Ritt zur Fusion begann vor zehn Jahren

Vor sieben Jahren gingen Klingenthal und Zwota zusammen. Die Weichen dafür wurden bereits mit den Bürgermeisterwahlen 2010 gestellt. Zwota spielte dabei wiederholt eine zentrale Rolle.

Klingenthal.

Zum 1. Januar 2013 fusionierte die Musik- und Wintersportstadt Klingenthal mit der Nachbargemeinde Zwota. Inzwischen ist es die Große Kreisstadt Klingenthal, die von Mühlleithen bis Oberzwota reicht. Damit wurde eine Vision Realität, die über ein gutes Jahrhundert immer wieder diskutiert worden war. Dass die Weichen zur Fusion von Klingenthal und Zwota spätestens mit den Bürgermeisterwahlen von 2010 gestellt wurden, hatte damals wahrscheinlich niemand auf dem Schirm.

Es war ein Generationswechsel, der im Frühjahr 2010 in der Kommunalpolitik über die Bühne ging. In Klingenthal beerbte damals der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Enrico Bräunig als Bürgermeister den Zwotaer Reiner Schneidenbach (CDU), der seine zweite Amtsperiode nicht vollendete. Bräunig setzte sich in zwei Wahlgängen gegen vier Mitbewerber durch. In Zwota wurde der damals 32-jährige Thomas Hennig, der für die Freien Wähler antrat, Nachfolger von Siegward Glaß, der mit Ausnahme der Jahre 1994-1997 das Amt inne hatte.

Die Periode zwischen 2000 und 2010 war für Klingenthal und Zwota problematisch gewesen. Reiner Schneidenbach hatte als Start in Klingenthal den Ärger um die ehemalige Stadthalle und die Auflösung der Entwicklungsgesellschaft auf dem Tisch. Ein Thema, das der Stadt Millionen kostete. Dazu kam der Dauerstreit um die Zukunft des Abwasserzweckverbandes Klingenthal/Zwota, der letztlich die Zwotaer Finanzen weitgehend lahmlegte.

Klingenthal verlor die Mittelschule, der Stadtrat stand einem Engagement in der Vogtland-Arena skeptisch gegenüber. Als man auf das Thema Radsport setzte und 2006 die Deutsche Meisterschaft in die Stadt holte, fiel das zusammen mit dem Beginn der Dopingenthüllungen in dieser Sportart. Auch finanziell war das Spektakel für die Stadt letztlich ein Verlustgeschäft.

Dass der Freistaat Sachsen damals eine sogenannte Leuchtturmpolitik verfolgte, die Zentren förderte, den ländlichen Raum vernachlässigte, verschärfte die Probleme noch.

Der Start der beiden Neuen verlief sehr unterschiedlich. Enrico Bräunig sah sich als erstes mit dem Konkurs der stadteigenen Beschäftigungsgesellschaft konfrontiert, was langwierige Gerichtsverhandlungen mit dem Konkursverwalter nach sich zog. 2011 folgte der Konkurs der Sport- und Begegnungszentrum GmbH. Hinzu kam, dass Bräunig im Stadtrat auf keine eigene Fraktion bauen konnte. Das schwächte seine Position zusätzlich. Dass letztlich 2012 nicht der Klingenthaler Bürgermeister die Fusionsverhandlungen mit Zwota leitete, sondern CDU-Stadtrat Thomas Ungethüm, kam einer vorzeitigen Entmachtung Bräunigs gleich.

Anders die Entwicklung ab 2010 in Zwota. Dort hatte Thomas Hennig die Möglichkeit, als ehrenamtlicher Bürgermeister zunächst Erfahrungen zu sammeln und ein weit- reichendes Netzwerk aufzubauen.

Eine Eingemeindung des rund 1300 Einwohner zählenden Dorfes nach Klingenthal war im Gemeinderat lange keine Thema. 1994 gab es sogar eine Bürgerbefragung für einen Anschluss an Schöneck oder Markneukirchen. Die Mehrheit der Zwotaer Einwohner plädierte damals für Klingenthal, eine Verwaltungsgemeinschaft mit der Stadt wurde 1999 Realität. Eine Fusion auf Augenhöhe konnte man sich dann 2012 aber auch im Gemeinderat Zwota gut vorstellen.

Als Thomas Hennig im Zuge der Fusion von Klingenthal und Zwota als damals unabhängiger Kandidat für das Bürgermeisteramt kandidierte und gewählt wurde, hatte er zudem eine stabile Mehrheit im Stadtrat hinter sich, denn bis zur Kommunalwahl im Mai 2014 bestand das neue Stadtparlament aus den Abgeordneten des ehemaligen Stadtrates Klingenthal und des Gemeinderates Zwota.

Dass die Stadt nunmehr auch Großprojekte wie die Sanierung des Dürrenbach-Freibades, die Rekonstruktion des Dürrenbach-Sportplatzes sowie die Wiedereröffnung einer Oberschule mit Anbau an das Schulzentrum auf dem Amtsberg angehen konnte und auch letztlich Große Kreisstadt wurde, lag zum einen am Verhandlungsgeschick und der Finanzpolitik des Oberbürgermeisters, zum anderen an der veränderten Förderpolitik von Bund und Freistaat, mit der deutlich mehr Geld in den ländlichen Raum fließt.

Termin: Am 2. Februar wird in Klingenthal ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Einziger Kandidat ist Thomas Hennig (CDU). Das Forum mit ihm findet am 29. Januar im Gliersaal der Berufs- und Berufsfachschule am Amtsberg statt. Beginn ist 18.30 Uhr.


Das Erbe, das Thomas Hennig übernahm - misslungene Klingenthaler Großprojekte

Stadtcenter: Für das letztlich nicht realisierte Projekt eines Stadtcenters mit der Firma Faga-Trust, kaufte die Stadt drei Grundstücke für 2,036 Millionen Mark. Der Gerichtsstreit über rund 1,5 Millionen Mark endet mit einem Vergleich.

Stadthalle: Wurde 1998 geschlossen, in der Folge ging die Stadtentwicklungsgesellschaft in Konkurs. Der juristische Streit endete 2001 mit einem Vergleich, die Stadt zahlte etwas weniger als zwei Millionen Mark.

Kunsteisstadion: Nach dem Brand 2008 in der Maschinenanlage nicht mehr nutzbar. Es drohte die Rückzahlung von rund 500.000 Euro Fördermitteln. Bei Verhandlungen mit der Regierungsdirektion Chemnitz wurde dafür 2010 eine Lösung gefunden.

Abwasserzweckverband: Ging 2009 in Insolvenz und belastete Klingenthal und Zwota weiter durch mehr als 2,3 Millionen Euro Kreditschulden. Zudem gab es offene Forderungen bei der Erhebung von Abwasserbeiträgen von rund 1,5 Millionen Euro. Das Thema ist noch nicht abgeschlossen.

Beschäftigungsgesellschaft: Das juristische Nachspiel um deren Insolvenz von 2009 zog sich bis Ende 2017 und kostete über 100.000 Euro.

Sport und Begegnungszentrum GmbH: Die 2011 in Insolvenz gegangene Gesellschaft, an der die Stadt mit 51 und der VSC mit 49 Prozent beteiligt waren, hinterließ Kreditschulden von etwa 400.000 Euro. (tm)

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