Globig: "Normalität ist nicht mehr in"

Mit teilweise provokanten Aussagen zu Wetter und Klima hat MDR-Meteorologe Thomas Globig am Samstag über 160 Gäste in der Reumtengrüner Turnhalle erstaunt.

Reumtengrün.

Klar, der Sommer 2018 sei "ein Knaller" gewesen. Das sagt MDR-Meteorologe Thomas Globig und zeigt dabei zur Bestätigung auf mehrere an die Wand "geworfene" Bilder. Strömungsverhältnisse und eine stabile Hochdruck-Wetterlage hätten für die lang anhaltende Dürre verantwortlich gezeichnet. "Allerdings ist so etwas über Mitteleuropa nicht zum ersten Mal passiert", fügt er hinzu.

Seit 2013 steht Globig als freischaffender Wetterfrosch beim Mitteldeutschen Rundfunk vor der Kamera. Mit Wetterdaten kennt er sich aus. Seinen gut einstündigen Vortrag "Wetter und Klima zwischen Wissenschaft und Ideologie" am Samstag in der ausverkauften Reumtengrüner Turnhalle unterfütterte er mit allerhand Material: Grafiken, Statistiken, Karten.

Thomas Globigs Erklärungen für Klimaveränderungen und markante Wettererscheinungen stehen bisweilen in mehr oder weniger starkem Kontrast zu denjenigen von anerkannten Forschern. "Manchmal werde ich als Spielverderber bezeichnet - obwohl ich mich an Fakten halte und an dem hänge, was ich mal gelernt habe: Es gibt nicht nur Nullachtfuffzehn-Wetter", sagte Globig zu seiner Verteidigung. Wiederholt warf er während seines Vortrags Medien vor, einst normale Wettererscheinungen wie straffes Winterwetter zu dramatisieren. "Normalität ist nicht mehr in", filterte der Berliner für sich heraus.

Und was meint Thomas Globig nun zum Klimawandel? Existiert der überhaupt? Ja, sagte er. "Seit Urzeiten." Ob es immer wärmer wird, ließ sich dagegen weniger schnell beantworten. Letztlich platzierte Globig jedoch ein klares Nein. Und begründet seine These mit empfindlicherer Messtechnik im Gegensatz zu früher. Hinzu komme die Häufung von Wetterstationen in urbanen Regionen, wo sich Wärme staut. Dass heute öfter lokale Starkregen auftreten, bejahte Globig. Allerdings sei mit Blick auf die vergangenen mehr als 100 Jahre kein extremer Anstieg feststellbar, wie er Grafiken entnahm. Auch die Winter würden nicht wärmer, berichtete der Meteorologe weiter - trotz des deutlichen Kohlendioxid-Anstiegs. Aber auch das beunruhige ihn wenig: "In der Erdgeschichte gab es davon fast immer mehr in der Luft als heute. Die Probleme liegen woanders." Für Thomas Globig ist dennoch menschliches Handeln für Unwetter verantwortlich. Als Gründe nannte er Überbevölkerung, Naturzerstörung, versiegelte Landschaften und verrohrte Flussläufe. Dass die globale Temperatur zunimmt, konnte der Berliner nicht abstreiten. Eine wesentliche Rolle beim globalen Temperaturanstieg spielt ihm zufolge die Sonne. "Es kommt auf der Erde mehr an von der Sonnenstrahlung als noch vor 30 Jahren", erklärte Globig und sorgte mit seiner Begründung für Aufhorchen: "Weil unsere Luft sauberer geworden ist." Die Abweichung sei jedoch minimal. Warum würden dann die Gletscher zunehmend verschwinden? Das wollte ein Zuhörer wissen. Das sei nicht so einfach zu beantworten, müsse aber zwangsläufig mit der Temperaturerhöhung zusammenhängen, entgegnete Globig. Kritische Fragen gab es zur Veranstaltung in Reumtengrün aber kaum. Angesichts der enormen Resonanz und ruckzuck vergriffener Karten ist eine zweite Veranstaltung vorgesehen. "Ich werde wiederkommen", versicherte Thomas Globig. "Aber nicht sofort."

Bewertung des Artikels: Ø 2 Sterne bei 1 Bewertung
14Kommentare
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  • 2
    1
    grummholz
    12.02.2019

    @Täglichleser
    interessante Zahl, wenn man das so im Raum stehen lässt, wäre eine Quellenangabe sehr nützlich.
    Ich sage: 100% der Wissenschaftler sind sich uneinig.

  • 0
    2
    Freigeist14
    12.02.2019

    grummholz@ "....mehr als Theorie ist die Erderwärmung nicht" . Was soll man dazu noch sagen ? Besser NICHTS .

  • 1
    4
    Täglichleser
    12.02.2019

    97 % der Wissenschaftler sind sich einig:
    Es gibt den menschengemachten Klimawandel mit seinen problematischen
    Folgen. Und dem glaube ich.

  • 2
    2
    grummholz
    11.02.2019

    @Täglichleser
    Mit Wissenschaftlern sollte man sehr vorsichtig sein. Da hat jeder seine Theorie, mehr als Theorie ist die Erderwärmung nicht. Die Theorie verteidigt natürlich jeder, klar. Das gab es mal einen, der hat Gold erfunden, dann war es plötzlich Porzellan, auch gut.
    Vor einigen Jahren haben Wissenschaftler den großen Wurf gelandet und die Kernfusion im Reagenzglas erfunden. Aber, das war wohl doch nichts. Man könnte so lange weitererzählen.
    Neben Wissenschaftlern gibt es auch (wissenschaftliche) Praktiker. Aber die zählen wohl nichts.
    Ich denke , so einer ist Hr.Globig ubd das Wetter erklärt er immer gut, für mich auch einleuchtend.
    Sicher müssen wir etwas gegen den ständigen Verbrauch von fossilen Brennstoffen tun, denn die sind irgendwann alle.
    Unsre größte Physikerin hat die Atomkraft abschalten lassen, Kohlekraftwerke wären besser gewesen.
    Wenn sich die Erde erwärmt, müssen wir uns eben anpassen.

  • 1
    3
    Tauchsieder
    11.02.2019

    Abschließend von mir zu diesem Thema noch ein paar Richtigstellungen.
    "hkre..." beginnt mit seinem Kommentar recht vielversprechend und landet aber genau dort was er bemängelt. Diese Nebelkerzen ... seine provokanten Thesen ... können nur aus Sicht eines gefestigten Standpunkts sein und lassen rechts oder links keine andere Meinung zu.
    Und was "Tägl....." von klimaschädlicher Bodenversieglung von sich gibt verschlagen einem die Worte. Wer mit solchem S......sinn sich in solch eine Diskussion begibt hat eigentlich dort nichts verloren.

  • 4
    8
    hkremss
    11.02.2019

    Der wissenschaftliche Diskurs, der früher an Hochschulen und in Forschungseinrichtungen mehr oder weniger hinter verschlossenen Türen stattfand, wird heute Dank Internet zunehmend in die Öffentlichkeit getragen. Das ist im Grunde eine feine Sache, aber plötzlich hören nicht nur viele zu, sondern es reden alle mit, denn alle haben eine Meinung. Und jeder denkt, seine eigene Meinung ist gleichbedeutend mit der Meinung aller anderen und mag sie noch so wenig fundiert sein. Und jeder findet für seine eigene Meinung garantiert ein paar andere, die das genau so sehen und fühlt sich bestätigt. Je nach politischer Orientierung wird die eine oder andere Sichtweise als plausibel empfunden. Journalisten sind auch nur Menschen und tragen ihren Teil zur Verstärkung dieser Effekte bei. Nur hat das dann mit Wissenschaft nichts mehr zu tun und es wird zunehmend nach Glaubensgrundsätzen argumentiert. Man sollte ganz nüchtern die Frage stellen, warum der 'Wetterexperte Thomas Globig' Vorträge mit provokanten Thesen vor Laienpublikum hält. Zuvor lohnt es sich, zu schauen, wie die bisherige Bilanz seiner Forschung ausfällt und welches Echo diese Arbeiten im wissenschaftlichen Diskurs gefunden haben. Die Antwort auf diese Fragen wird dem einen oder anderen nicht gefallen.

  • 4
    10
    Blackadder
    11.02.2019

    @täglichleser: Gerade für die Bauern ist der Klimawandel seit Jahren sehr real. Auch ein Grund, warum die AfD hier nicht punkten kann...

  • 4
    7
    Täglichleser
    11.02.2019

    Tauchsieder das ist keine Abwertung des Dorfes. Vor kurzen war der sächsische
    Ministerpräsident im Vogtland. Und ein Landwirt beklagte, dass Ackerfläche immer
    weniger werden und die klimaschädliche
    Versiegelung zunimmt. Bauern sind schlau
    und müssen mit Wetter und Klimaveränderung umgehen können.
    Ob Globigs Vortrag dort alle überzeugt
    hat, weg ich zu bezweifeln. Aber der Meteorloge sollte als Experte die Auseinandersetzung mit echten Klimaexperten suchen.

  • 10
    3
    Tauchsieder
    11.02.2019

    Übrigens "Tägl...." habe ich beim nochmaligen lesen ihres Kommentars folgendes festgestellt. Unabhängig vom Thema bringen sie das Wort "Dorf" ins Spiel. Wollen sie damit implizieren, dass auf dem Land, auf einem Dorf weniger schlaue Leute wohnen, denen ihre sogenannte "Minderheitsmeinung" völlig egal ist ?
    Da sie das Wissen scheinbar mit "Löffeln" gefressen haben gehe ich davon aus, dass sie in der Stadt wohnen.

  • 2
    13
    Blackadder
    11.02.2019

    @Tauchsieder: Im Gegensatz zu Herrn Kachelmann kann sich Frau Höhn hier aber auf mehrere Studien stützen, die auch zu diesem Ergebnis kommen:

    https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2018-04/klimawandel-golfstrom-langsamer-waermetransport-nature

  • 11
    5
    Tauchsieder
    11.02.2019

    Da liegen sie fast richtig Tägl....", nur bedarf es aber der ganzen Wahrheit.
    Mittlerweile äußern sich Leute zu dem Thema, denen man wirklich jede Kenntnis darüber absprechen kann. Auch das Auftreten auf dem Dorf, so wie sie dies anmerken, hat nur eine Ursache, die Wahrheit verträgt nicht jeder und es auch politisch nicht gewollt dies über den MDR zu verbreiten (Maulkorb).
    Als Beispiel möchte ich hier nur folgendes anführen.
    Jüngst verwies der Wetterexperte Jörg Kachelmann die Grünen-Politikerin Bärbel Höhn in ihre Schranken. Diese schwang sich auf Twitter dazu auf, zu behaupten, dass der Golfstrom seine Wirkung verloren habe. Kachelmann stellte daraufhin klar, dass Frau Höhn frei von jeglicher Verbindung zur Wissenschaft phantasiere. Augenscheinlich seien bei Höhn „alle Dämme gebrochen.“

  • 7
    17
    Täglichleser
    11.02.2019

    Den Globig mag ich in seiner Art, wie er
    Wettervorhersage uns nahebringt.
    Aber ein Klima- und Umweltexperte scheint
    er nicht zu sein. Er vertritt eine Minderheitsmeinung auf dem Dorf. Besser wäre das im MDR im Austausch mit Wissenschaftlern der Klimaforschung.
    Schuster bleib bei Deinen Leisten oder mach Dich schlau.

  • 4
    12
    Blackadder
    11.02.2019

    @Tauchsieder: Sicher auch für Sie interessant: https://www.freiepresse.de/nachrichten/panorama/klimawandel-wieso-weshalb-warum-artikel10440177

  • 16
    6
    Tauchsieder
    11.02.2019

    Klima und Wetter sind mittlerweile zu einer Ideologie geworden. Damit ist alles begründbar, Missernten, Hochwasser, oder vielleicht auch irgendwelche ansteckenden Krankheiten, oder Haarausfall.
    Eines ist ziemlich sicher, mit dieser Wahrheit hat er es nicht leicht.



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