Nicolas Brendel und David Neumair vom Start-up Honeysuckle an einem Hardware-Teststand, mit dem verschiedene Geräte aus der Industrie zum Testen online gebracht werden können.
Nicolas Brendel und David Neumair vom Start-up Honeysuckle an einem Hardware-Teststand, mit dem verschiedene Geräte aus der Industrie zum Testen online gebracht werden können. Bild: Wolfgang Sens, LVZ
Wirtschaft regional
Problemlöser für Branchen der kritischen Infrastruktur: das Leipziger Startup „Honeysuckle“

Freie Presse auf Google News folgen

Testlabore für Elektronik müssen bisher aufwendig vor Ort betreut werden. Ein Gründerteam aus Leipzig will sie stattdessen ans Netz bringen – und bewirbt sich um den Gründerpreis „Start-up 2026“.

Leipzig.

Kabel kringeln sich, LEDs und Messgeräte leuchten: Im Leipziger Coworking-Office „Basislager“ läuft ein Teststand für Elektronik auf Hochtouren. Es ist das schlagende Herz des Start-ups Honeysuckle, das für eine Mission angetreten ist: Bislang müssen solche Testlabore für Elektronik von Fachleuten vor Ort betreut werden. Die Leipziger Gründer bringen diese Prüfstände nun ins Netz. Mit ihrer Plattform können Tests per Laptop oder sogar Smartphone aus der Ferne ausgelesen, aktualisiert und nachgesteuert werden – bequem aus dem Büro oder Homeoffice und für diverse Gerätehersteller. „Unsere Lösung bedeutet eine deutliche Arbeitserleichterung und Zeitersparnis“, sagt Nicolas Brendel, Gründer und einer der Köpfe des jungen Unternehmens. Die Wand in seinem Rücken ist mit grünen Kunststoffpflanzen und dem gelb leuchtenden Schriftzug „Honeysuckle“ bedeckt – das immergrüne Geißblatt. „So wie diese Pflanze wollen auch wir für enge Verknüpfungen sorgen“, sagt Brendel. „Wir wollen aus Sachsen heraus ein Hightechprodukt bauen, das ein reales und teures Problem in Branchen der kritischen Infrastruktur löst.“

Machbarkeitstests mit Airbus sind gelaufen

Für den Aufbau des Unternehmens bedeutete das vorige Jahr einen Durchbruch: Das Team hat einen Prototypen fertiggestellt und auf der AFCEA in Bonn präsentiert – dem wichtigsten Branchentreffen der IT-Community der Bundeswehr. Spitzname: „Mini-Cebit in Oliv“. Insbesondere Rüstungsunternehmen hätten aktuell großes Interesse und die nötigen Mittel, sagt Brendel. Eine zweite Säule der Gründung ist die Medizintechnik, die neue Geräte wie etwa für die Krebstherapie entwickelt. Machbarkeitstests mit Airbus, Verteidigungsunternehmen und Firmen im Lufthansa-Umfeld sind gelaufen. Jetzt stehen erste Verträge mit Kunden ins Haus. „Wir haben in einem großen Markt unsere Nische gefunden und wollen Ende des Jahres kostendeckend arbeiten“, sagt der Geschäftsführer. Parallel laufen Gespräche mit Industrieunternehmen, die bei Honeysuckle als Partner mit einsteigen könnten. Auf Risikokapital von Investoren verzichtet das Team bewusst – es finanziert sich lieber durch Dienstleistungsaufträge für Dritte. Umsatz voriges Jahr: 350.000 Euro.

Die Anzahl der Kunden soll wachsen, das Team nicht

Die Gründer sind keine Neulinge im Geschäftsleben: Der Deutsch-Amerikaner Brendel, 38, der aus Gießen stammt, hat nach seiner Ausbildung zum Fluggerätemechaniker bei Lufthansa für Air Canada und als Manager bei DHL in Leipzig gearbeitet. Parallel absolvierte er ein Fernstudium für Aviation Business Administration an einer US-Hochschule und einen Business-Master an der Leipziger Management-Hochschule HHL. Als Vertriebler bei einem Technologiedienstleister lernte er David Neumair kennen – einen Experten für Angewandte Informatik. Der gebürtige Bayer hatte an der TU Freiberg studiert und im Bosch-Konzern Motorsteuerungsgeräte entwickelt. Eine ideale Symbiose. Im Frühjahr 2022 gründeten sie Honeysuckle. Mit zwei weiteren IT-Mitarbeitern, die in Berlin leben und arbeiten, feilt das Team seither am Produkt. „Unser Wachstumspotenzial ist groß, weil der Bedarf an sicheren Entwicklungs- und Testumgebungen in Remote-Arbeit stark steigt“, sagt Brendel. Die Anzahl der Kunden und Anwendungen soll schnell wachsen – das Team selbst aber nicht. Mehr als ein Dutzend Leute wollen sie nicht werden. „Wir wollen“, sagt Brendel, „ein Speedboot bleiben.“ (lvz)

Der Wettbewerb „Sachsens Unternehmer des Jahres“ ist eine Initiative von „Sächsischer Zeitung“, „Freier Presse“, „Leipziger Volkszeitung“, MDR SACHSEN, Volkswagen Sachsen, Schneider + Partner, Sächsischer Lotto-GmbH, So geht sächsisch und AOK PLUS.

Mehr zum Wettbewerb und zu den Nominierten: www.freiepresse.de/unternehmerpreis

© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
Das könnte Sie auch interessieren
25.04.2026
6 min.
Jetzt abstimmen: Wer wird Sachsens bestes Start-up 2026?
Jetzt abstimmen: Wer wird Sachsens bestes Start-up 2026? - Emily Hickmann hat in Dresden die App „Active TP“ entwickelt, um Patienten vor und nach einer Hüft-Op zu unterstützen.
Am 8. Mai wird „Sachsens Unternehmer:in des Jahres“ gekürt. Über den Sonderpreis für das beste Start-up können Sie in einer Online-Abstimmung mitentscheiden. Das sind die vier Finalisten.
Nora Miethke
12.01.2026
4 min.
Vom Silicon Valley nach Chemnitz: Wie ein Startup Medikamentenfälschungen bekämpfen will
Vom Silicon Valley nach Chemnitz: Wie ein Startup Medikamentenfälschungen bekämpfen will - Authentic Network hat im Coworking-Zentrum „die Fabrik“ in Chemnitz fälschungssichere Codes entwickelt: Lisa Arlt (Marketing), Nana Abeka Otoo (Datenwissenschaftler) und Frank Theeg (CEO und Gründer).
Startup-Preis „Sachsen gründet“ 2026: Produktfälschungen verursachen weltweit Millionenschäden und können Menschenleben kosten. Ein junges Unternehmen hat eine Methode entwickelt, um sie zu erkennen.
Eva-Maria Hommel
14:30 Uhr
3 min.
Vierte Leiche nach Flugzeugabsturz in Namibia entdeckt
Vierte Leiche nach Flugzeugabsturz in Namibia entdeckt - Nach einem Flugzeugabsturz mit vier Deutschen konnten alle Leichen identifiziert werden. (Symbolbild)
Drei Urlauber aus der Region Heilbronn und ihr Pilot sterben bei einem Flugzeugabsturz in Namibia. Lange bleibt die Leiche der verunglückten Frau unauffindbar. Jetzt gibt es traurige Gewissheit.
14:30 Uhr
1 min.
Forstbezirk Plauen meldet geringe Borkenkäferzahlen
Forstbezirk Plauen meldet geringe Borkenkäferzahlen - Bert Schmieder empfiehlt weiter regelmäßige Kontrollen auf Borkenkäferbefall.
In den Wäldern bleibt der Borkenkäferbefall aktuell auf niedrigem Niveau. Warum dennoch engmaschige Kontrollen nötig sind.
Lutz Kirchner
29.05.2026
2 min.
Freiberg: Galgenfrist für Fahrrad-Leichen
Freiberg: Galgenfrist für Fahrrad-Leichen - Schilder weisen am Freiberger Bahnhof auf die geplante Beräumung hin.
Stadtverwaltung beräumt Bahnhofsgelände von defekten und vergessenen Fahrrädern.
Steffen Jankowski
06:11 Uhr
2 min.
Pawlow-Hotel im Erzgebirge eröffnet: So startet das neue Vier-Sterne-Haus
Pawlow-Hotel im Erzgebirge eröffnet: So startet das neue Vier-Sterne-Haus - Betreiber Gregor Kumberger junior und senior sowie Hotelleiterin Melanie Walther durchschneiden ein Band zur Eröffnung des Pawlow-Hotels in Warmbad.
„Aufgeben war für uns keine Option“, sagt Investor Kumberger. Hinter der Eröffnung des Pawlow-Hotels in Warmbad liegen jahrelange Sanierungsarbeiten. Nun soll das Haus neue Gäste in den Kurort locken.
Mike Baldauf
Mehr Artikel