Therapeutin macht Hundehalter per Seminar zu Hundeverstehern

Sie behandelt Tiere wie der große Tamme Hanken. Leider ist Tiertherapeutin Silvia Günther dem verstorbenen Ostfriesen nie begegnet. Seine Methoden hat sie jetzt Hundehaltern bei einem Seminar in Gersdorf nähergebracht.

Gersdorf.

Manchmal humpelt Boston-Terrier Kaisa von Thüringen ein wenig. Tierphysiotherapeutin Silvia Günther aus Affalter weiß, woran das liegt. "Sie hatte mal hinten links große Schmerzen und traut sich noch nicht, mit dem Bein richtig aufzutreten", erklärt sie Kaisas Frauchen, Hundehalterin Dr. Regine Guhl. Die Gersdorferin hatte die Gelegenheit beim Schopf gepackt und das Seminar der Tiertherapeutin beim Hundesportverein Gersdorf "Am Sachsenring" besucht.

Mehr als 30 Hundehalter sorgten dafür, dass kein Platz mehr frei blieb. Seit Tamme Hanken, der kürzlich verstorbene "Knochenbrecher" aus Ostfriesland, Millionen Fernsehzuschauer mit seinen chiropraktischen Notfalleinzätzen in aller Welt begeistert hat, suchen immer mehr Tierhalter bei Therapeuten Hilfe für ihre Vierbeiner. "Ich habe eine Menge von ihm gelernt, regelmäßig seine Sendungen gesehen. Ich hatte mir vorgenommen, ihn mal auf seinem Hof zu besuchen, aber das ist ja nun leider nicht mehr möglich", bedauert Silvia Günther.

Ein zweijähriges Studium hat die 44-Jährige für den Job absolviert. Heute behandelt sie verschobene Hüftgelenke, Verrenkungen, Blockaden, Fehlstellungen und andere Probleme bei Tieren.

Bei Boston-Terrier Kaisa von Thüringen liegt das eigentliche Problem im Kopf. Zwei Operationen nach Patella-Luxationen in den Hinterbeinen brachte die Hündin hinter sich, da war sie noch nicht einmal ein Jahr alt. Die verrenkten Kniescheiben sind nun wieder da, wo sie hingehören. "Trotzdem lahmt das Tier hinten manchmal noch", sagt die Halterin. "Sie hat immer noch den extremen Schmerz im Gedächtnis und traut sich deshalb nicht, das Bein zu belasten", sagt Silvia Günther und weiß Abhilfe. "Wir müssen sie im Kopf umprogrammieren." Patentrezept: Einen simplen Haargummi, wie ihn junge Mädchen benutzen, für ein oder zwei Stunden an das andere Bein anbringen. Das ungewohnte Gefühl bringt den Hund dazu, nun das andere Bein mehr zu belasten. "Er spürt, dass kein Schmerz da ist und tritt wieder richtig auf", versichert die Therapeutin. Damit würde sich auch die leichte Fehlstellung der Wirbelsäule wieder normalisieren.

Anhand ihres eigenen Hundes, ein sechsjähriger Mischling aus dem Tierheim, der alles brav über sich ergehen lässt, gibt Silvia Günther beim Seminar den Hundehaltern Tipps, verrät kleine Tricks und zeigt den Hundehaltern, woran sie erkennen, wenn ihre Tiere Schmerzen haben und wie sie ihre Vierbeiner auch vorbeugend trainieren können. "Ich empfehle immer, Hunde im Alter von einem Jahr mal prophylaktisch röntgen zu lassen. Da kann man bei vielen Dingen, beispielsweise verschobenen Hüftgelenken, im Alltag mit speziellem Training gezielt gegensteuern."

Andrea Gehre vom Vorstand des Hundesportvereins ist von der Resonanz auf den Vortrag begeistert. "Wir hatten ein volles Haus. Wir werden so etwas auf jeden Fall mal wiederholen. Bei solchen Vorträgen kann man viel lernen."

Genau das ist auch das Anliegen der Therapeutin. "Das eigentliche Problem hängt ja am anderen Ende der Leine. Bei den Hundehaltern besteht mitunter ein großes Wissensdefizit. Sie erkennen oft gar nicht oder viel zu spät, dass ihre Tiere Probleme haben." Einige Seminarteilnehmer nutzten die Chance, ihren Hund gleich mal vor Ort checken zu lassen.

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