Zukunft der Papierfabrik: Zwischen Bangen und Hoffen

Das Werk in Lunzenau musste vor wenigen Wochen Insolvenz anmelden. Schon einmal stand der Betrieb vor dem Aus. Das war 2013, als die Flut massive Schäden hinterließ. Gibt es auch diesmal eine Rettung?

Lunzenau.

Für die Lunzenauer Papier- und Pappenfabrik ist jetzt das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Im Sommer war der Betrieb in finanzielle Schieflage geraten und musste Insolvenz anmelden. Wie der Insolvenzverwalter, der Chemnitzer Rechtsanwalt Jörg Schädlich, mitteilt, läuft die Produktion am Standort weiter.

Entscheidend dafür, dass das in Zukunft so bleibt und die Papierfabrik weiter besteht, ist ein Investor. Die Suche nach diesem läuft. Erste Interessenten gebe es laut Schädlich bereits. Seine Aufgabe sei es nun, die Aspiranten auf Herz und Nieren zu prüfen, ob sie tatsächlich in der Lage sind, die Fabrik zu sanieren und dafür einen hieb- und stichfesten Plan haben.

Genau das, so Schädlich, sei im Falle der Papierfabrik nicht einfach. Denn es gebe mehrere Baustellen, vor denen ein Investor stehe. So seien auf dem an der Mulde gelegenen Werksgelände zum Schutz der Bevölkerung vor einer erneuten Flut noch Hochwasserschutzmaßnahmen umzusetzen. Außerdem seien die Arbeitsvorgänge in der Fabrik sehr energieintensiv. "Das wird bei laufendem Betrieb durch eine spezielle Förderung abgefedert. Diese greift aber bei Insolvenz nicht mehr ohne Weiteres", erklärt Schädlich.

Entlassen werden musste bisher niemand. Im Gegenteil: Wegen altersbedingter Abgänge werden neue Mitarbeiter gesucht - was sich laut Schädlich nicht einfach gestaltet. Dennoch sei er optimistisch, eine Lösung für die Papierfabrik zu finden. Genauso zuversichtlich ist Geschäftsführer Holger Reichel. "Sonst würde ich meiner Tätigkeit im Betrieb nicht mehr nachgehen", sagt er.

Lunzenaus Bürgermeister Ronny Hofmann (CDU) spekuliert ebenfalls auf eine Lösung. "Es wird unter Volldampf produziert. Das gibt mir die Hoffnung, dass das Unternehmen aus der Insolvenz herausgeführt werden kann. Das erhält Arbeitsplätze und Industrie in Lunzenau; und außerdem bleibt ein traditioneller Betrieb in einem stadtbildprägenden Gebäude erhalten."

Rückblick: Die Papier- und Pappenfabrik war in eine finanzielle Schieflage geraten und musste Mitte August Insolvenz anmelden. Eine Zeitlang war die Fabrik ohne Strom. Die Maschinen standen still. Wenige Tage später konnte aber wieder im Drei-Schicht-System produziert werden. Die 30 Mitarbeiter erhielten nach Angaben von Schädlich zunächst Insolvenzgeld. Jetzt werden sie wieder regulär vom Betrieb für ihre Arbeit bezahlt.

Bereits vor sechs Jahren stand die Fabrik kurz vor dem Aus. Das Hochwasser hatte die Maschinenhalle geflutet und das Werksgelände komplett verwüstet. Die Papiermaschine war abgesoffen. Die Belegschaft hatte zusammengestanden, gereinigt und repariert. Bürger und auch der Verein "Leser helfen" spendeten. Die Versicherung zahlte erste Gelder aus. Drei Monate nach der Flut hatte die Fabrik den Überlebenskampf gewonnen. Alle damals 32 Mitarbeiter arbeiteten wieder in drei Schichten.

Die Fabrik wurde 1885 von Wilhelm Vogel gegründet. Nach der Wiedervereinigung wurde das Unternehmen 1990 reprivatisiert. Der Betrieb stellt hauptsächlich Rohfilzpappen her. Die werden Unternehmensangaben zufolge unter anderem als Abdeckpappe bei Maler- und Renovierungsarbeiten, Unterlegpappe zum Bodenausgleich und Trittschallverbesserung bei Parkett- und Laminatböden verwendet. Im Sommer 2006 war die Produktion von Raufasertapeten eingestellt worden.

Bewertung des Artikels: Ø 4.3 Sterne bei 3 Bewertungen
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...