"Es ist wichtig, dass wir Kleinen gehört werden"

Zum Jahrestreffen der CDU-Mittelstandsvereinigung Sachsen am Freitag in Treuen haben Unternehmer mehr Entgegenkommen von der "großen Politik" gefordert.

Treuen.

Laut Statistik floriert Deutschlands Wirtschaft. Gilt das auch für den ländlichen Raum und speziell fürs Vogtland? Darüber hat sich die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU Sachsen (MIT) bei ihrer 15. Jahrestagung mit über 300 Gästen am Freitag in Treuen Gedanken gemacht und Schwachstellen aufgezeigt.

Frieder Seidel, MIT-Kreisvorsitzender und Mitglied im Landesvorstand, übte Kritik an bürokratischen Hürden. Die würden insbesondere Unternehmen mit wenigen Beschäftigten neben der eigentlichen Arbeit zusätzlichen Aufwand bescheren. Als Beispiel nannte er vorgezogene Sozialausgaben. "Früher haben wir immer nachträglich abgerechnet. Seit ungefähr zehn Jahren müssen wir statt zwölf Mal im Jahr 24 Mal Lohn verrechnen. Wegen der Knappheit in den Sozialkassen ist das beschlossen worden", sagte er. Das wolle und könne man so nicht hinnehmen, erklärte Seidel nachdrücklich und hofft weiter, mit vereinter MIT-Gegenwehr doch etwas bewirken zu können. "Es ist wichtig, dass wir Kleinen gehört werden", betonte der Unternehmer aus Muldenhammer. "Im Vogtland sind wir kleinteilig unterwegs." Auch die Anbindung von Produktionsstätten an Schienen und andere Verkehrswege schätzte er als verbesserungswürdig ein.

In der MIT sind nicht nur Vertreter kleinerer Firmen organisiert. Dem größten ostdeutschen Landesverband gehören Politik-Funktionsträger bis hinauf zum sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer an, außerdem wirtschaftspolitisch Interessierte und weltweit aktive Mittelständler wie die gastgebende Goldbeck GmbH in Treuener direkt an der A 72. Dort wird auf Digitalisierung als Gegenwarts- und Zukunftsmotor gebaut und darin eine Vorreiterrolle eingenommen. Der digitalen Entwicklung könne sich auch kein anderes Unternehmen verschließen, so Geschäftsführer Lars Luderer. Am 1992 gegründeten Standort stehen mehr als 600 Frauen und Männer in Lohn.

Michael Kretschmer stimmte Luderer zu und bezeichnete den derzeitigen Breitbandausbau-Stand als "unbefriedigend", forderte aber auch ein Mitziehen der Gemeinden. "Ein Drittel macht sich keine Gedanken, wie wir das hinkriegen." Den Fokus richtete Kretschmer auch auf andere Baustellen. Etwa die Bildung. Und speziell den Lehrermangel im Vogtland. Wegzügen müsse mit Verbeamtung gegengesteuert werden, sagte er. CDU-Ziel beim neuen Schulgesetz für Sachsen sei es obendrein, den Schulsozialdienst zu stärken und Berufsschulen mit Berufsberatern auszustatten.

Weil sich die MIT nicht aufs Reden und Fordern beschränken will, hat sie im Mai zehn Thesen für einen erfolgreichen Mittelstand erarbeitet. Zwei sind bereits umgesetzt: In der Sächsischen Staatsregierung gibt es seit Kurzem einen Digital-Minister für die Koordinierung des Breitbandausbaus und ein "Starfög" als Anreiz für sächsische Firmengründer.

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