Oberschule: Schnellschuss ist auf dem Weg zum Erfolgsmodell

Nach einem halben Jahr Außenstelle des Evangelischen Schulzentrums in Bad Elster fällt das Fazit positiv aus. Doch jetzt gibt es ein anderes Problem.

Bad Elster.

2018 war das Jahr, das die Schullandschaft im oberen Vogtland verändert hat: In Klingenthal gelang die Eröffnung einer Oberschule, in Bad Elster startete die Außenstelle einer Oberschule - die des Evangelischen Schulzentrums Oberes Vogtland. Der Schulträger wollte nicht wieder, wie in den Vorjahren, reihenweise Absagebriefe an Eltern schreiben, weil kein Platz für ihr Kind an der Schönecker Schule ist.

Mit ganz heißer Nadel wurde im März 2018 nach einer Kommune gesucht, die sich mit ins Boot setzt - und schnell die Stadt Bad Elster gefunden, deren staatliche Oberschule 2011 schließen musste. Nach einem halben Jahr Schulbetrieb gab es jetzt eine Runde mit Schulleiter, Eltern, Kindern und Stadt. Fazit: Es klappt, sogar sehr gut. Die Aussichten sind rosig: Für das nächste Schuljahr gibt es für die Klasse 5 der Außenstelle Bad Elster 30 Voranmeldungen, teilt Schulleiter Markus Kugler mit.

Was macht Bad Elster attraktiv? Ein wichtiger Grund: Kurze Wege. Die 25 Schüler der aktuellen Klasse 5 kommen aus Erlbach, Gettengrün, Schönberg, können teils den Elsteraner Bürgerbus nutzen. Ein wichtiges Kriterium, sagt Sandra Baldszus, Vorsitzende der Elternvertretung. Sie zog mit ihrer Familie aus Oberbayern ins neue Wohngebiet Obersohl. Die Aussicht, dass ihre Tochter womöglich sehr lange mit dem Bus bis Schöneck fahren muss - wenig erfreulich. Umso glücklicher war sie, dass es nun eine Oberschule im Kurort gibt, mit dem Bus vor der Haustür in wenigen Minuten erreichbar. "Alle ziehen an einem Strang, auch die Kinder untereinander. Sie fühlen sich total wohl", sagt Birgit Zander-Echtner. Acht Lehrer aus Schöneck unterrichten in Bad Elster. Viele Kinder konnten nach der Grundschule am Ort bleiben.

Als Glücksfall empfindet Schulleiter Kugler die Außenstellen- Lösung. Das liege vor allem auch an den Eltern. Sie hätten dem Schulträger Obervogtländische Verein für Innere Mission Marienstift (OVV) einen großen Vertrauensvorschuss gegeben - und engagieren sich stark für die Schule, lobt er. "Es sind tolle Eltern", sagt er mit Blick auf die Werbung, die die Eltern beim Adventsmarkt im Haus für die Oberschule machten. Als "Riesengewinn" sieht es Kugler zudem, dass eine Lehrerin im Ruhestand als Vertretung im Schuljahr gewonnen werden konnte. Auch deshalb ist das Thema Unterrichtsausfall hier eher keins.

Im Lob eingeschlossen sind die Grundschule im Haus, und die Stadt Bad Elster - sie hatte schnell zugegriffen, als der OVV mit der Schul-Idee anklopfte. Außer Bad Elster waren auch Adorf und Eichigt für die Außenstelle im Gespräch. Die einstimmige Entscheidung des Stadtrates für die Schule war richtig, meint Hauptamtsleiter Uwe Pinkert. "Wir haben uns sehr darauf gefreut, dass es losgeht." Nun kommt das Schulzentrum an seine Kapazitätsgrenze. 174 Schüler in der Grundschule, so viele wie noch nie, 140 belegte Plätze im Hort und bald zwei Oberschulklassen. Abstriche an Standards oder daran, dass das Essen hier noch in eigener Küche gekocht wird, werde es nicht geben. "Es muss eine bauliche Veränderung geben", so Pinkert. Das aber sei noch Zukunftsmusik. Hier geht kein Schnellschuss. "Wir sind ein bissel ein gebranntes Kind", erinnert er an große Investitionen ins Schulzentrum, die das Aus der Mittelschule nicht verhindern konnten.

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