Mylauer Pflegedienst rüstet Flotte auf Elektro-Autos um

Mit dem ersten E-Up ist am Freitag der Startschuss gefallen. Nächstes Jahr sollen weitere Autos und eine Solaranlage für die Ladeboxen folgen.

Mylau.

Mit Sekt ist am Freitagvormittag beim 2012 gegründeten Pflegedienst Hartwig Müller in Mylau angestoßen worden. Anlass dazu gab eine Premiere. In Dienst gestellt wurde das erste Elektro-Auto. Ein nagelneuer E-Up von Volkswagen, bereitgestellt vom benachbarten Autohaus Thomas Schneider. Die Stadtwerke Reichenbach sorgten für die Wallbox zum Laden.

"Wir wollen unsere komplette Flotte auf Elektro-Autos umstellen", erklärte Geschäftsführer Hartwig Müller. "Aktuell haben wir 21 Autos, die alle zwischen 20.000 und 25.000 Kilometer pro Jahr fahren. Der Umstieg auf Elektrofahrzeuge ist eine interessante Variante." Wenn die Verträge für die geleasten Autos auslaufen, sollen sie durch Elektro-Autos ersetzt werden.


Vorausgegangen war, wie Müller erzählt, eine Befragung unter den insgesamt 55 Mitarbeitern. "Die einen wollten E-Autos, die anderen nicht. Die Automatik und 80 PS unter der Haube wollen ja auch erst einmal beherrscht sein", sagt er. Die Testphase mit dem ersten E-Up soll nun bis Jahresende gehen. Das Auto soll 6 bis 21 Uhr rollen. Wer damit fährt, wolle man auslosen.

Wenn der Test erfolgreich verläuft, soll im kommenden Frühjahr die halbe Flotte umgestellt werden. Später der Rest. Pläne gibt es auch, eine eigene Solaranlage auf dem Dach zu installieren, um mittels Pufferspeicher oder Batterien die E-Ladeboxen mit Strom zu versorgen. Überschüsse könne man ins Stromnetz einspeisen. Diese Lösung sei extra für den Pflegedienst konzipiert worden, heißt es.

Dass Elektro-Autos noch deutlich teuer als Benziner oder Diesel sind, ist für Hartwig Müller logisch. "Etwas Neues war noch nie ökonomisch. Als die Navigationsgeräte fürs Auto aufkamen, haben sie um die 4000 Euro gekostet. Heute sind sie Standard und kosten nur noch einen Bruchteil davon."

"Alle warten auf das Signal der Politik, dass der Strompreis für E-Autos subventioniert wird", erklärte Mario Karsch, Betriebsleiter des Autohaus Thomas Schneider in Reichenbach und Mylau. Zudem müssten noch viel mehr Ladesäulen gebaut werden. Immerhin gebe es bereits Schnell-Ladesäulen, an denen man nur 20 Minuten warten muss. Bis März, so Karsch, sollen auch alle Servicebetriebe Ladesäulen haben.

"Ich erwarte, dass in Zukunft etwa 30 Prozent aller Fahrzeuge elektrisch fahren werden. Dazu kommen andere Systeme wie Brennstoffzellen oder Wasserstoff", meinte Hartwig Müller. Mario Karsch gab ihm recht. Bis 2040 hält er rund 30 Prozent Elektromobilität für machbar.

Im Zuge der VW-Strategie 2025 wollen die Wolfsburger ihre Modellpalette reduzieren und ab 2026 keine reinen Verbrenner mehr bauen. Allein die Marke Volkswagen investiert nach eigenen Angaben neun Milliarden Euro in die Elektromobilität. Bis 2028 will VW konzernweit fast 70 reine E-Modelle auf den Markt bringen.

Auch das Autohaus Schneider verzeichnet ein steigendes Interesse an E-Mobilität. "Zehn E-Autos haben wir in diesem Jahr schon an Kunden vermittelt. Wenn nächstes Jahr die neu entwickelte, rein elektrische ID-Modellfamilie startet, werden es gewiss noch mehr", ist Mario Karsch zuversichtlich. Und er fügt hinzu, dass das Autohaus Schneider mit Blick auf die neuen Stromer im September extra zwei Lehrlinge einstellen werde. Die Kfz-Mechatroniker sollen durch eine Vielzahl externer Weiterbildungen speziell in Richtung E-Mobilität ausgebildet werden. Die ganze Automobilbranche ist im Umbruch. Von den Zulieferern bis zu den Servicepartnern.

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