Ute Lemper kommt Marlene Dietrich ganz nah

Die Künstlerin eroberte mit einer unterhaltsamen und berührenden Hommage an die große Diva die Herzen der Zuschauer im ausverkauften König Albert Theater.

Bad Elster.

Zu den leisen Tönen von Violine, Klavier, Schlagzeug und Kontrabass der Musiker betritt die heute in New York lebende international bekannte Musicaldarstellerin und Chansonsängerin Ute Lemper in einem schwarzen, hochgeschlitzten Kleid die Bühne und interpretiert mit rauchiger Stimme "Sag mir wo die Blumen sind" jenes Antikriegslied, das auch Marlene Dietrich 1962 in Düsseldorf bei der Unicef-Gala gesungen hat. "Ich würde an diesem Abend gern noch mehr für Sie singen, aber nach diesem Lied kann man ja gar nichts mehr singen", flüstert Ute Lemper in der Rolle als Marlene zu Beginn ihres Programms "Rendezvous with Marlene", in dem sie das bewegte Leben der Hollywoodikone den Zuschauern im ausverkauften König-Albert-Theater näher brachte.

Lempers Rendezvous mit Marlene Dietrich basiert auf einem dreistündigen Telefonat, dass sie 1988 in Paris mit ihr geführt hat. Lemper stand als Nachwuchsstar zu jener Zeit gerade am Anfang ihrer Theater- und Musikkarriere. "Damals spielte ich gerade die Sally in Cabaret", erinnert sich Ute Lemper. "Das war ein großer Erfolg, der mir zum Titel einer neuen Marlene verhalf", erzählte sie. Gerade deshalb hatte sie einst einen Brief an die betagte Diva geschrieben und einige Zeit später mehrere Stunden mit dem legendären Star telefoniert. "Ich war damals 24 und Marlene 87", so Ute Lemper. Marlene Dietrich berichtete ihr dabei ausführlich über ihr Leben. "Ich habe viele Jahre gebraucht, um in ihre Geschichte hinein zu sinken", verkündet Lemper, bevor sie in einem berührenden Zwiegespräch in beide Rollen schlüpfte.

Einsam in einer kleinen Pariser Wohnung zurückgezogen lebend, möchte Marlene Dietrich Ende der 1980er Jahre ihr Gesicht nicht mehr öffentlich zeigen. Sie, die nach Ruhm und Enttäuschung zunehmend im Alkohol versank. "Denken wie ein Boss, benehmen wie eine Lady", verrät Marlene der jungen Ute Lemper als Erfolgsrezept wie sie es 1930 zu ihrer berühmten Hauptrolle als Lola in dem Film "Der blaue Engel" schaffte und der Aufstieg zur internationalen Künstlerin gelang. Selbst hat sie erst vom Erfolg des Films erfahren, als sie schon auf dem Weg nach Amerika war. "Das Land der Dichter und Denker hat seine Seele verloren", führt Ute Lemper als Marlene aus, nachdem viele ihrer Landsleute sie als Vaterlandsverräterin beschimpft hatten, weil sie sich während der Zeit des Nationalsozialismus nach Amerika absetzte und eigentlich nie wieder nach Deutschland zurückkehren wollte.

Und Ute Lemper erfährt von Marlenes großer Liebe zu Rainer Maria Rilke ebenso von ihren unzähligen Liebhabern, die nicht alle nur Männer waren. Ute Lemper präsentiert dazu die größten Songs der Diva wie "Just a Gigolo" , singt einfühlsam ihr "The answer, my friend, is blowin' in the wind" und ihr berühmtes "Ich bin die fesche Lola" sowie "Illusions", zu der sie ihre langen Beine übereinander und in die Höhe streckt, ganz so wie einst Marlene Dietrich. Ute Lemper begeisterte außerdem mit "Lili Marleen", das Dietrich 1943 vor amerikanischen und alliierten Soldaten sang und das damit später zum deutschen und internationalen klassischen Soldatenlied wurde.

Schließlich erzählt Ute Lemper auch über Marlene Dietrichs verloren gegangene Beziehung zu ihrer Tochter, ihre Trauer und Einsamkeit am Ende ihrer Karriere. Eng verbunden scheint Ute Lemper mit Marlene Dietrich, sollte sie doch auch selbst im Jahr 1992 in Berlin die Lola spielen. "Marlene starb zehn Tage vor der Premiere", erinnert die Künstlerin und singt das unsterbliche "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt". Dafür erntet sie am Schluss Standing Ovations der Zuschauer.

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