Theater mit Corona-Schutz: Was erlaubt ist und was nicht

Der Saal halb leer, keine Gastronomie kein Garderobendienst. Wie die neue Spielzeit unter Corona-Bedingungen beginnt. Und warum die Ballettdirektorin barfuß kommt.

Plauen.

Generalmusikdirektor Leo Siberski hat es am Samstag bei der Gala "Vorhang auf - Wir stellen die Spielzeit vor" auf den Punkt gebracht: "Wir sind Kreative und wir müssen auch in der Krise kreativ sein." Das für 20. September im Stadtpark geplante Familienkonzert für bis zu 2000 Menschen gehört zu den Ideen, die von den Theatermachern umgesetzt werden, um den Leuten endlich wieder Bühnenkunst anzubieten. Wie sehr sich die Beschäftigten des Hauses danach sehnen, konnte man beim Auftritt von Ballettdirektorin Annett Göhre sehen. Die Chefchoreografin hob ihr langes Kleid etwas an, zeigte ihre Füße und sagte, dass sie extra barfuß gekommen sei. "Ich wollte die Bretter, die die Welt bedeuten, hautnah unter meinen Füßen spüren!"

Der Titel der ersten Premiere ihrer Sparte passt zur Pandemie: "Auf Abstand". Zum ersten Mal soll das Stück am 3. Oktober um 19.30 Uhr aufgeführt werden. Mit ihrem internationalen Tanzensemble und den Gast-Choreografen Guillaume Hulot und Ihsan Rustem bestreitet sie den moderierten Tanzabend "Auf Abstand". Dass diese beiden Kollegen für die Aufführungen gewonnen werden konnten, das liege wohl auch an Corona.

Für Konzertliebhaber kündigte Leo Siberski für die Beethoven-Konzerte eine neue Spielstätte an, ohne diese in der Vorstellung nennen zu wollen. Beim Blick auf die Internetseite des Theaters entdeckt man für die Aufführungen am 25. Oktober, 22. November und 6. Dezember jeweils um 11 Uhr allerdings den neuen Pavillon in der Elsteraue. Wegen der Beschränkungen des öffentlichen Lebens habe im Beethoven-Jahr von Beethoven kaum etwas stattgefunden, erinnerte Siberski. Das werde man nachholen.

Auch die Schauspieler verlassen das Haus zum Arbeiten. "Das Schauspiel probt in den Kolonnaden", so Generalintendant Roland May. Von der oberen leerstehenden Etage aus habe man einen wunderbaren Ausblick, schwärmte er. Chefdramaturgin Maxi Ratzkowski legte den zirka 100 Besuchern im Vogtlandtheater die Premieren "Woyzeck" am 9. Oktober und "Der Gott des Gemetzels" am 31. Januar ans Herz. "Woyzeck" ist auf der Kleinen Bühne zu erleben. Dort dürfen nur 30 der 98 Zuschauerplätze besetzt werden. Im Saal des Vogtland-Theaters, vor der großen Bühne, dürfen 150 von 436 Plätzen besetzt werden.

Die größten Einschränkungen erlebt das Musiktheater. "Der Chor ist der große Leidtragende", erklärte der Chef des Musiktheaters, der stellvertretende Generalintendant Jürgen Pöckel. "Wir können ihn nicht auf die Bühne stellen." Die Türen im zweiten Rang gingen auf, und von dort aus sangen die 21 Damen und Herren daher in den Saal hinein.

Jürgen Pöckel stellte Malgorzata Pawlowska aus Polen als neue Sängerin am Theater vor, die eine Arie aus der Oper "Manon Lescaut" von Giacomo Puccini gesungen hat und dafür viel Applaus erhielt. Die Oper soll am 22. Mai Premiere haben.

Dem Theater merkt man Corona überall an. Im Parkett wurde jede zweite Sitzreihe entfernt. Die Garderobe wurde nicht angenommen. "Wir kämpfen darum, dass wir Erleichterungen haben", so May. Man sei auch im Gespräch, wieder Catering anbieten zu dürfen. Die Oper "Tamerlano" von Friedrich Händel ist zweigeteilt. Der erste Teil feiert am 31. Oktober Premiere, der zweite am 7. November. Man dürfe nur 90 Minuten am Stück spielen. Das Ensemble hofft, dass sich die Lage im nächsten Jahr normalisiert.

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