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Es ist ja nur eine Jahreszeit. Und doch: Der Herbst hat Verehrer und Feinde. Kaum jemandem ist er egal. Außer meinem sechsjährigen Sohn.
Viel ist über den Herbst geschrieben worden, manche hassen ihn und manche lieben ihn. Ich gehöre zu der letzteren Bevölkerungsgruppe. Rationale Gründe kann ich dafür nicht vorbringen. Zu zahlreich sind die Anklagepunkte gegen diese Jahreszeit, ist sie doch ein Synonym für Regen, Vergänglichkeit und nasse Socken. Aber wenn die Sonne dann doch mal scheint, liefert sie im Zusammenspiel mit den bunten Blättern eine Show ab, die jedes Jahr dazu führt, dass ich dem Herbst alles verzeihe. Und wer friert, kann sich ja an den guten Ratschlägen anderer Menschen wärmen, die da meinen, es gäbe kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung.
Allerdings muss ich zugeben, dass das Wetter ein Problem ist. Es zwingt ständig zu Entscheidungen, die man eine Minute später revidiert. Anders gesagt: Der Herbst ist eine nicht enden wollende Jacken- und Mützendiskussion.
Immerhin kann man den Kindern aus diesem Anlass beibringen, dass die Menschen nun einmal verschieden sind. Auch in unserer Familie: Der Mittlere (8) setzt beim ersten frischen Lüftchen seine Schalmütze auf - ein Kleidungsstück, das zwar überaus praktisch ist, aber immer auch ein bisschen nach Banküberfall aussieht. Vielleicht eine Option zur Aufbesserung unseres Haushaltseinkommens. Mal drüber nachdenken. Zeitgleich zur Schalmütze zieht der Kleine (6) jedenfalls sofort seine Jacke aus, sobald sich bei sieben Grad irgendwo hinter den Wolken die Sonne erahnen lässt. Eine Mütze wird meist gar nicht mitgeführt. Da der Junge wirklich nicht friert, lassen wir ihn meistens so herumlaufen, und wärmen uns an den glühenden, vorwurfsvollen Blicken entgegenkommender Passanten. Und freuen uns, dass das Kind wenigstens noch Schuhe anhat. Jaja, es sind die kleinen Dinge, die das Leben lebenswert machen.
Was fällt mir außer Postkartensprüchen noch ein zum Thema Herbst? Klar: Die Kastanien. Liegen herum und haben absolut keinen Sinn, außer schön auszusehen. So eine Art Kollektivdeko, die die Natur einfach so mal hingestreut hat. Oder, wie eine Nutzerin namens „Hoodiemutti“ auf dem Portal „X“ schreibt: „Eine Kastanie in der Jackentasche ist Herbstdeko genug.“ Warum ich die Dinger immer aufheben und in die Tasche stecken muss, um sie dann später doch nicht an die Hirsche zu verfüttern, weiß ich auch nicht. Aber ich weiß, dass ich nicht die Einzige bin, die diese Kastanienmacke hat.
Was mir sonst noch einfällt: Kürbis. Das Gemüse ist ja in den letzten Jahren schwer in Mode gekommen. Sieht schön aus. Lässt sich auch leichter beschnitzen als ein Stück Holz. Aber was macht man aus den Innereien? Kürbistorte, Kürbisbratwurst, Kürbisgulasch? Ich bin da eher traditionell unterwegs. Bei mir gibt es Hokkaido-Kürbissuppe mit ganzen Früchten. Und auch deshalb liebe ich den Herbst. (eva)
Eva-Maria Hommel, Jahrgang 1984, ist Redakteurin bei der „Freien Presse“. Sie wollte schon immer drei Kinder, und so ist es auch gekommen. Das (Familien)Leben hält viele Überraschungen bereit - einige davon sind Thema dieser Kolumne.






