Das Zillertal unweit der deutschen Grenze gehört zu den schneesichersten Skigebieten Österreichs. Wessen Beine nach zu viel steilen Abfahrten schlapp machen, der kann abseits der Piste auch einiges ohne Ski entdecken.
Für Skifahrer, die sich mit den beheizten Sesselliften im Skigebiet Hochfügen nach oben ziehen lassen, ist auf 2400 Metern Schluss. Nur für mutige Bergsportler geht es noch weiter nach oben – und zwar vertikal am Fels auf einem Winterklettersteig. Roman Rohrmoser hat ihn im vergangenen Jahr gebaut. „Der Felsen ist einfach prädestiniert. Wir mussten da was machen“, sagt der Profi-Skifahrer, der in Werbefilmen auf Skiern waghalsige Sprünge vollführt.
Durch seine Klettertouren im Sommer wusste er, wo man den Klettersteig anlegen muss, damit die Seile im Winter nicht vom Schnee zugeweht werden. Mit seiner Idee überzeugte er die Bergbahnen, die das Projekt finanzierten. Ein Hubschrauber brachte die verzinkten Tritte und Griffe und das Stahlseil nach oben und Rohrmoser legte mit seinem Team los.
Der Ski-Stuntman hat bei seinem Winterklettersteig auf allzu viele waghalsige Passagen verzichtet. Der Steig hat zwar steile Aufschwünge, aber geht bei der Schwierigkeit bis maximal B/C. Zur Not ist er auch mit Skischuhen und Klettersteigset zu meistern. Besser ist allerdings, man hat Bergschuhe im Rucksack dabei. Dort drin sollte man auch die Höhenangst lassen, wenn man auf der 28 Meter langen, frei schwebenden Seilbrücke in luftiger Höhe entlangbalanciert. Eine zweite Seilbrücke führt hoch auf den Pfaffenbichl auf 2431 Meter, wo man eine weite Aussicht ins Zillertal hat.
Etwa 40 Kilometer lang ist das Zillertal. Die Bergzüge links und rechts des Ziller-Flusses werden nach Süden hin immer höher. Es gibt insgesamt vier Skigebiete mit 546 Kilometern präparierten Pisten. Laut Dominik Steinlechner von Zillertal-Tourismus liegen 84 Prozent der Abfahrten über 1700 Meter – eine Höhe, ab der der Klimawandel dem Skisport weniger zu schaffen macht. Am höchsten geht es mit über 3200 Metern am Hintertuxer Gletscher im hinteren Zillertal, wo die Lifte bis ins Frühjahr laufen. Wer dort etwas abseits der Piste unternehmen will, kann sich den Gletscher von innen ansehen – in einem Eispalast mit kleinem Gletschersee.
Zum Warmwerden bietet sich das Skigebiet Mayrhofen oberhalb der Ahornbahn an. Es gibt viele breite blaue Pisten, auf denen für Kinder lustige Männlein aufgestellt sind, die bei jeder Berührung quietschige Sprüche von sich geben. Mit dem Albert-Alder-Erlebnisweg führt ein Winterwanderweg um das Skigebiet, den man mit ein paar Pausen in einer Stunde meistern kann. An den Stationen auf der Strecke lernt man viel über Greifvögel, die früher von Falknern für die Jagd genutzt wurden.
Heute werden Greifvögel zu Showzwecken gehalten, so wie in Europas höchstgelegener Falknerei auf 2000 Meter. Die Familie Wechselberger hat in ihren Volieren zehn Tiere, darunter Adler, Uhus und Bussarde. Jeden Tag werden sie gewogen, je nach Gewicht und Hungergefühl geht es zum Flugtraining. „Wenn sie viel gefressen haben, dann fliegen sie nicht. Das ist wie in der Natur. Wenn die Tiere gerade erst Beute gemacht haben, wollen sie auch nicht einfach rumfliegen und Energie verlieren“, erklärt Falknerin Waltraud Wechselberger. Wer Glück hat, kann den Wechselbergern im Winter zur Mittagszeit bei Fütterung und Flugtraining zuschauen. Ab Frühjahr bieten sie Flugshows am Albert-Adler-Weg an.
Zurück auf die Piste. In den Zillertaler Bergen hungrig zu bleiben, ist eine Kunst. 150 Einkehrmöglichkeiten laden zum Verweilen ein. An den Hängen muss man die urigen Holzhütten fast im Slalom umfahren. Wer nicht gerade das feinste Steak auf dem Teller wünscht und Moët-Sekt im Glas - den es auch zu kaufen gibt - findet auf der Speisekarte immer ein günstiges Gericht Tiroler Küche.
Einblicke in die traditionelle Kochkunst der Berge bietet Foodbloggerin Silke Haun, die eine Kochschule im kleinen Örtchen Stumm betreibt. Sie hat viele alte Rezepte der Tiroler Küche adaptiert und verfeinert.
Als Vorspeise gibt es bei ihr „Graukassuppe“. Der milde Graukäse aus Magermilch ist typisch für das Zillertal. Angeschwitzt mit Schalotten und Butter, bestäubt mit Mehl und einem Schluck Wein wird er mit Schlagrahmen und Butter gekocht und mit geröstetem Schwarzbrot verfeinert.
Hauptgang: Tiroler „Kasknödel“. Aus einer mit Milch und Eiern aufgeweichten Brotmischung, die mit angeschwitzten Zwiebeln, Petersilie und Käse versetzt wird, werden die Knödel geformt. Wer mag, kann noch einen extra Käsewürfel in die Mitte des Teigs einlegen. Für die richtige Portion Kalorien werden die „Kasknödel“ nach dem Kochen mit brauner Butter übergossen.
Und zum Dessert Moosbeernocken. Moosbeeren sagt man in Tirol zu Blaubeeren. Die werden in mit Vanillezucker aufgekochter Milch, Mehl und Eigelb zu einem Teig verrührt und in einer Pfanne gebacken. Am besten schmecken die Moosbeernocken mit Puderzucker und Vanilleeis.
Bleibt in Tiroler Mundart nur noch „An Guatn“ zu wünschen, bevor es wieder zum „Schifoan“ auf die Piste geht. (cma)
Weitere Angebote und Preise für Skipässe und Übernachtung unter www.zillertal.at





