Warum Mittweida und Chemnitz miteinander Theater spielen

Ein Bühnenstück zum Altstadtfest hat Tradition: In diesem Jahr kommen unter Regie des Miskus nicht nur Städte zu Wort, auch die EU und Vater Staat wollen mitreden.

Mittweida/Hainichen.

Wir schreiben das Jahr 1913. Mittweida steht vor seiner ersten Vermählung. Kockisch heißt die Braut, die sich traut und Weißthal als Mitgift in die Ehe bringt. Elf Hochzeiten später steht da aber immer noch "diese verklemmte Tante", die sich hartnäckig weigert, unter die Haube zu kommen. Gemeint ist natürlich Altmittweida. Und was auf geschichtlicher Ebene völlig korrekt ist, soll auf der Bühne für Lacher sorgen.

Das dachte man sich jedenfalls beim Mittelsächsischen Kultursommer (Miskus), der alle Jahre wieder zum Altstadtfest ein Theaterstück präsentiert. Am Wochenende ist nun schon Premiere. Die Mittweidaer Mimen, so heißt die Schar der Darsteller, verkörpern schließlich nicht alle Tage Städte, Dörfer oder gar Institutionen. Genau das aber hat der Mittweidaer Karl-Heinz Nebel in die durchaus aktuelle Handlung seines Stücks gepackt.


"Die in den vergangenen Jahren als Fortsetzung gezeigte Geschichte zum Kaufhaus Bester war schon zu Ende erzählt", erklärt Nebel. "Wir wollten auch keine Wiederholung der Schulstunde. Es musste also was Neues her, und da haben wir uns an ein Stück erinnert, das es vor 20 Jahren gab." Gemeint ist die "Mittweidaer Hochzeit", die von Eingemeindungen erzählt und von Benny Dressel geschrieben wurde. Nebel hat als Autor den damals gesponnenen Faden aufgenommen und erzählt ihn als "Die Nachtigall singt nicht zur Hochzeit" weiter.

Die Ortsteile dürfen alle wieder mitspielen, hinzu kommen auch noch Vater Staat, die EU sowie Chemnitz und die ebenfalls um den Titel der Kulturhauptstadt konkurrierenden Städte Magdeburg und Zittau. Natürlich rollt die Oberlausitz das "R" und hat Magdeburg die berühmten Halbkugeln dabei. Vater Staat, verkörpert von Thomas Kühn, darf nach Herzenslust Berlinern und bestimmen. "Es ist nicht gerade meine Wunschrolle, aber schon etwas von Bedeutung", sagt Kühn. "Vater Staat geht es jedenfalls gut."

Aber da ist ja auch noch die EU (Andrea Schleußing), die etwas schmaler geworden ist und deshalb nun verraten soll, wie sie das geschafft hat. Und das macht sie im breitesten Sächsisch, das man sich vorstellen kann. Und Chemnitz? Da hat Nebel die Verbindung der dortigen TU mit der Mittweidaer Hochschule ausgemacht. Das gemeinsame Projekt heiße "Nachtigall" und beschäftige sich mit nachhaltiger Städteplanung - genau das Richtige für die Mittweidaer Ortsteile.

"Der OB wird sicher überrascht sein und sollte sich das unbedingt anschauen", so Nebel. Das gelte auch für den Altmittweidaer Bürgermeister, dessen Gemeinde Verena Kermes ein Gesicht gibt: "Es ist das erste Mal, dass ich ein Dorf spiele", berichtet die Hainichenerin, die jahrzehntelange Bühnenerfahrung vorweisen kann. "Natürlich erzählen wir das alles mit einem Augenzwinkern", versichert sie. Und schließlich gibt es ganz aktuell auch noch etwas, auf das alle stolz sein können: das Welterbe. Klaus Wawra erklärt dies immer wieder in der Paradeuniform eines Bergmanns.

"Das ist auch unsere Botschaft, dass wir nur gemeinsam etwas schaffen", erläutert Nebel den tieferen Sinn des Stücks, das aber in erster Linie die Leute unterhalten soll. Der Welterbetitel sei aber auch nur grenzüberschreitend geschafft worden. Deshalb freut sich Nebel, dass Mittweidas Partnerstadt Ceská Lípa zum Fest zu Gast sein wird.

Das Schauspiel zum Mittweidaer Altstadtfest wird am Samstag und Sonntag jeweils gegen 16 Uhr auf der Bühne auf der Weberstraße gezeigt. Dort präsentiert der Miskus auch wieder eine historische Meile im Stile der 20er- bis 50er-Jahre.

Das 25. Altstadtfest findet vom 16. bis 18. August statt. Mehr Informationen und Programm: www.mittweida.de

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