bereits mit Brad Feld und David Cohen von Techstars geführt. Hinter Techstars stehen mehr als 3000 internationale Investoren und Geldgeber. Zudem verfügt Techstars über ein Netzwerk von mehr als 10.000 unternehmerischen Mentoren. In Deutschland ist Techstars bisher nur in Berlin und München aktiv.

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