Das klassische Design der „Putzi“-Zahnpastatuben ist weit über Sachsen hinaus bekannt.
Das klassische Design der „Putzi“-Zahnpastatuben ist weit über Sachsen hinaus bekannt. Bild: Ronald Bonß/ronaldbonss.com
Wirtschaft regional
Von Dresden bis Saudi-Arabien: „Putzi“ aus Sachsen erobert die Welt

Die Dental-Kosmetik GmbH produziert und entwickelt komplett in Deutschland. Angesichts von Preisverfall und internationalem Wettbewerb eine preiswürdige Leistung, findet die Traditionsfirma.

Dresden.

Viele Kinder in Sachsen haben mit der Zahncreme „Putzi“ gelernt, ihre ersten Milchzähne zu putzen. Aber dass das auch Kinder in China oder Saudi-Arabien tun, wissen viele nicht.

„Putzi“ ist der Verkaufsschlager der Dental-Kosmetik GmbH in Dresden. Die Kinder-Zahncreme wird in zehn Länder nach Fernost und den Nahen Osten exportiert. Insgesamt werden auf dem Werksgelände mitten in der Dresdner Neustadt jedes Jahr zwischen 60 und 70 Millionen Tuben mit Zahncreme und Flaschen mit Mundwasser hergestellt. Ein Drittel davon geht ins Ausland. Dental-Kosmetik, die seit 1992 zur Argenta-Unternehmensgruppe in München gehört, produziert Eigenmarken und vor allem Handelsmarken für große Drogerie- und Handelsketten.

Felix Lukasch ist Geschäftsführer von Dental-Kosmetik in Dresden. Dort wird die bekannte Zahnpasta-Marke „Putzi“ hergestellt.
Felix Lukasch ist Geschäftsführer von Dental-Kosmetik in Dresden. Dort wird die bekannte Zahnpasta-Marke „Putzi“ hergestellt. Bild: Julia Bürger/Dental Kosmetik

Aber das ist nicht der Grund, warum die beiden Geschäftsführer Helmut Röschinger und Felix Lukasch für den diesjährigen Preis „Sachsens Unternehmer des Jahres 2026″ nominiert sind. Ihre besondere Leistung im vergangenen Jahr besteht darin, trotz Zöllen und hohen Energiekosten den Produktionsstandort in Dresden gesichert zu haben. Entwicklung, Abfüllung, Verpackung - alles findet komplett unter einem Dach statt, wirklich „Made in Germany“.

„Durch steigende Effizienz, moderne Prozesse und hohe Produktivität behaupten wir uns – auch in einem Markt, der von Preisverfall und internationalem Kostendruck geprägt ist“, betont Felix Lukasch.

Ursprünge: Erfinder von Chlorodont

Er ist zwar schon seit etlichen Jahren in der Geschäftsführung, doch vor rund eineinhalb Jahren hat er das operative Geschäft vor Ort übernommen. Unter seiner Vorgängerin, die bis dahin in Dresden den Betrieb steuerte, drang nicht viel über die Lage in der Traditionsfirma nach außen. Die Ursprünge von Dental-Kosmetik gehen auf das 1907 gegründete Laboratorium LEO zurück, den Erfinder von Chlorodont. Zuletzt machten 2021 Warnstreiks für höhere Löhne Schlagzeilen. Auf die Frage, wie sich seitdem die Löhne für die knapp 100 Beschäftigten – zur Hälfte Frauen – entwickelt haben, heißt es: „Die Vergütungsstrukturen und Arbeitsbedingungen werden kontinuierlich überprüft und angepasst.“ Die Förderung einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist nach eigenen Angaben fester Bestandteil der Personalarbeit. Mitarbeitenden mit familiären Verpflichtungen wird eine „verlässliche Grundschicht“ ermöglicht. Produziert wird im Zweischichtsystem.

Lukasch bemüht sich nicht nur um einen besseren Austausch mit Betriebsrat und Belegschaft, er investierte auch in neue Produktionsanlagen, die Modernisierung des Verwaltungsgebäudes oder recycelbare Tuben. Auf Nachhaltigkeit werde Wert gelegt, bis 2031 soll komplett auf Ökostrom umgestellt werden.

Produziert wird auf dem historischen Gelände

Produziert wird noch immer auf dem historischen Gelände der alten LEO-Werke. Die Mitarbeitenden würden die kurzen Wege schätzen, berichtet Julia Bürger, seit vergangenem April für das Marketing verantwortlich. Sie schätzt an ihren beiden Chefs die Innovationsfreude und die Offenheit für zeitgemäße Private-Label- und Eigenmarkenkonzepte. So werden die Designs überarbeitet und Produktionsabläufe weiterentwickelt, damit mehr Vielfalt und kleinere Serien möglich sind. „Der Ausbau unserer Kapazitäten im Bereich Mundspülung sowie die Stärkung von Forschung und Entwicklung sichern unsere Wettbewerbsfähigkeit“, so Lukasch.

Die eigene Entwicklungskompetenz basiert auf über 200 Rezepturen. Bald kommt eine neue Rezeptur für „Putzi“ hinzu. (sz)

Der Wettbewerb „Sachsens Unternehmer des Jahres“ ist eine Initiative von Sächsischer Zeitung, Freier Presse, Leipziger Volkszeitung und MDR sowie von Volkswagen Sachsen, Sächsische Lotto GmbH, der Schneider+Partner Beratergruppe, der Gesundheitskasse AOK Plus und „So geht sächsisch“.

www.freiepresse.de/unternehmerpreis

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