Auch am Hotel Bretterbude in Heiligenhafen an der Ostsee hat der Holzbauspezialist Mocopinus mitgearbeitet.
Auch am Hotel Bretterbude in Heiligenhafen an der Ostsee hat der Holzbauspezialist Mocopinus mitgearbeitet. Bild: imago/teutopress
Wirtschaft regional
Nächstes Traditionsunternehmen pleite: Mitarbeiter in Sachsen bangen um ihre Jobs

Das nächste deutsche Traditionsunternehmen ist in Schwierigkeiten: Der Holzspezialist Mocopinus hat nach 160 Jahren Insolvenz angemeldet. 270 Mitarbeiter in Sachsen und Baden-Württemberg müssen um ihre Jobs fürchten.

Leipzig.

Holz gilt als Baustoff der Zukunft, ist klimafreundlich und aktuell sehr beliebt. Trotzdem ist die Mocopinus GmbH & Co. KG pleite. Das Holzbau-Unternehmen musste Insolvenz in Eigenverantwortung beantragen - nach einer 160-jährigen Firmengeschichte. Das Amtsgericht Ulm hat dem Antrag stattgegeben. Als Sachwalter wurde Georg Jakob Stemshorn von der Kanzlei Pluta bestellt.

So geht es für die Mitarbeiter weiter

Die Spezialfirma für Holzfassaden, Terrassen und Innenausbau beschäftigt aktuell rund 270 Mitarbeiter an drei Standorten. Die Verwaltung sitzt mit 30 Mitarbeitern in Ulm. Produziert wird mit 180 Mitarbeitern in Karlsruhe und mit 60 Mitarbeitern in Ammelshain bei Leipzig. Um die Löhne und Gehälter kurzfristig zu sichern, sei eine Insolvenzgeldvorfinanzierung eingeleitet worden, teilt Sachverwalter Georg Jakob Stemshorn mit. Dadurch seien die Lohn- und Gehaltszahlungen für die kommenden Monate gesichert.

Firma soll gerettet werden

Bei der Insolvenz in Eigenverantwortung agiert die Geschäftsführung selbst und saniert das Unternehmen. Der Geschäftsbetrieb läuft dabei an allen Standorten weiter. „Kundenaufträge, Lieferbeziehungen und Serviceleistungen werden im Rahmen des Verfahrens fortgeführt“, so Sachverwalter Stemshorn. „Unser Ziel ist es, Mocopinus in diesem gerichtlichen Sanierungsrahmen wirtschaftlich zu stabilisieren und für die Zukunft stark aufzustellen“, so CEO Ulrich Braig in einer Pressemitteilung. „Die Eigenverwaltung gibt uns die Möglichkeit, den eingeschlagenen Weg aktiv zu gestalten – im Interesse unserer Mitarbeitenden, Kunden, Lieferanten und Finanzierungspartner.“ Gespräche mit möglichen Investoren laufen nach Angaben des Sachvwalters bereits. „Das schon jetzt erkennbare Interesse an Mocopinus zeigt, dass das zugrunde liegende Geschäftsmodell, die Marktposition und die Produktkompetenz als attraktiv und zukunftsfähig eingeschätzt werden“, so Stemshorn.

An großen Bauprojekten mitgewirkt

Mocopinus ist nach eigenen Angaben eines der führenden Industriehobelwerke Europas. Das Unternehmen, das gerade erst mit einem Branchenpreis ausgezeichnet wurde, geht auf ein Sägewerk zurück, welches bereits 1865 gegründet wurde. In der Vergangenheit hat Mocopinus auch an großen Bauprojekten mitgewirkt, darunter zum Beispiel am Hotel Bretterbude in Heiligenhafen an der Ostsee.

Das sind die Gründe für die Insolvenz

Als Gründe für die Schieflage gibt das Unternehmen ein „herausforderndes Marktumfeld“ an. So werde weniger gebaut, auch die Anzahl der Wohnungsbaugenehmigungen sei gesunken. Dadurch seien auch weniger Fassaden des Unternehmens verkauft worden. Zudem könne sich Mocopinus wegen gestiegener Zinsen schlechter refinanzieren, heißt es in der Pressemitteilung, zumal dem Holzbauunternehmen auch der wichtigste Rohstoff weggebrochen sei. Wegen des russischen Krieges gegen die Ukraine könne die vorher häufig genutzte sibirische Lärche nicht mehr genutzt werden. Das habe das Geschäft zusätzlich erschwert. (juerg)

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