Mitwisser lebte in Hohenstein-Ernstthal

Forschungen haben ergeben, dass ein Mann aus Hohenstein-Ernstthal in die Pläne zur Ermordung Hitlers eingeweiht war. Die Erkenntnis war ein Zufallsfund.

Hohenstein-Ernstthal.

Der Name Claus Schenk Graf von Stauffenberg ist im Zusammenhang mit dem Hitlerattentat vom 20. Juli 1944 ein Begriff. Dieses Ereignis jährt sich in wenigen Tagen zum 75. Mal. Natürlich stand Stauffenberg nicht allein in Sachen Widerstand gegen Hitler, seine Unterstützer gingen in die Hunderte.

Manchem gelang es, sich zu tarnen und lange darüber zu schweigen, einige offensichtlich lebenslang. Einer von ihnen war der Feldwebel Herbert Herold aus Hohenstein-Ernstthal, im zivilen Leben Kaufmann. Als Fahrer chauffierte er NS-Widerstandskämpfer Oberstleutnant Rudolf Hartmann, ein doppelt lebensgefährlicher Job in turbulenten Kriegszeiten. Hartmann war in die Aktivitäten um den 20. Juli 1944 eingebunden. Herold wusste durch die unmittelbare Nähe und geheime Kurierfahrten von den Planungen um das Attentat und die potenzielle Zeit danach. All das Wenige um den Fall Herold war unter anderem 2015 durch einen mehr zufälligen Fund im Archiv des Landes Baden-Württemberg ans Tageslicht gekommen. Der Museumsleiter und Heimatforscher Christian Schweizer aus Murrhardt in Schwaben recherchierte zum Widerstandskämpfer Rudolf Hartmann (1893-1972), eigentlich ein Bankier, der als Offizier der Reserve im Rang eines Oberstleutnants im Stab des Generals Carl-Heinrich Stülpnagel, dem Militärbefehlshaber in Frankreich, tätig war, aber gleichzeitig noch Pflichten als Bankier in seiner Heimat wahrnahm. Schweizer fand im Archiv bisher unbekannte Unterlagen, so einen Bericht Hartmanns über seine Tätigkeit im Widerstand. Dabei stieß er auf den Hohenstein-Ernstthaler Herbert Herold als Mitwisser der Vorbereitung des Hitlerattentats, der in organisatorische Aufgaben für die Zeit nach dem Attentat eingebunden war. So "fuhr Herold Oberstleutnant Hartmann am 19. Juli 1944 von Paris nach Stuttgart und Maurrhardt und wieder zurück nach Paris. Es war eine verdeckte Kurierfahrt, für den Fall des Gelingens des Attentats auf Hitler wäre die Wehrmacht natürlich von Frankreich aus zurück nach Süddeutschland, und das musste vorbereitet werden. Die ganze Sache stand in Verbindung mit Goerdeler und Robert Bosch", so der Forscher Schweizer. Hartmann und sein Fahrer waren eng in die Organisation des Widerstands von Paris aus eingebunden. Ein Foto vom Treffen der hochrangigen Gruppe militärischer Widerstandskämpfer am 15. Mai 1944 in Marail-Marly in Frankreich anlässlich einer Kindtaufe zeigt die Offiziere Hans Speidel, Erwin Rommel, Rudolf Hartmann sowie Carl-Heinrich von Stülpnagel und weißt auf die komplexe Vorbereitung der geplanten Aktion hin. Auf umfangreiche Einzelheiten, die zum Beispiel ein ganz anderes Licht auf Rommel werfen, kann hier nicht eingegangen werden.


Das Attentat ging schief. C. H. Stülpnagel wurde seines Postens enthoben und per Befehl zum Oberkommando nach Berlin beordert. Er versuchte sich zu erschießen, erblindete aber nur dabei. Im Lazarett wurde er verhaftet und nach Berlin gebracht, am 30. August 1944 durch den Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am gleichen Tag hingerichtet. Generalfeldmarschall Erwin Rommel wurde am 14. Oktober 1944 zum Selbstmord gezwungen. 1200 Angehörige des NS-Regimes waren nach dem Attentat verhaftet worden, die meisten Überführten oder Verdächtigen bezahlten das mit dem Leben. Hartmann kam offensichtlich, durch seine parallele Tätigkeit als Bankier getarnt, ungeschoren davon, so auch Herold.

Da dem Forscher Christian Schweizer über Herold nichts weiter bekannt war, wandte er sich an das Einwohnermeldeamt der Stadtverwaltung Hohenstein-Ernstthal. Das Stadtarchiv, die Kanzlei von St. Trinitatis und der Stadtchronist wurden eingebunden. Das ergab: Herold wurde am 21. März 1903 in Oberfrohna geboren und verstarb am 7. August 1967. Beigesetzt wurde er in einem Reihengrab auf dem Friedhof St. Christophori in Hohenstein-Ernstthal. Nach dem Krieg ist Herbert Herold nach Hohenstein-Ernstthal zurückgekehrt, wohnte 1945 bis 1950 in der Karl-May-Straße 6. Später betrieb er ein Textilgeschäft im Haus Dresdner Straße 10, das er 1951 kaufte. Er hinterließ einen Sohn, der in Oberlungwitz als Schneider gearbeitet hat und später nach dem Westen ging.

Für die Forschungen zum Widerstand im nationalsozialistischen Deutschland und besonders in dem hochkarätigen Aktionsrahmen sind sowohl in Murrhardt als auch in Hohenstein-Ernstthal weitere Angaben zur Person von Herbert Herold, Unterlagen zu seiner Tätigkeit auch in der Wehrmacht, Fotos und andere Dokumente von größtem Interesse.

Hinweise zum Thema nimmt der Stadtchronist unter wolfganghallmann@gmx.de an.

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