Coronakrise: Schulen und Kitas werden geschlossen

Ab Montag ist Sachsen für die nächsten fünf Wochen unterrichtsfrei. Bis zur landesweiten Schließung von Schulen und Kitas ist die Betreuung gesichert.

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, hat Sachsen vorübergehend die Schulpflicht ausgesetzt. Das Kultusministerium ordnete dazu eine "unterrichtsfreie Zeit" ab Montag an, während der die Schulen zunächst noch geöffnet bleiben. Fest steht aber schon jetzt, dass sie genauso wie die Kindertageseinrichtungen in Kürze landesweit geschlossen werden - wann genau, soll in der nächsten Woche entschieden werden.

Diese Schließung soll dann bis zum 17. April - und damit bis zum Ende der regulär einwöchigen Osterferien - andauern. Mit diesem zweistufigen Verfahren sollen Eltern die Möglichkeit erhalten, bis zur landesweiten Schließung eine Betreuung im häuslichen Umfeld sicherzustellen.

Bis dahin stehen die Lehrer in den Schulen in öffentlicher Trägerschaft - die freien Träger müssen selbst entscheiden - zur Betreuung bereit. Für eine Notversorgung in den Kitas wollte sich Sachsen mit den Kommunen abstimmen. Voraussichtlich am Montag sollen die Kriterien vorliegen, wie Gemeindetagspräsident Bert Wendsche (parteilos) ankündigte. Er lobte die geplanten Zwischenschritte zur Absicherung der Kinderbetreuung, damit sich "diejenigen, die in diesen Tagen in ihren Berufen unabkömmlich sind, zu 100 Prozent auf ihre Arbeit konzentrieren können".

Das Kultusministerium versicherte: "Um die Versorgung der Bevölkerung, den öffentlichen Personennahverkehr oder die medizinische Versorgung zu garantieren, wird die Betreuung für alle Kinder abgesichert, deren Eltern kein alternatives Betreuungsangebot haben."

Damit winken Sachsens Schülern nun insgesamt bis zu fünf Wochen schulfrei. Dabei waren von der Regierung bereits zweiwöchige "Coronaferien" noch in der vergangenen Woche als unverhältnismäßig erklärt worden. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) stand wie viele andere Politiker auch im Bund einer flächendeckenden Schulschließung lange skeptisch gegenüber. Zu ihren Argumenten gehörte vor allem, dass damit etwa auch Ärzte und Krankenschwestern zur Kinderbetreuung zu Hause bleiben müssten und damit bei der Bewältigung der Corona-Krise fehlten.

Sachsen ist eines von nur zwei Bundesländern, die von einer kompletten Schulschließung ab Montag abgesehen haben. Brandenburg setzt den regulären Schulunterricht erst ab Mittwoch aus. Mecklenburg-Vorpommern will am Samstag entscheiden. In allen anderen 13 Ländern sind ab Montag die Schulen zu.

Der Bundeselternrat forderte eine "Prioritätenliste", welche Berufsgruppen einen Betreuungsanspruch anmelden können, weil sie das öffentliche Leben und die Versorgung aufrecht hielten. Für die häusliche Betreuung der anderen Kinder warnte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vor einem Einsatz der Großeltern: Alte Menschen zählten zur Hauptrisikogruppe.

Die Prüfungen in Sachsen sollen nach derzeitigem Stand nicht in Gefahr sein. Für das Abitur ist der Start bisher für den 22. April vorgesehen. Zugleich ordnete das Kultusministerium die Absagen aller Klassenfahrten ins In- und Ausland bis zum Schuljahresende an. Klassenfahrten innerhalb Sachsens seien bis zu den Osterferien abzusagen, danach werde die Lage neu bewertet. Auch außerschulische Veranstaltungen - wie Olympiaden, Betriebspraktika, Schüler- und Lehreraustausche - dürfen bis zum Schuljahresende nicht stattfinden. (mit dpa)

 

 

 

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13Kommentare
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  • 3
    2
    sachsenjunge
    14.03.2020

    @tbaukhage: Es ist nachvollziehbar, was Sie im letzten Kommentar schreiben, aber Sie und AliceAndreas reden trotzdem völlig aneinander vorbei.

    Es wäre ja auch beides möglich gewesen. Entscheidung am Freitagvormittag und trotzdem noch eine kleine Übergangszeit zum Anfang der Woche.

  • 5
    3
    tbaukhage
    14.03.2020

    @Alice: Tja, so unterschiedlich sind die Geschmäcker: Mir war es jedenfalls hundert mal lieber, am zeitigen Nachmittag zu erfahren, dass die Kinder notfalls auch betreut werden am Montag, statt das, wie in Bayern, am Montag garnichts mehr geht in den Schulen/Kitas.

  • 8
    6
    AliceAndreas
    14.03.2020

    @tbaukhage

    ... auch wenn mir bewusst ist das es sinnlos ist Ihnen zu schreiben - wenn, wie in Bayern die Bekanntmachung am frühen Vormittag erscheint, haben alle Beteiligten die Möglichkeit sich darauf vorzubereiten, miteinander zu REDEN, sich auszumachen wie der Ablauf ab Montag vonstatten geht.

    Bei einer Bekanntmachung nach 15 Uhr waren einfach viele Arbeitnehmer und deren Chefs bereits im We, Schulen und Kitas ebenso.

    UND ... das es im Laufe des Nachmittags dann doch zu einer Entscheidung kommt wusste ja niemand !!

    Schönes Wochenende

  • 6
    7
    tbaukhage
    14.03.2020

    @Akice: Was ist an dem Wort "mental" so unverständlich???
    Die Nachricht über die Aussetzung des Unterrichts erschient am Freitag 15:00Uhr. War es zu viel verlangt, diese abzuwarten, bevor man "ins Wochenende startet"?

  • 7
    7
    AliceAndreas
    13.03.2020

    @ tbaukhage

    Was ein Schwachsinn !! Ihrer Meinung nach hätten alle Arbeiter und deren Chefs so lange arbeiten sollen bis es der Regierung genem ist zu einer Entscheidung zu kommen?
    Obwohl niemand wusste ob und wann dies geschieht?

    Wenig realistisch, oder?

  • 12
    13
    tbaukhage
    13.03.2020

    @AliceAndeas: Als Arbeitnehmer, der auf eine Entscheidung der Landesregierung wartet, hätte man mental auch mal etwas später ins Wochenende starten können...

  • 15
    2
    Pixelghost
    13.03.2020

    @ quatschkopf, perfekt dargestellt.

  • 22
    24
    AliceAndreas
    13.03.2020

    Glückwunsch an die sächsische Landesregierung, die mit ihrem Beschluss so lange gewartet hat bis alle Schulen und Kitas bereits geschlossen waren und die meisten Arbeitnehmer ins Wochenende gestartet waren.

    Völlig unfähig!!!

  • 19
    1
    Pixelghost
    13.03.2020

    @ iprivat, „Eine Entscheidung, ab wann Schulen und auch Kindertageseinrichtungen bis zum 17. April - dem Ende der regulär einwöchigen Osterferien - dann komplett geschlossen werden, werde im Laufe der kommenden Woche getroffen...“

    Die Eltern sollen Zeit bekommen, die Betreuung ihrer Kinder in den Griff zu kriegen.

  • 32
    1
    quatschkopf
    13.03.2020

    Die Verbreitung wird nicht aufgehalten. Das ist nicht das Ziel da das auch kaum möglich ist. Es geht um eine Verlangsamung der Ausbreitung. Wenn zu viele in zu kurzer Zeit krank werden schafft es das Gesundheitssystem nicht. Dann gibt es nicht genug Intensivbetten und Beatmungsgeräte für die schwer erkrankten. Wenn es länger dauert kann das System einfach besser damit umgehen und bricht nicht zusammen.
    Übertrieben, untertrieben? Es ist dynamisch. Es muss täglich neu entschieden werden was zu tun ist. Da kann keiner im Januar schon wissen was im März ist. Genauso kann jetzt keiner wissen wie die Lage in 2 Wochen ist. Es gibt Modelle die grob eine Einschätzung zulassen aber keine magische Voraussage ala Glaskugel.
    Hoffen wir dass die Maßnahmen helfen denn ein überlastetes Gesundheitssystem ist schlecht für alle, nicht nur für covid 19 erkrankte.

  • 14
    1
    KTreppil
    13.03.2020

    "...zur Sicherstellung der Betreuung- also offenkundig nicht zum Unterricht- seien die Lehrer anwesend " Also für alle ab 6. oder 7. Klasse ist es wohl klar, welche Eltern wollen da schon mit dem Nachwuchs noch diskutieren. Das Risiko will ja auch keiner, dass es doch zu einer Ansteckung kommt. Für die jüngeren Schüler hilft es den Eltern vielleicht als Übergangslösung. Alles andere wäre eigentlich auch nicht haltbar gewesen, so wie sich die Meldungen überschlagen.
    Meine Frage bleibt, wurde im Januar untertrieben, wird nun übertrieben oder beides? Hoffen wir das die Verbreitung so wirklich aufgehalten werden kann.

  • 22
    19
    iprivat
    13.03.2020

    Was ist daran gut? Notlösung ja! Auf jedenfall ABER dann auch nur für die, welche es wirklich benötigen... Wenn jetzt alle ihre Kinder einfach freiwillig weiter zur Schule schicken kann man das ganze dann auch lassen.

  • 37
    10
    quatschkopf
    13.03.2020

    Das finde ich eine gute Lösung.