Wenn die Ampel das Auto anfunkt

Vier Jahre lang haben Firmen und Institute an Lösungen geforscht, die den Verkehr flüssiger machen. Nun gibt es Ergebnisse.

Dresden.

Noch 117 Meter bis zur Ampel, die gerade auf Grün steht. Ein grüner Kreis im Display signalisiert dem Fahrer, dass er die Ampelphase mit dem jetzigen Tempo schafft. Das ist kein Hexenwerk, es funktioniert derzeit jedoch nur auf drei Teststrecken in Dresden, und auch nur im Zusammenspiel mit den entsprechenden Fahrzeugen.

Ampel und Auto kommunizieren über Funk miteinander. Der Pkw bekommt mitgeteilt, wann die Ampel auf Gelb, Rot oder Grün umschaltet. Anhand von Entfernung und Geschwindigkeit kann die Technik im Pkw ermitteln, zu welcher Phase die Anlage erreicht wird - und so auch die optimale Anfahrtsgeschwindigkeit berechnen. "Das spart Energie", sagte Mirko Taubenreuther von der Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr (IAV) vor Journalisten in Dresden. Die IAV gehört zu den Partnern einer vom Freistaat 2015 gestarteten Initiative mit dem sperrigen Namen "Synchrone Mobilität 2023". Auf dem Flughafen in Dresden wurden am Mittwoch zum Abschluss der Projekte die Ergebnisse präsentiert.

"Nach intensiver Forschungs- und Entwicklungsarbeit wird automatisiertes und vernetztes Fahren in Sachsen auf der Straße sichtbar", resümierte die Sächsische Energieagentur, die bei der Initiative die Fäden in der Hand hielt. Es dauert jedoch noch, bis die Technik im Alltag Einzug hält. "Es ist ein Ausblick auf die Zukunft, wir werden aber in den nächsten Jahren einiges davon sehen", ist sich Taubenreuther sicher.

Für vier Projekte haben die Partner - neben der IAV waren etwa die Mugler AG, die Firma Noritel, Vodafone, aber auch die TU Chemnitz und Dresden sowie das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme (IVI) beteiligt - innerhalb von vier Jahren Lösungen entwickelt. Es ging zum einen darum, zu schauen, wie sich automatisierte und vernetzte Fahrzeuge in einen städtischen Mischverkehr integrieren lassen und sich das vorausschauende Fahren mit anderen Autos und Signalanlagen abstimmen lässt. Zum anderen beschäftigten sich die Experten mit der Infrastruktur. Zudem wurde eine Schnellladetechnologie entwickelt, mit der E-Autos ohne Zutun geladen werden können. In Dresden ist eines von bundesweit acht Testfeldern angesiedelt, um die Lösungen im Straßenverkehr zu überprüfen. Drei Korridore gibt es, einer davon befindet sich am Flughafen. Die Strecken wurden technisch so ausgestattet, dass Ampeln und Autos sowie die Fahrzeuge untereinander Daten austauschen können. Das bringt laut Taubenreuther erhebliche Vorteile. Rückstaus könnten vermieden werden, weil die Autos "wissen", welche Spuren oder Straßen frei sind. Die Technik könne eine Fahrspurempfehlung über Kreuzungen hinweg abgeben und auch das passende Tempo errechnen. So lasse sich nicht nur Energie sparen, sondern auch die Anzahl der Unfälle reduzieren. Wann die Lösungen serienreif sind, blieb offen. Das sei schwer abzuschätzen, sagte IVI-Experte Torsten Gründel. Laut "Fahrplan" der Initiative ist 2023 vorgesehen. In die Projekte sind knapp 14 Millionen Euro geflossen, 6,4 Millionen Euro hat das Land beigesteuert.

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