BG-Klinik: Schließung in Coronazeit erhitzt Gemüter

Könnte das Objekt in Dorfstadt zur Reha von Corona-Patienten genutzt werden? Kurzfristig auf keinen Fall, sagt der Geschäftsführer.

Dorfstadt/Neustadt.

Schon seit der ersten Coronawelle im März werden in der BG Klinik im Falkensteiner Ortsteil Dorfstadt keine Patienten mehr behandelt. Sämtliche rund 100 Mitarbeiter sind gekündigt, die Trägergesellschaft wird zum Jahresende aufgelöst. René Leichsenring aus Neustadt hat keinerlei Verständnis dafür, dass dies ausgerechnet während der Corona-Pandemie geschieht. In einem Brief an den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) verweist er darauf, dass die Klinik über "geschätzt mindestens 100 fest mit Sauerstoff versorgbare Zimmer" verfüge und meint: "Auch dorthin könnten Menschen verlegt werden, deren Zustand sich entsprechend gebessert hat, die aber nach wie vor auf Sauerstoff angewiesen sind." Die Bundeswehr könne einen Notbetrieb sichern, und die ehemals Angestellten befänden sich außerdem derzeit größtenteils in einer Auffanggesellschaft und "wären sicher bereit an ihren ehemaligen Arbeitsplatz zurückzukehren". Weitere Leser äußerten sich gegenüber "Freie Presse" ähnlich.

Hans Böhm, bisher Geschäftsführer der BG Klinik Falkenstein, verweist auf Anfrage zunächst darauf, dass es im Haus keine 100, sondern lediglich 21 Betten mit festem Sauerstoffanschluss gebe. "Darüber hinaus ist jedoch nicht die Ausstattung das Problem, sondern das Personal", so Böhm. "Wer die Freie Presse aufmerksam verfolgt hat, weiß, dass wir in erster Linie wegen der nicht dauerhaft realisierbaren Besetzung von Facharztstellen schließen mussten." Dieses Problem sei in Corona-Zeiten nicht kleiner geworden. Genau dieses Personal werde aber für einen Betrieb als Corona-Notfallklinik kurzfristig benötigt. In beiden Transfergesellschaften seien insgesamt etwas weniger als die Hälfte der ehemaligen Beschäftigten eingetreten. Insbesondere Pflegekräfte und Ärzte könnten aus diesem Personalbestand "jedenfalls kaum requiriert werden".

Nach der erwähnten Auflösung der Trägergesellschaft (BG Klinik Falkenstein gGmbH) gehe es im nun beginnenden Liquidationsjahr ohnehin ausschließlich um den möglichst zügigen Verkauf des Geländes mit Gebäuden samt Inventar. "Über den Betrieb einer Notfallklinik kann daher erst ein neuer Eigentümer mit den zuständigen öffentlichen Stellen sprechen", merkt Böhm an, und schließt dies damit nicht komplett aus. Die Immobilie werde bis zum Abschluss der Verkaufsverhandlungen in betriebsfähigem Zustand gehalten und rund um die Uhr bewacht: "Dies gilt bis auf weiteres auch für die Medizintechnik."

Berichte, nach denen aktuell Erfolg versprechende Verhandlungen zum Verkauf der Einrichtung an einen neuen Klinik-Betreiber laufen, mochte Böhm nicht kommentieren: Über "laufende Verkaufsgespräche und die Geschäftsmodelle von Kaufinteressenten" erteile man "grundsätzlich keine Auskünfte".

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33 Kommentare
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  • 9
    9
    TWe
    31.12.2020

    @Falkensteiner
    Was Sie beschreiben (Studienplatz nur unter der Bedingung einer späteren örtlich gebundenen Arbeitsverpflichtung), gab es zu DDR-Zeiten. Heute ist das glücklicherweise nicht mehr der Fall. Eine solche Regelung wäre mit dem Prinzip der freien Berufsausübung auch kaum vereinbar.

    Es ist wie in anderen Bereichen der Gesellschaft und der Wirtschaft auch. Dort wo Fachleute fehlen, können Sie diesem Mangel nur mit Anreizen entgegen wirken, die es für die Fachleute attraktiv machen, sich in den entsprechenden Gegenden niederzulassen.

  • 18
    3
    DerKuckuck
    31.12.2020

    Reich an Ausreden der Herr Böhm. Wenn hier ein Wille wäre und die politische Unterstützung würde das gehen. Aber hier gehts nur ums Geld. Herr Böhm könnte das auch einfach so sagen. Das lässt sich auch aus seinen Aussegen so rauslesen.

  • 26
    0
    Falkensteiner
    31.12.2020

    Hier wird wieder sichtbar, was auch an vielen andern Stellen deutlich wird: es müssen mehr Ärzte für und vor allen Dingen auch in der Region ausgebildet werden. Sonst bekommen wir den Facharztmangel hier nicht in den Griff. Das bedeutet, Studienplätze für Menschen zu schaffen, die sich hier in Südwestsachsen verpflichten, zu arbeiten ... als Augenarzt, als Hausarzt, als Pulmologe etc.