Geheimnisvolle Freimaurer?

Ein Mitglied der Erfurter Freimaurerloge möchte mit Vorbehalten gegenüber der Vereinigung aufräumen. Der hiesige Geschichtsverein hatte ihn zu einem Vortrag eingeladen.

Hohenstein-Ernstthal.

Das Wort Freimaurer dürfte bei nicht wenigen Menschen Assoziationen wie "geheimnisvoll", "mysteriös" oder gar "verschwörerisch" hervorrufen. Berndt Thomas Möckel ist einer, der es besser weiß. An seinem schwarzen Sakko prangt klein, wenn auch nicht gänzlich unauffällig ein silberner Anstecker. Es ist das Symbol der Freimaurerei, ein Zirkel verschränkt mit einem rechten Winkel. Der Geschichtsverein Hohenstein-Ernstthal hatte den gebürtigen Buchholzer eingeladen, um ein Referat über die Geschichte der Freimaurer im Erzgebirge zu halten.

"Freimaurer, das sind Leute, die der Allgemeinheit etwas Gutes tun wollen, ohne groß darüber zu reden", erklärt Möckel in einem Vorabgespräch. So habe etwa auch die Loge "Zur Harmonie", die von 1806 bis 1829 in Hohenstein-Ernstthal residierte, dem Ort ihren Stempel aufgedrückt - und zwar im positiven Sinne. Armenhilfe, Armenspeisung und insbesondere die Einkleidung von Konfirmanden beider christlicher Ausrichtungen standen auf dem Programm der Brüder.

Offenbar genossen die Logenmitglieder einen starken Rückhalt im Ort. Als ein gewisser Pfarrer Wagner im Jahr 1817 gegen die Hohensteiner Loge verbal ausfällig wurde, biss er auf Granit. "Er musste sich bei allen beleidigten Mitgliedern persönlich und in aller Öffentlichkeit entschuldigen", erklärt Enrico Stüppel vom Geschichtsverein Hohenstein-Ernstthal.

Sein geladener Gast, Berndt Thomas Möckel, ist seit 2017 Mitglied der Erfurter Loge. Bei den Freimaurern gehe es nicht darum, hinter verschlossenen Türen die Geschicke der Welt zu lenken. "Gute Menschen sollen sich dort zu noch besseren Menschen entwickeln", sagt der gelernte Archivar. Bei den Treffen könnten die Mitglieder gerade heraus sagen, was auch immer sie bewegt -ohne Rücksicht auf soziale Position, Bekanntheit, Religion oder politische Zugehörigkeit. Das sei nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit möglich, glaubt Möckel. "Diese ganz spezielle Erfahrung soll den Mitgliedern vorbehalten werden." Wer sich wirtschaftliche Vorteile von der Mitgliedschaft in dem Bund verspricht, der nach wie vor nur Männern offen steht, sei dort ebenfalls falsch. "Der Mensch soll hier geistig wachsen, und Mitglied kann ein jeder werden."

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